Iss mal was – Warum Skinny Bashing nicht so salonfähig sein sollte, wie es gerade ist

Ich stehe wie fast jeden Freitag Nachmittag an der Supermarktkassa. Vor mir liegt mein Einkauf, bereit mit einem hellen „Biiep“ eingescannt zu werden. Ich liebe den Wocheneinkauf, er entspannt mich. Ich mag es, gesunde Sachen zu kaufen und mir dabei zu überlegen, was ich daraus kochen werde. Ich kontrolliere nochmal die Dinge, die am Förderband liegen und hake gedanklich meine Einkaufsliste ab. Der Großteil davon ist Obst und Gemüse. Vollkornnudeln und Joghurt. Brennnessel-Tee, weil ich ihn schon immer gerne trinke und er eine entschlackende Wirkung hat. Deshalb prangt vermutlich auch das Wort FASTENTEE auf der Verpackung. Ich registriere zwar ein Getuschel hinter mir, bin aber zu gedankenversunken um näheres zu hören. Bis mir der Satz „Na die hat fasten nötig.“ in den Ohren dröhnt. „Vielleicht sollten wir der Armen ein paar Säcke Chips mit drauflegen.“ Kichern. Ich höre es, reagiere aber nicht darauf. Ich bin schon viel zu weit weg, viel zu weit zurückgeschleudert in die Zeit, in der ich nach so einem Kommentar zwei Tage heulend in meinem Zimmer gehockt wäre.

Als ich so richtig darüber nachdenke, bin ich mit meinen Einkaufstaschen schon fast bei meiner Wohnung. Cool bleiben, das hast du hinter dir, das kann dir heute gar nichts mehr anhaben. Kann es aber doch, denn das ist mittlerweile eine Woche her und ich denke immer noch daran. Nicht voller Wut oder Verletztheit sondern aus Frust. Denn was ich in meiner Kindheit und Teenagerzeit schon erlebt habe, ist heute dank Social Media noch viel größer geworden und hat sogar einen klingenden Namen bekommen: Skinny Bashing.
Schockierend, was man findet, wenn man diesen Begriff durch die Suchmaschinen jagt. Artikel, Blogbeiträge oder der erstaunlich beliebte Tumblr-Account „fuck skinny bitches, curvy women are real women“. Immer begleitet von den Kommentaren verunsicherter Mädchen,  die aber sofort mit Schimpftiraden abgetan werden. Man solle sich nicht beschweren, man solle es doch als Kompliment nehmen. Ist doch nur die Eifersucht der anderen – aber zunehmen würde ich an deiner Stelle schon. Oder einfach die Worte, die mir bis heute den Magen verkrampfen lassen: Iss. Mal. Was.

Zuerst einmal: Ja, ich bin dünn. Schon immer. Ich bin 1,75cm groß und habe Kleidergröße 34. Ich kann essen was und wie viel ich will und nehme dabei auch ohne Sport kein Gramm zu. Auch schon immer. Das ist einfach so und wird wahrscheinlich auch nicht ewig so bleiben, aber bis dahin sollte ich es genießen. Ich bin völlig gesund, muss nicht ständig kalorienzählen und mir weder Süßigkeiten noch Fast Food verkneifen – dass das positiv ist, habe ich dummerweise erst in den letzten paar Jahren verstanden. Davor hörte ich einfach viel zu sehr auf andere Leute, die mir einreden wollten, dass etwas mit mir nicht stimmt.

Als Kind ist dünn sein noch kein großes Problem, der Großteil der Kinder ist es und es wird auch noch in seiner niedlichen Form „zart“ beschrieben. Als Teenager wird es dann schon heikler. Damals schoss ich einfach nur in die Höhe, war immer die Größte in der Klasse. Wo die anderen Mädchen langsam Rundungen bekamen, war ich flach wie ein Bügelbrett, bis auf die beiden Knochen, die sichtbar aus meiner Hüfte ragten. Ich war damals genauso pragmatisch mit meinem Körper, wie ich es heute zum Glück wieder bin: anders wäre vielleicht schöner, aber was soll’s, so bin ich eben. Aber das Selbstbewusstsein eines Teenagers hängt nunmal stark von der Außenwelt ab und so konnte ich die Sprüche von Freunden, Bekannten und Verwandten bald auswendig. „Gibt man dir nicht genug zu essen?“, „Isst du so wenig?“, „Dürrer Haken“.
In meinem ganzen Umfeld ist es nicht und war es (zum Glück) nie üblich, übergewichtige Menschen sofort auf ihr Gewicht zu reduzieren und Dinge zu sagen wie „Bist du immer schon so dick?“ oder „Iss mal ein bisschen weniger, schadet dir nicht“. Mir direkt zu sagen, dass ich ruhig noch ein Stück Torte essen kann (das kann mir nicht schaden), ist dagegen sehr normal und ist bis heute alltäglich. Niemand, es sei denn man ist ein richtiges Arschloch, würde eine Person mit Übergewicht bei der ersten Begegnung gleich auf ihre Figur ansprechen. Bei auffällig schlanken Menschen ist es aber bloß Teil des Smalltalks. Nennt mich naiv, aber wenn ich jemanden kennenlerne, würde ich gerne über meinen Charakter definiert werden und nicht über meine Statur. Eine besonders unsensible Klassenkameradin entledigte sich ihrer Vorurteile gleich beim ersten Kennenlernen in der neuen Schule: „Sag mal Jenni, bist du magersüchtig?“. Sowas verdaut man nicht so schnell. Denn wenn dir jeder sagt, dass etwas mit dir nicht stimmt, dann glaubst du es irgendwann selbst. Ich weiß nicht mehr, wie oft ich beim Arzt nachgefragt habe, warum ich nicht zunehme, was nicht in Ordnung ist mit mir. Wie oft ich recherchiert habe, was mein Problem sein könnte. Wie oft ich fast bis zum Erbrechen doppelte Portionen, Süßigkeiten und Chips in mich reingeschaufelt habe, nur damit ich ein paar Gramm zunehme, die am nächsten Morgen sowieso wieder weg waren. Ich wollte einfach nur zunehmen und aussehen wie alle anderen auch. Ohne hervorstehende Rippen und Komplexe.

Deshalb fühle ich umso mehr mit all den jungen, verunsicherten Mädchen mit, die in den Onlineforen beschimpft werden und sich nicht mal zur Wehr setzen können. Denn dann heißt es ganz schnell „beschwer‘ dich nicht, das ist doch ein Kompliment“.
NEIN ist es nicht. NEIN es ist kein Kompliment wenn einem mit „Iss doch mal was“ geraten wird, seinen Körper zu verändern. NEIN es ist kein Kompliment, wenn man grundlos dafür kritisiert wird weil man so ist wie man eben ist. NEIN es ist kein Kompliment, wenn man eine schwere psychische Krankheit wie Magersucht einfach so nachgesagt bekommt.

Und NEIN, diese Zeilen sollen auch nicht bedeuten dünn=gut. Denn in Zeiten von #thinspiration und #tighgap nimmt auch der Schlankheitswahn gefährliche Ausmaße an. Von dem großen Size-Zero-Problem in der Modeindustrie erst gar nicht zu sprechen.  Und dass übergewichtige Menschen schnell schief angesehen oder sogar beleidigt werden, klammere ich hiermit auch nicht aus. Natürlich gibt es auch das viel zu oft.
Es ist jedoch nicht so salonfähig wie Skinny Bashing.

Deshalb gehen die nächsten Zeilen nicht nur an die Untergewichtigen unter euch. Nicht nur an die Übergewichtigen und auch nicht nur an die, die wegen was auch immer verunsichert in den Spiegel schauen: Egal wie ihr ausseht, solange ihr gesund seid, lasst euch nie auf euer Äußeres reduzieren. Nehmt euch unsensible Kommentare nicht so zu Herzen und lasst euch nicht durch die Meinung Fremder beeinflussen. Denn die entspringt meistens sowieso nur aus deren eigener Unsicherheit. Man sollte sich für seinen eigenen Körper vor niemandem rechtfertigen  müssen. Man sollte einfach nur in Ruhe lernen dürfen, ihn so zu lieben, wie er ist.
Lasst euch von niemandem sagen, dass etwas nicht mit euch stimmt, nur weil ihr nicht der Norm entsprecht!

 

Heute hat sich mein persönliches Selbstbild zum Glück verbessert. Warum auch nicht, verändern kann ich sowieso nichts, denn ich nehme noch immer nicht zu. Ich habe weder eine Model-Figur noch bin ich untergewichtig, ich bin vermutlich das, was man schlacksig nennt. Aber seit ich realisiert habe, dass ich die Vorteile einer solchen Figur einfach genießen sollte, habe ich mir keine Gedanken mehr über das Thema gemacht. Ich mag es, auf mich zu achten, mich gesund zu ernähren, Sport zu machen und mir auch manchmal eine vor Fett triefende Pizza reinzustopfen, ganz ohne Reue. Bis heute hasse ich es aber, wenn man mich beim Essen beobachtet. Ich kann es nicht ausstehen, in großen Gruppen zu essen. Es ist schon ein Zeichen tiefer Vertrautheit wenn ich vorschlage, gemeinsam etwas essen zu gehen. Selbstbewusstsein kann man lernen, manche kleinen Narben bleiben aber für immer.

Denn wie so oft sollte man auch in Sachen Aussehen und Figur zuerst beide Seiten der Medaille betrachten, bevor man urteilt.

Ein letzter Rundgang – Karl Lagerfeld. Modemethode in Bonn

Über 60 Jahre in der Modebranche. 4 der renommiertesten Modelabels der Welt. 126 Looks und hunderte Accessoires. Die Ausstellung KARL LAGERFELD. MODEMETHODE in der Bundeskunsthalle Bonn lädt noch bis 13. September zum Staunen ein.

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Was soll man über jemanden schreiben, den man schon so lange Zeit bewundert? Wie soll man einen Artikel beginnen, über eine Person, deren Name mehr als 16.900.000 Google-Treffer hat? Wie soll man einen der großartigsten Designer unserer Zeit beschreiben? Am besten nicht zu schwärmerisch, denn das mag er nach eigener Aussage gar nicht. Das glaubt ihr mir nicht? Aber dochdochdoch! „Eigentlich bin ich noch immer irgendwie der kleine Junge aus Hamburg“. Dass das die Übertreibung des Jahrhunderts ist, zeigt die umfangreiche Retrospektive, die Karl Lagerfeld dieses Jahr in der Bundeskunsthalle in Bonn gewidmet wurde. Aber wir wissen ja: „Was ich sage, ist nur dann gültig wenn ich es gerade sage.“ Niemand wurde so oft zitiert, niemand schüttelt so viele Entwürfe aus dem Ärmel, niemand fertigt so präzise Zeichnungen. Wobei wir auch schon am Beginn der Ausstellung wären. Hier steht zentral und hell erleuchtet das Heiligtum des Designers. Sein Rückzugsort, sein kreativer Mittelpunkt, der Entstehungsraum seiner Ideen und da er mehr oder weniger den ganzen Tag hier verbringt, auch sein Lebensraum: Karl Lagerfelds Schreibtisch. Nun ja, eine Nachbildung um genauer zu sein, was mich allerdings nicht daran gehindert hat, ihn andächtig zu berühren. Hüfthoch-gestapelte Zeitschriften und Bücher, Klebestifte, Zeichenmaterial und ja, auch das berühmte Shu Uemura Make-Up, mit dem er seine Entwürfe koloriert. Und auffallend viel Papier. Papier, gestapelt am Boden, Papier in Blockform (der Originale Zeichenblock übrigens). Und Papier zerknüllt auf dem Schreibtisch. Ein Anblick bei dem ich erschaudere – wie viele geniale Ideen, die er als nicht gut genug befand, kamen so wohl ums Leben? Und das ist auch das zentrale Thema der Ausstellung. Nein, nicht das Dahin-meucheln unschuldiger Entwürfe, sondern Papier. Das Liebste Medium des Künstlers.

          lagerfeld_Chanel_05 Fendi Adele s.r.l. - Karl Lagerfeld sketches - Fall/Winter 2000

Und so wurden auch alle Texte zu Ausstellungsstücken auf Papier geschrieben und samt Modeskizzen und Zeitungsausschnitten aus Papier an die grauen Mauern geklebt. Das leise Kratzen eines Filzstiftes dient als Geräuschkulisse und ist allgegenwärtig. Im letzte Raum, der die Haute Couture Entwürfe beherbergt, regnet es Papier sogar von der Decke – aber so weit sind wir noch gar nicht.

Betritt man den zweiten Raum, sticht dem wahren Karl-Fanatiker gleich das erste Stück ins Auge: der Mantel, den er 1954 für einen Talentwettbewerb entwarf und damit sofort den ersten Platz gewann. In der Jury: Hubert de Givenchy und Pierre Balmain. (Den ersten Preis in der Kategorie „bestes Cocktailkleid“ gewinnt übrigens der junge Yves Saint Laurent). Der Startschuss für eine Karriere sondergleichen und ein Leben für die Mode.

Ich könnte nun alle Stationen dieses außergewöhnlichen Menschen anführen. Von seinen ersten Erfolgen bei Chloé, den Einstieg bei Fendi, der Rettung von Chanel oder der Gründung seines eigenen Labels Karl Lagerfeld. Aber das würde den Rahmen sprengen. Was trotzdem erwähnenswert und auffallend ist: egal welches Label, egal welches Jahrzehnt an dem kleinen Schildchen am Fuß des Mannequins geschrieben steht – die Kleidung wirkt so zeitlos und modern, dass man sie auch heute noch ohne weiteres tragen könnte und damit trotzdem voll am Puls der Zeit wäre.

„Karl Lagerfeld prägt die Modewelt bereits seit über 60 Jahren und ist dabei so aktuell wie kein Zweiter. Seine Entwürfe sind profiliert und eigen, atmen aber gleichsam den Geist der Zeit und lassen – je nach Modehaus und Kollektion – einen klaren Stil erkennen.“, bemerkt auch Rein Wolfs, einer der Kuratoren von Modemethode.

Hat man die (Ruhmes-)Halle seiner Prêt-a-Porter-Entwürfe durchquert, gelangt man zum letzten Raum, dessen Schönheit einem fast den Atem raubt. Okay, das könnte man jetzt als zu schwärmerisch auffassen – aber meine eigene Schnappatmung und mehrere beeindruckte „Mon Dieu“s der Schweizer Touristengruppe hinter mir bewiesen, dass es so war. Das Künstlertrio Wanda Barcelona hat für ihre Installation abertausende Papierteilchen (aus Gmund Papier, der favorisierten Zeichenunterlage Lagerfelds) eigenhändig angesengt und durch den ganzen Raum „schweben“ lassen. Dazwischen präsentieren sich die aufwendigen Haute Couture Entwürfe wie glitzernde Statuen, deren Perfektion man fast nicht fassen kann.

King Karl, Kaiser Karl, Modezar Lagerfeld – alles Betitlungen, die dem ironischen Humor des Designers entsprechen. Aber sieht man diese visualisierte Zusammenfassung seiner Kreativität, die eigentlich nur ein Bruchteil seines Werkes zeigt, wird klar, dass Karl Lagerfeld eigentlich nur eines ist: einer der visionärsten, stilprägendsten Modeschöpfer unserer Zeit, und wahrscheinlich sogar über diese hinaus.

Für all jene, die es nicht ins schöne Bonn geschafft haben, gibt’s hier einen Rundgang durch die Ausstellung, die nur noch bis 13. September 2015 zu sehen ist:

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Weitere Informationen unter www.bundeskunsthalle.de.

(Credits: Bundeskunsthalle Bonn, Beschreibungen in der Bildbeschriftung.)

 

Alexander McQueen – Savage Beauty

Einer der Hauptgründe für meinen Wochenend-Trip nach London dieses Frühjahr war, dass hier im Victoria & Albert Museum eine fast schon sagenumwobene Ausstellung Station machte. Von 14. März bis 2. August ist die große Alexander McQueen-Retrospektive „Savage Beauty“ in der Heimat des Designers zu sehen. Aber was steckt hinter der ganzen Aufregung und ist der Hype überhaupt gerechtfertigt? Willkommen zum virtuellen Rundgang, auf den Spuren des Ausnahme-Künstlers, dessen Gesicht bald sogar die neue 20 Pfund-Münze zieren könnte.

2011, knapp ein Jahr nach dem Tod Alexander McQueens, wurde die Ausstellung „Savage Beauty“ im Metropolitan Museum of Art in New York eröffnet. Nach den überraschend erfolgreichen ersten Wochen, in denen Besucher bis zu zwei Stunden um Tickets anstanden, beschloss das Met, spezielle 50-Dollar-Tickets anzubieten, mit denen man die Schau auch montags sehen konnte – ein Tag, an dem das Museum traditionellerweise geschlossen hat. 17.000 dieser Tickets wurden schlussendlich verkauft. Nach zwei Monaten wuchsen die Wartezeiten auf vier Stunden an und erstmals in der Geschichte des Museums wurden die Öffnungszeiten bis Mitternacht verlängert. Insgesamt 650.000 Menschen pilgerten nach New York um eines zu sehen: „Savage Beauty“ – wilde, grausame, schonungslose, drastische Schönheit. Nun ist die Ausstellung, die alle Rekorde brach, im nicht weniger ausgebuchten Victoria & Albert Museum in London zu sehen. Und sie ist eine Reise wert.

Gleich zu Beginn betritt man einen fast zur Gänze abgedunkelten Raum. Einzig das überdimensionale Antlitz des Designers selbst prangt, umgeben von diffusem Licht, an der Wand. Es macht den Anschein, als besuche man hier nicht nur eine Ausstellung, sondern betrete die Gedankenwelt eines der genialsten Modeschöpfer dieser Welt  – Lee Alexander McQueen. Seine Karriere begann mit sechzehn, als Lee, das  Arbeiterkind aus bodenständigen Verhältnissen mit schottischen Wurzeln, die Schule verließ, obwohl er lediglich einen Abschluss in Kunst erzielt hatte. Es folgten Lehrstellen bei Anderson & Sheppard, dem Traditionsschneider des königlichen Hofausstatters in London, einem Militärschneider, einem Kostümbildner und schließlich der Master-Studiengang im Central Saint Martins, einem der renommiertesten Colleges für Mode weltweit. Hier sorgte er schon mit seiner Abschlusskollektion „Jack the Ripper stalks his Victims“, in die er menschliches Haar einnähte, für Aufsehen. Und so steht auch der erste Teil der Ausstellung ganz im Zeichen seiner Anfänge. Man sieht die ersten konzeptionellen Werke seiner Studienzeit, die ersten akkurat geschneiderten Blazer und, für spätere Verhältnisse, die sehr konservativen Hosenanzüge. Die Geräuschkulisse ist beklemmend, fast schon unheimlich, und man fühlt sich hier nicht wohl. Ganz so, wie sich McQueen in diesem Abschnitt seiner Laufbahn nie wohl gefühlt hat. Er litt unter den homophoben Ansichten der alteingesessenen Schneider, durfte sich kreativ nie voll entfalten, war zu eingeengt in seinem Schaffen. Die ausgefallenen Ideen existierten bereits in seinem Kopf, das Geld zur Umsetzung hatte er aber bei weitem nicht. Doch lernte er hier das handwerkliche Können, das der Kern seiner kreativen Fantasien war. Auch dem ausgefallensten Kleid lag ein perfekt konstruierter Schnitt zugrunde. In seiner Karriere sollte er durch sein unglaubliches Talent immer wieder anderen auffallen, darunter dem Fotografen Nick Knight, der unmittelbar Zeuge von McQueens Fähigkeiten wurde. Bei einem Shooting zerriss er vor den Augen des staunenden Teams den Anzug eines Bräutigams um daraus ein Hochzeitskleid zu fertigen, in weniger als 3 Minuten. „Man muss die Gesetze der Mode erst erlernen, damit man sie brechen kann.“

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Doch Talent allein macht nicht berühmt, das fand der oft in sich gekehrte schnell heraus. So verbreitete er das Gerücht, er habe während seiner Schneiderlehre in eines der Sakkos für Prinz Charles einen kleinen Zettel mit der Aufschrift „I am an asshole“ eingenäht, woraufhin sämtliche Modelle aus dem Kleiderschrank des Royals eingezogen und in ihre Einzelteile zerlegt wurden. Beweise gab es schlussendlich keine, doch er hatte damit das erzielt, was er zu dieser Zeit am meisten brauchte: Aufmerksamkeit. In regelmäßigen Abständen fütterte er die Modepresse mit provokativen Aussagen, offene Diskussionen bereiteten ihm eine bösartige Freude. McQueen brachte, zusammen mit seinem schmutzigen Lachen und der Vorliebe für Junkfood und Bier, frischen Wind in die damalige, steife Modeszene.

Dass „Savage Beauty“ nicht chronologisch geordnet ist, merkt man an der großen Glasvitrine vor der man nun steht. Verträumte Brokat-Stickereien, wallender Tüll, Fotodrucke seiner Lieblingskünstler Hieronymus Bosch und Sandro Botticelli, die Engels-oder Endzeitmotive zeigten, ein Mantel aus gold-gefärbten Entenfedern – die letzte Kollektion des Designers, die noch postmortem von seinem Team gefertigt wurde und als seine schönste gilt. In kleinstem Kreise wurde die Kollektion „Angels & Demons“ im Salon eines Pariser Herrenhauses gezeigt. Die sechzehn Entwürfe, die alle noch von McQueen selbst zugeschnitten und drapiert worden waren, wirken zart, zerbrechlich und unfassbar glamourös. Nichts ist mehr von der Härte und dem Rüstungsartigem zu sehen, das bislang alle McQueen-Kollektionen durchwuchs. Man ist geblendet von der Schönheit, verlässt den Raum aber mit dem unheimlichen Gefühl, dass die Hand des Designers schon von der friedvollen Gelassenheit geführt wurde, die mit einem Abschluss einhergeht. Dem Abschluss mit seinem Leben.

4._Tahitian_pearl_neckpiece_Shaun_Leane_for_Alexander_McQueen_Voss_Spring_Summer_2001_copyright_Anthea_Sims PARIS fashion week march 2006 READY TO WEAR FALL WINTER 2006/07 ALEXANDER Mc QUEEN Mandatory Credit: Photo by REX (326601l) ALEXANDER MCQUEEN FASHION SHOW AT LONDON FASHION WEEK SPRING SUMMER 2001

Anfänglich wurde Alexander McQueen eine gewisse Frauenfeindlichkeit nachgesagt. Er stecke Frauen in Bondage-und Sadomaso-Outfits, nannte eine seiner Kollektionen „Highland Rape“ und wurde von der Presse dadurch angeklagt, eine gefährliche und brutale Sexualität zu propagieren. Lange schwieg er zu diesen Vorwürfen, erklärte dann aber den wahren Grund hinter dieser Mode. Als Achtjähriger hatte er mitansehen müssen, wie der damalige Ehemann seiner Schwester sie vor den Augen ihrer Kinder zu würgen begann. „Ich weiß also, was Frauenfeindlichkeit bedeutet. Alles, was ich seitdem getan habe, sollte die Frauen stärker erscheinen lassen, nicht naiv. Ich will den Frauen Macht geben. Ich möchte, dass man die Frauen in meinen Kleidern fürchtet.“

Seine Mode war aber immer auch Ausdruck seiner selbst, seiner Anliegen, Träume und vor allem Ängste. Mit seinen Konzepten und Shows nahm er kritisch Stellung zu kontroversen Themen, vor allem zu Schönheitsidealen. Shows wie „No.13“, die er von einer Teilnehmerin der Paralympics eröffnen ließ, deren Beine oberhalb des Knies amputiert worden waren, sorgten für Diskussion. Das Shakespeare-Zitat „Liebe schaut nicht mit den Augen, sondern mit dem Verstand“ prangte auf ihrem Arm.

In anderen Kollektionen krabbelten lebendige Würmer zwischen den Plastikschichten eines Korsetts oder liefen blasse Models mit Dornenkronen blutüberströmt über den Laufsteg in Form eines Kruzifix. Schockmomente, Ekel, Selbstreflexion. Mit Voss (2001) brachte er diesen Gedanken auf die Spitze. Das Publikum nahm vor einem riesigen Glaskasten Platz, der zunächst nur das eigene Spiegelbild wiedergab. Man konnte entweder wegsehen, sich selbst betrachten oder die unangenehme Erfahrung machen, wie andere einen selbst anstarren. Mit dieser Installation hatte er es geschafft, die Modejournalisten zu Objekten zu reduzieren und sie gezwungen, ihren kritischen, normalerweise auf Models gerichteten Blickauf auf sich selbst zu lenken. Als der Glaskasten von Innen beleuchtet wurde, gab er den Blick auf die Models frei, die mit bandagiertem Kopf und wirren Blicken durch eine Art psychiatrische Anstalt zu torkeln schienen. Der beängstigende Eindruck kam auf, dass die Schönheiten durch ihr eigenes Spiegelbild in den Wahnsinn getrieben werden.

Wahnsinn ist auch das Wort, welches einem beim Betreten des „Cabinet of Curiosities“ – dem spektakulärsten Raum von Savage Beauty – als erstes durch den Kopf geht. In einem überdimensionalen Setzkasten huldigt man hier den ausgefallensten Entwürfen und Shows, den kontroversesten Modellen und vor allem den Accessoires, die großteils von Hutmacher Philip Treacy stammen. SM-Masken, gemischt mit wunderschönen, filigranen Kopfbedeckungen und skulpturalen Schuhen. Performances werden auf Bildschirmen übertragen, die neben Haute-Couture-Kleidern aus seiner Zeit bei Givenchy Platz finden. Alles unterlegt mit sphärischen Klängen und eindeutigem Gestöhne einer Frauenstimme. Ein Raum, ganz so, wie McQueen seine Mode laut eigenen Aussagen selbst gesehen hat: „Es schwingt immer eine gewisse Sexualität und Perversität mit.“

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Mäntel und Blazer in militärischen Schnitten, Kleider in Anlehnung an das 19. Jahrhundert, Schottenkaro und Totenkopfmuster. Alles Dinge, die McQueen zu seinem Markenzeichen machte. Unvergessen auch die extrem tiefsitzenden „Bumster“ Hosen aus der 1994er Kollektion „Nihilism“, die ein drittel des Po’s freigaben und die Damenmode der folgenden Jahre stark beeinflussten.

„Sein Wissen über Mode und über das, was er wollte, war so schwarz und weiß. In dem, was er tat, gab es keine Grauzonen.“ – Sarah Burton

In der Tat pendelte er immer wieder zwischen Fröhlichkeit und Traurigkeit, Gut und Böse, Leben und Tod. Schuppige Körper, deformierte Silhouetten, hybride Wesen aus Mensch und Amphibie, aus Frau und Reptil. Die Vision, die McQueen mit seiner letzten Runway Show hatte, ging von einer zukünftigen Welt aus, in denen alles Land überflutet wurde und die Menschheit sich an ein Leben unter Wasser anpassen musste: Plato’s Atlantis. Die kaleidoskopischen Digitaldrucke galten als die komplexesten seiner Karriere, die amorphen „Armadillo“-Plateaustiefel, die nicht zuletzt Lady Gaga berühmt machte, gingen in die Modegeschichte ein.
Nur schwer löst man sich von dem Anblick der aufgereihten Wesen einer anderen Welt. Schafft man es aber doch, so merkt man: hier ist das Ende der Ausstellung und damit das Ende von Alexander McQueen. Nach dieser Fashion Show gab der Designer noch ein letztes, kurzes Interview, in denen er ungewohnt blass und abgekämpft aussah. Seine Antworten waren melancholisch, er wirkte in sich gekehrt und gedankenverloren. Das Ende krönt das Werk.
Am 10. Februar 2010, nur einen Tag vor der Beerdigung seiner Mutter, nahm sich Lee Alexander McQueen das Leben und der Modewelt ein Genie.

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„Alexander McQueen: Savage Beauty“  kann man noch bis 2. August 2015 im Victoria and Albert Museum London besuchen. Resttickets sind über www.vam.ac.uk erhältlich.

Travelguide: London

Kennt ihr das Phänomen, durch einen bestimmten Geruch oder Geschmack plötzlich an einen anderen Ort versetzt zu werden? Bei mir passiert das immer bei einer Tasse schwarzen Tee mit Milch. Immer, wenn mir das nussige Aroma in die Nase steigt und ich die warme Tasse mit dem trüben Inhalt in den Händen halte, bin ich gedanklich wieder in London. Es ist nicht mal ein bestimmter Ort, sondern ein Potpourri aus Szenarien, das mir dann durch den Kopf schießt. Das Gewusel in der Underground, die roten Busse am Picadilly Circus, die leichte Brise an der Themse, Dumblings essen in China Town. „Mind the Gap.“ Dreimal war ich nun schon in dieser tollen Stadt und habe noch lange nicht genug, denn eine Reise nach London fühlt sich immer an, als würde man einen sehr guten Freund endlich wiedersehen. Grund genug, um dieser Stadt den ersten Beitrag meiner Reise-Kategorie zu widmen!

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Die Stadt


Spätestens wenn man von einem der Flughäfen in die Stadt fährt, merkt man: London ist riesig. Es gibt so viele Stadtteile, die alle auf so unterschiedliche Weise großartig sind. Selbst wenn man, so wie ich, den typischen Touristen-Kram nicht macht, entdeckt man bei jedem Besuch wieder unzählige neue Plätze. Man könnte hier wohl einen ganzen Tag damit verbringen, irgendwo in der Schlange zu stehen: für eine Fahrt im London Eye, für den Eintritt in den Tower, für Tickets für den London Dungeon.. Wer sich nicht unbedingt vor den Kronjuwelen fotografieren möchte, erlebt bei einem Spaziergang entlang der Themse viel mehr! Oder man fährt nach Covent Garden, lauscht den Straßenmusikern, stöbert in den kleinen Läden rund um die große Markthalle und trinkt Cider im Freien.

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First Steps


Ich bin kein Freund von Billig-Flugunternehmen, aber wenn es nach London geht, dann meistens spontan. Deshalb kann ich bisher nur gutes über Ryanair berichten. Wer die Möglichkeit hat, von Linz oder Salzburg wegzufliegen, gelangt in angenehmer Flugzeit nach London Stansted. Aber Achtung beim Kleingedruckten, oft werden versteckte Zusatzkosten eingebaut, die man nur weg klicken muss.
Eine der günstigsten Varianten vom Flughafen in die Stadt zu kommen ist der Shuttledienst Easy Bus, der nur zu gewissen Zeiten abfährt und verrückterweise eine sehr begrenzte Anzahl von Passagieren mitnehmen kann. Empfehlenswerter und weitaus komfortabler ist da der National Express, der nur ein bisschen teurer, dafür umso unkomplizierter ist.
Man sollte es vermeiden, am Flughafen sein Geld in Pfund zu tauschen – der Wechselkurs wird dort immer als der günstigste angepriesen, ist aber meistens sehr schlecht. Besser ist es, mit seiner Kredit- oder Bankomatkarte in den Banken gleich Pfund abzuheben, so verliert man am wenigsten.

Budget


Eines ist klar und kein Geheimnis: London gehört zu den teuersten Städten Europas. Nicht unbedingt was das Shoppen angeht, aber bestimmt das Wohnen, Essen und U-Bahn-fahren. Bei meinem ersten Aufenthalt – damals noch Schülerin – habe ich so viel Zeit und Mühe darauf verwendet, möglichst günstige Alternativen für Mittag-und Abendessen zu finden, dass mir heute noch um die Zeit Leid ist. Auch das günstige 3-Sterne-Hotel in gar nicht so schlechter Lage entpuppte sich als Kämmerchen mit dürftigem Bett und Fenster, das sich nicht ganz schließen ließ (im Winter). Deshalb mein Tipp, auch wenn es blöd klingt: ein bisschen sparen und mehr für Verpflegung und Unterkunft einkalkulieren, damit der Urlaub wirklich perfekt wird.
Wirklich toll ist aber, dass die meisten Museen freien Eintritt bieten. Einen Besuch im British Museum, der National Gallery, dem Natural History Museum, der Tate Modern/Britain oder dem Victoria & Albert Museum sollte man daher auf jeden Fall einplanen!

Unterwegs


Auch von A nach B zu kommen ist nicht gerade preiswert. Wer das volle Programm inklusive aller Attraktionen durchziehen möchte, für den eignen sich die sogenannten Travel Cards mit vielen Vergünstigungen durchaus. Wem es hauptsächlich um die Fortbewegung geht, der besorgt sich am besten eine Oyster Card, die auch die meisten Londoner nutzen. Eine gute Übersicht über alle Angebote findet man HIER.

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Wohnen


Wie oben schon erwähnt, hatte ich auch bereits weniger gute Erfahrungen in Sachen Unterkunft. Es gibt sie wahrscheinlich wirklich irgendwo, die günstigen Hotels mit guter Lage, ohne muffigen Geruch, in denen man im Winter nicht fast erfriert – ich habe aber bislang noch keines gefunden. Mein zweiter Aufenthalt in der Stadt war ein viertägiger Pärchenurlaub zu viert, weshalb wir beschlossen, statt eines Hotels ein Airbnb Apartment zu beziehen. Wir hatten uns schnell für DIESES APARTMENT entschieden und es nicht bereut! Es war hell, geräumig, sehr sauber, nett eingerichtet und mit € 45,- pro Nacht und Person extrem günstig für London. In der kleinen Küche hat man alles, was man braucht, um sich Frühstück oder Lunchpakete selbst zu machen (ein riesiger Salisbury ist gleich um die Ecke). Die Besitzer nahmen sich sogar ein bisschen Zeit, um uns die Gegend zu erklären und die besten Pubs und Restaurants zu empfehlen. Einzig die Gegend war nicht so „absolutely upcoming and super cool“, wie uns der Host einreden wollte. Die Wohnung liegt direkt zwischen der Underground Station „Whitechapel“ und einigen zentralen Busstationen und

Der Blick aus dem Fenster unseres Zimmers im Motel One.

zur Tower Bridge könnte man sogar zu Fuß gehen – aber abends alleine in dieser Gegend spazieren zu gehen, würde ich mich nicht trauen. Am Samstag war es nachts durch Autolärm und Randale doch sehr laut und gleich am ersten Tag wurden wir von einer zwielichtigen Gestalt gefragt, ob wir ihm ein paar Drogen abkaufen wollen. Aber Hey, auch das könnte man unter Gastfreundlichkeit verbuchen und die Miete war wie gesagt ein Schnäppchen. Begeistert war ich allerdings von meinem letzten Aufenthalt im gerade-eröffneten Motel One, das in der Straße Minories 24-26 und damit gleich neben der Tower Bridge liegt. Den typisch-englischen Charme versprüht es zwar nicht, es wird dafür aber Wert auf hochwertiges Design und Funktionalität gelegt. Das Zimmer ist sehr klein aber wunderschön eingerichtet und mehr als ein gemütliches Bett und ein sauberes Bad mit Dusche braucht man nicht. Auch das Frühstück war sehr umfangreich und bot alles, was man sich wünschte. Ich erinnere mich so gern an die Morgen, als mein Freund und ich wunderbar ausgeruht am Fenster saßen und frühstückten, mit Blick auf die Pubs nebenan und unseren Tag planten. Der Preis ist kein Schnäppchen, wenn man die perfekte Lage und den guten Schlaf bedenkt, ist es das aber durchaus wert. Man zahlt umgerechnet rund € 130,- pro Nacht, weiß dafür aber genau, was man bekommt: gemütliches Ambiente, saubere Zimmer und ein Stück Unbeschwertheit.

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Essen


Pubs. Es geht nichts über einen kühlen Cider und hausgemachten Pie in einem gemütlichen Pub. Die erste Lektion, die ich gelernt habe: Will man einen Platz finden, sollte man die üblichen Essenszeiten meiden. Um 12 Uhr mittags und 18 Uhr abends sind die meisten Lokale nämlich brechend voll. Für einen gesunden Snack zwischendurch eignet sich Pret-a-Manger perfekt, die frische Salate, Wraps und Co. anbieten. Man findet an jeder Ecke eine Filiale, oft auch mit Sitzmöglichkeiten. Natürlich gibt es überall neIMG_9489tte Restaurants, die man jetzt alle einzeln nennen könnte (wie das Mary Janes in der Nähe der Tower Bridge oder das Poppies in Camden Town). Aber für mich geht nichts über einen Streifzug durch einen der vielen Streetfood Markets. Der Markt rund um Camden Lock (U Camden Town) verbindet Essen, Shopping, Flohmarkt und manchmal auch Musikfestival. Hier sind definitiv die coolen Kids beheimatet, was man auch an den angebotenen Gerichten merkt. Vegane Currys, Burger mit Shrimps und Roquefort und undefinierbare, vietnamesische Gerichte in Bechern serviert. Ich liebe diesen Ort. Am Borough Market (U Southwark) kann man jeden Mittwoch und Samstag ausgedehnt mittagessen. Man setzt sich mit einem Superfood-Wrap in einen der kleinen Gastgärten, kostet einen Limetten-Kiwi-Cider oder spaziert mit seinem Pie-To-Go weiter die Themse entlang. Ein toller Ort um seinen Sonntag zu verbringen ist natürlich auch die Gegend um die Brick Lane (U Aldgate East). An jeder Ecke duftet es hier köstlich nach Thai Curry, Pizza, Sausages oder Donuts. Wem die Auswahl zu schwer fällt, der kann sich auch erst mal durchkosten (wozu man von den Köchen fast schon gedrängt wird). Ich habe mich hier durch alle möglichen Länder gegessen, Vintage Boutiquen durchstöbert und mir einen Cashmere-Kimono bei einem jungen Designer aus Irland gekauft – das ist wohl, was man unter Diversity versteht. Die genauen Event-Termine und weitere Informationen findet man unter www.bricklanemarket.com.

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Must See


„Es war schön, Sie kennen zu lernen. Surreal, aber schön.“ Als ich Hugh Grant das erste Mal melancholisch durch die Straßen von Notting Hill wandern sah, vorbei an bunten Häuschen und versteckten Parks, wurde der gleichnamige Film zu einen meiner Lieblinge und der Stadtteil (U Notting Hill Gate) ein Fixpunkt bei jeder Reise. Auch wenn diese Gegend vor allem am Freitag und Samstag sehr überlaufen ist, sollte man den Floh- und Antiquitätenmarkt entlang der Portobello Road nicht verpassen. Zwei Dinge zahlen sich dabei auf jeden Fall aus: früh aufstehen und feilschen was das Zeug hält. Und nein, den kleinen Buchladen mit der blauen Tür, in dem Hugh Grant im Film arbeitet, gibt es in Wirklichkeit leider nicht. Hab ihn gesucht, war enttäuscht.

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Der beste Ort..

..für Fotos: Der Sky Garden (U Monument) bietet viel besseren Ausblick als das London Eye.
..für Fachliteratur und Bücher im Allgemeinen: Die Museumsshops in der Tate Modern.
..für Romantik: Abends über die Millennium Bridge zur St.Paul’s Cathedral schlendern.
..für Kindheitserinnerungen: Das Musical The Lion King im Lyceum Theater – Gänsehaut und Tränen in den Augen!
..für etwas Ruhe und Entspannung: Eichhörnchen füttern im St James’s Park (U Charing Cross oder Green Park)
..um in eine andere Welt zu tauchen: Ein Schaufensterbummel durch China Town (U Leicester Square oder Piccadilly Circus).

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Happy Place


Es mag viele einzigartige Plätze in London geben, aber der mit Abstand verrückteste Ort, den man ganz umsonst erleben kann liegt nur einige Schritte von der Einkaufsmeile Oxford Street entfernt. Der Spielzeugladen Hamleys in der Regent Street ist nicht schwer zu finden. Schon von weitem hört man lachende Kinder und sieht auch Erwachsene mit einem breiten Lächeln den Laden verlassen, vor dem auch schon mal ein spontanes Geburtstags-Ständchen inklusive Tanzeinlage gesungen wird. Hier Verkäufer zu sein, muss zu den besten Jobs der Welt zählen. Denn auf jeden der unzähligen Stockwerke des riesigen Gebäudes werden Zaubertricks vorgeführt, Gesichter bemalt, Autos an der Decke gefahren oder Modellflugzeug-Rennen ausgetragen. Mal regnet es Seifenblasen, mal duftet es nach Zuckerwatte und sehr oft fährt ein Spielzeug plötzlich Slalom durch deine Beine. Wem so ein Trubel zu viel ist, sollte besser in eine der ruhigeren, nicht minder charmanten Seitengassen abbiegen. Wer sich aber wieder mal wie ein Kind im Schlaraffenland fühlen und sich für eine kurze Zeit dem kompletten Wahnsinn hingeben möchte, der amüsiert sich hier bestimmt köstlich, auch ohne etwas zu kaufen.

Shopping


Beim Wort Shopping gehen den meisten wohl Namen wie Topshop, Primark und Victoria’s Secrets durch den Kopf. Und ja, ich gebe es zu, an der Oxford Street komme ich auch nur selten vorbei. Aber wer schon mal dort ist, sollte einen Abstecher in die benachbarte Regent Street machen, wo sich das Kaufhaus Liberty befindet. Schon allein das Gebäude im Tudor-Stil lässt mich jedes Mal einige Sekunden bewundernd davor stehen. Hier kann man ausgewählte Designer-Marken, Kosmetik und sehr schöne Mitbringsel erstehen. Danach biegt man am besten gleich ab und schlendert durch die bunte Carnaby Street, wo man Labels wie Eleven Paris und The Kooples findet, aber auch kleine Labels mit originellen Sortiment. Von Zeit zu Zeit finden auch Sample Sales bekannter britischer Marken statt, die man sich HIER schon mal vormerken kann.
Kein Insider-Tipp aber ein wahres Must-See ist das Kaufhaus Harrods (U Knightsbridge). Hier kaufe ich meistens meinen Vorrat an Tee ein, man kann aber auch Stunden in der umfangreichen Designer-Abteilung verbringen, oder sich im „Shoe Heaven“ im obersten Stockwerk verlieren. Sehenswert sind auch die Food Halls im Jugendstil auf den unteren Etagen – die sollte man aber besser nie hungrig besichtigen. Auch allerhand Kurioses ist hier zu finden, allen voran der „Innocent Victims“ Gedächtnisbrunnen, der dem verstorbenen Paar Lady Diana und Dodi Fayed – Sohn des Inhabers – gewidmet wurde.
Das Motto des Kaufhauses prangt auch heute noch auf dessen Fassade: Omnia, Omnibus, Ubique. Übersetzt heißt das „Alles, für jeden, überall.“ und trifft damit genauso gut auf die Stadt selbst zu.

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UPNEXT: die besten Reiseführer für London!

( Credits: all photos are property of the author, exception: Motel One [2] )