Warum Zuckerverzicht auch glücklich macht

Mit meiner Haut stehe ich schon seit der Pubertät auf Kriegsfuß. Vor allem im Gesicht spielte sie seitdem verrückt. Von fettig über leicht pickelig über schwere Akne war bereits alles dabei. Letzteres hat glücklicherweise keine seelischen Narben zurückgelassen, sondern „nur“ ein paar kleine, äußerliche. Ihr könnt euch also vorstellen, dass ich in Sachen Hautpflege schon alles durch habe. Von Clerasil (lasst die Finger davon!) über superteure Luxuscremes aus der Apotheke bis hin zu extrem aggressiven Tinkturen, die mir die Haut wortwörtlich vom Gesicht geätzt haben. Ich sah meine Haut seitdem immer als Problemhaut, trotz meiner peniblen Pflege. Zu trocken, zu fettig, zu schuppig, zu viel Mitesser und Pickel. Doch in den letzten 2 Jahren realisierte ich plötzlich: Meine Haut ist schöner als je zuvor und macht so gut wie keine Probleme. Und wisst ihr was der Schlüssel dazu war? Schlicht und einfach die richtige, gesunde Ernährung.

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Erste Schritte für ein grüneres Badezimmer – Teil 1

Wenn ihr an einen Ort der Entspannung in eurer Wohnung/eurem Haus denkt, welcher Raum wäre es? Die Couch im Wohnzimmer vielleicht? Der Balkon? Viele denken dabei bestimmt auch gleich ans Schlafzimmer. Bei mir wäre dieser Raum definitiv das Badezimmer. Es ist der Ort, an dem ich in stressigen Zeiten Entspannung finde und mir etwas Gutes tue. Ein Bad nehmen, Duftkerzen anzünden und ein Buch lesen. Mir ein bisschen mehr Zeit für Körperpflege, Gesichtsmasken oder eine Pediküre nehmen. Ja, ich finde sogar das Wäschewaschen entspannend und tue es ziemlich gern. Eine Tatsache, die mein Freund nie erfahren darf übrigens. Im Gegensatz zu Männern, die meist nur ein All-in-one-Produkt für Körper, Gesicht, Haare, Autowäsche und was-weiß-ich-noch-alles neben der Dusche stehen haben, tendieren Frauen dazu, hunderte von Produkten im Schränkchen zu horten. Ich war da keine Ausnahme, was mich bis vor kurzem ja auch nicht störte.

Meine große Ausmist-Aktion Anfang des Jahres machte natürlich auch nicht vorm Badezimmer Halt. Da merkte ich erst, wie viel Tuben, Flaschen und Tiegel sich angesammelt hatten und ich begann mich das erste Mal ein bisschen damit zu beschäftigen, was ich mir da eigentlich Tag für Tag auf den Körper schmierte. Das Ergebnis war ziemlich ernüchternd und zugegebenermaßen ein wenig schockierend. Denn es ist erstaunlich, wie viel Chemie sich in so einem kleinen Raum ansammelt und ihn durchs Abwasser wieder verlässt.

Seitdem habe ich das meiste aufgebraucht und durch natürliche Alternativen ersetzt, dadurch viel (sehr viel!) Geld gespart und mein Badezimmer in eine kleine grüne Oase verwandelt. Was ich dabei gelernt habe und welche Tipps ich unbedingt weiterempfehlen kann, erfahrt ihr hier ausführlich. Viel Spaß!

 

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Wissen, womit man es zu tun hat

Als erstes heißt es: Überblick verschaffen. Ladet euch Apps wie zB „CodeCheck“ auf’s Handy und schaut euch genauer an, welche Inhaltsstoffe in euren Beautyprodukten stecken, ihr werdet euch wundern. Auch wenn da oft Dinge stehen wie „steht unter Verdacht“ oder „kann eventuell“ – das Gefühl sich mit Inhaltsstoffen zu umgeben, deren Langzeitwirkung noch nicht genügend erforscht wurde, ist nicht schön. Auch Dinge wie billiges Palmöl oder Mikroplastik können so aufgedeckt werden. Natürlich braucht es viele chemische Substanzen um ein Produkt praktisch und angenehm auftragbar zu machen oder so lange wie möglich haltbar. Moderne Naturkosmetik erreicht das aber auch bereits mit unbedenklichen Substanzen und kann dabei preislich mit konventionellen Produkten mithalten. Ihr seht, es gibt eigentlich keine Ausreden mehr.

Natürlich bringt es nichts, jetzt ins Badezimmer zu laufen und alles was nicht 100% natürlich ist sofort in den Müll zu schmeißen. Man kann sich aber gut überlegen, was man kauft, wenn das alte Produkt einmal aufgebraucht ist. Noch dazu wo es heute mehr tolle Marken denn je gibt, manche davon gleich um die Ecke.
Und wenn man schon dabei ist, sein Badezimmerschränkchen in eine natürliche Oase zu verwandeln, warum nicht auch gleich darauf achten, das weder Mensch noch Tier bei der Herstellung Schaden zugefügt wurde? Mit der App „Kosmetik ohne Tierversuche“ könnt ihr nachprüfen, welche Marken Tierversuche unterstützen und auch diese in Zukunft meiden.

 

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Ein wichtiger Schritt ist es, sich Gedanken darüber zu machen, wie viel Müll unsere täglichen Schönheitsrituale hinterlassen. Schon nach kurzem Überlegen werdet ihr feststellen: es ist ganz schön viel. Wattepads, Zahnseide oder Kosmetiktücher sind Dinge, die wir einmal benutzen und dann entsorgen, dabei können gerade sie ganz leicht ersetzt werden. Für jedes dieser Dinge gibt es bereits nachhaltige Alternativen, die man online bestellen kann. Früher habe ich jeden Tag in Chemie getränkte Wattepads zum Abschminken verwendet. Vor einiger Zeit bin ich dann auf Kosmetiktücher aus saugfähiger Mikrofaser umgestiegen, die nicht allzu teuer sind, sich hygienisch Waschen lassen und das Make-Up wirklich gründlich aus den Poren holt. Ich war erstaunt, wie gut das in Zusammenspiel mit einem Make-Up-Entferner aus natürlichen Inhaltsstoffen funktioniert. So komme ich mindestens ein halbes Jahr aus, ohne unnötigen Müll zu produzieren. Der Make-Up-Entferner von bi good ist beispielsweise sehr ergiebig und günstig. Man kann die Tücher leicht zerschneiden, wenn man mehrere kleine haben möchte oder man näht sich einfach selbst welche aus einem alten Handtuch oder T-Shirt.

 

Glatte Haut und Kaffeeduft

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Gibt es etwas besseres, als morgens verschlafen in die Dusche zu steigen und in einer Wolke aus Kaffee- und Kokosduft zu baden? Für mich zählt ein Peeling mit Kaffeesatz und Kokosöl definitiv zu den Muntermachern Nummer eins. Das Koffein und der Peelingeffekt sorgen für gute Durchblutung, der Duft macht wach und das Eincremen danach fällt durch das Öl auch weg. Konventionelle Peelings sind sowieso das erste, was man aus dem Badezimmer verbannen sollte. Es gibt absolut keinen Grund, sich eine Plastiktube voll kleiner Kunststoffteilchen zu kaufen, die schlussendlich ins Grundwasser, Meer oder in die Organismen von Meerestieren geraten. Vor allem nicht, wenn herkömmlicher Zucker, Salz oder Kaffeesatz das gleiche können. Einfach mit ein paar Tropfen ätherischen Ölen mischen und fertig. Achtung: solltet ihr Probleme mit alten Abflüssen haben, dann lieber auf den Kaffeesatz verzichten. Der lagert sich nämlich gerne ab, wenn bereits Verstopfungen bestehen und macht damit alles nur schlimmer.

Wichtiger Tipp am Rande: Peelings mit Salz eignen sich nicht sonderlich gut nach der Beinrasur, außer man wollte immer schon wissen, wie es sich anfühlt in einen Ameisenhaufen zu steigen.

 

Ein Hoch auf die Seife

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Früher fand ich Seifen einfach nur öde. Für mich waren das unpraktische Dinger, die komischerweise immer in Omas Kleiderschrank rumlagen. Im letzten Jahr aber entwickelte ich eine richtige Obsession für schöne Seifen. Warum? Aus folgenden guten Gründen:

  • Dass herkömmliche Duschgels aus synthetischen Inhaltsstoffen bestehen, die der Umwelt schaden und sonst auch nicht sehr cool sind, sollte mittlerweile genügend bewiesen sein. Die tollen tropischen Düfte sind immer künstlich, billige Inhaltsstoffe können die Haut austrocknen anstatt sie zu pflegen und viele der Plastikflaschen sind nicht recycelbar. Natürliche Seifen dagegen pflegen die Haut, duften von Natur aus herrlich und kommen meistens in einer Papierverpackung daher.
  • Moderne Seifen sind bereits viel sanfter in der Zusammensetzung, sodass man sie auch für’s Gesicht verwenden kann. Sie ersetzt daher gleich zwei Produkte. Genau genommen sogar drei, denn die Daseinsberechtigung von Rasierschaum für Frauen hat sich mir noch nie erschlossen. Ich benutze beispielsweise gerade die Gesichtsseife von Binu, die meiner Haut ziemlich gut tut.
  • Sie sind sehr ergiebig, günstig und es gibt regional-erzeugte auf jedem Bauernmarkt um die Ecke, was den ökologischen Fußabdruck weiter verkleinert.
  • Seifen sind nicht unhygienischer als herkömmliche Duschgels in Plastikflaschen. Aufbewahrt in einem Seifenschälchen haben Bakterien gar keine Chance zu entstehen, zumal man die Seife ja mindestens zweimal am Tag benutzt. Manche kommen auch schon mit einer Kordel zum Aufhängen oder mit Jutesäckchen, was das Aufschäumen auch gleich erleichtert.
  • Schöne Seifen sind das perfekte Geschenk oder ein nützliches Mitbringsel aus dem Urlaub.
  • Und all die Jahre hatte meine Oma Recht: Sie im Kleiderschrank aufzubewahren ist das beste was man machen kann für natürlich duftende Wäsche!

 

Auf`s Bauchgefühl hören

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Zahnpflege ist das aktuellste Thema mit dem ich mich beschäftigt habe. Vom Müll-Faktor ist es ganz klar: Zahnbürsten und –Pasten bestehen immer aus mehreren Kunststoffen und können somit nicht recycelt werden, also liegt es nahe, sie so schnell wie möglich zu ersetzen. Eine Bambuszahnbüste kostet nur minimal mehr (für ungefähr 4-5 Zahnbürsten im Jahr ergibt das in Summe € 8 mehr als sonst, ein lächerlich kleiner Mehraufwand) und kann einfach auf den Kompost, nachdem man die Borsten entfernt hat. Das Thema Zahnpasta wirft allerdings so viel mehr Fragen auf, als ich angenommen hatte.

Verpackungsarmen Ersatz für die konventionelle Plastiktube gibt es bereits zuhauf – von Tabletten zum Zerkauen (für mich eine etwas unbequeme Vorstellung) über fertige Zahnpulver bis hin zu DIY-Rezepten ist alles dabei. So richtig sicher, ob diese natürlichen Inhaltsstoffe meine Zähne auch zu 100% gesund halten, war ich mir allerdings nicht, also habe ich bei meiner Zahnärztin nachgehakt. Es stellte sich heraus, dass es auch für sie kein einfaches Thema ist. Fakt ist nämlich, dass das Mineral Fluorid, das in konventionellen Zahnpasten enthalten ist, gleichzeitig gut und schlecht ist. Einerseits ist nicht einwandfrei belegt, dass es ungefährlich für den Organismus ist, andererseits ist es aber unersetzlich wenn es um gesunden Zahnschmelz und Schutz gegen Karies geht. Selbstgemachte Zahnpulver mit Natron, Kokosöl etc. haben viele Vorteile: Man spart Plastikmüll, spart Geld und spült nicht noch mehr chemische Substanzen oder gar Mikroplastik den Abfluss runter. Leider werden sie den Zahnschmelz nie so vor Säure und Karies schützen können wie Fluorid. Das lagert sich nämlich in den Zahnschmelz ein, härtet ihn künstlich und macht ihn so weniger anfällig für Säureangriffe. Googelt man aber die gesundheitliche Auswirkung stößt man auf eine unglaubliche Menge an Artikeln mit den unterschiedlichsten Aussagen. Für die einen ist Fluorid unverzichtbar, für die anderen ist es der Tod. Bei all der Dramaturgie sollte man also einfach auf sein eigenes Bauchgefühl hören.

Ich werde den Rat meiner Zahnärztin beherzigen und zusätzlich zum natürlichen Zahnpulver hin und wieder mit konventioneller fluoridhaltiger Paste putzen, da ich leider nicht mit einwandfreiem Zahnschmelz gesegnet bin. Verpackung und Chemikalien spare ich so immerhin auch ein bisschen ein.

 

Weniger ist mehr

Ein platter Spruch, oder? Für mich ist er im letzten Jahr aber zu einer Lebensphilosophie geworden. Mir ist erst klargeworden, wie viele unnötige Produkte ich in meinem Badezimmerschrank stehen habe, wo es doch ein paar hochwertige Allroundprodukte auch tun würden. Ich habe mir immer eingebildet, dass ich teure Seren und Gesichtsöle für schöne Haut brauchen würde, weil uns die Werbung das heutzutage weismacht. Jetzt wo ich all meine super-kostspieligen Produkte weglasse und nur ein paar natürliche verwende, hat sich meine Haut auch nicht zum Schlechten geändert. Eher im Gegenteil, denn nun schwankt sie nicht ständig zwischen trocken und fettig.

Gereinigt wird mit Seife, gepflegt mit zwei Cremes der Naturkosmetikmarke Styx, die in meiner Heimat erzeugt wird. Zudem haben Kokos- und Mandelöl bereits einige konventionelle Produkte ersetzt:

  • Hochwertiges Mandelöl eignet sich gut als reichhaltige Hautpflege, vor allem abends und wird am besten sparsam und sanft in das gereinigte und feuchte Gesicht einmassiert.
  • Da Kokosöl dazu neigt, Poren eher zu verstopfen, würde ich es nur für den Körper einsetzen. Bei rissiger Nagelhaut, rauen Ellbogen oder nach der Mani- und Pediküre beispielsweise.
  • Beide Öle sowie gutes Avocadoöl kann man sparsam auch gut als Haaröl für trockene Spitzen einsetzen.
  • Ein wenig Öl auf einem feuchten Tuch kann wasserfestes Make-Up entfernen.
  • Zuguterletzt benutze ich Kokosöl regelmäßig zum Ölziehen. Für manche ist dieses Ritual fast eine Religion, für andere kompletter Blödsinn und die meisten können die Hemmschwelle, einen Löffel Öl im Mund herumzusaugen nicht überwinden. Für mich ist es einfach nur eine gute Methode, abends mein Kiefer ein wenig zu fordern, mein Zahnfleisch zu pflegen und morgens ohne Mundgeruch aufzuwachen.
  • Der beste Tipp zum Schluss: Die wirksamste Hautpflege, ist gar keine Pflege. Denn es ist wissenschaftlich bewiesen, dass unsere Haut verlernen kann, sich selbst zu regenerieren, wenn wir sie zu sehr verwöhnen. Genauso wie wir immer schlaffer werden, wenn wir nur auf dem Sofa rumliegen, wird auch unsere Haut faul, wenn sie ständig überpflegt wird. Auch wenn uns überfüllte Blogger-Shelfies weismachen wollen, dass wir uns 100 verschiedene Produkte ins Gesicht schmieren sollen – zu viel des Guten kann bewiesenermaßen unangenehme Ausschläge auslösen.
    Ich peele mein Gesicht 1-2 pro Woche, ohne es danach einzucremen und seitdem hat sich mein Hautbild sehr verbessert. Auch wenn die Haut danach etwas spannt, am Morgen danach wache ich mit rosiger und sehr praller Haut auf. Außerdem spart man so auch regelmäßig etwas Hautcreme!

 

Also, egal ob man sich erst langsam herantasten muss oder gleich voll durchstartet, jeder Schritt zu weniger Chemie und Müll im Bad ist ein wichtiger Schritt. Und manchmal folgen auf den ersten kleinen Schritt viele weitere ganz von allein.

 

 

Wichtig:
Trotz einigen Produktnennungen ist hier keine Werbung im Spiel. Alle der angegebenen Marken gebe ich freiwillig als Tipp an, weil ich damit nur gute Erfahrungen hatte und auch das Konzept dahinter toll finde.

 

Minimalismus

Als der Minimalismus bei mir einzog

Gemeinsam mit meiner Mutter stand ich im leeren Haus meiner Oma. Sie war kürzlich verstorben und ich half meinen Eltern dabei, das Haus auszuräumen, mit dem ich so viele glückliche Kindheitserinnerungen verbinde. Denn wie das Leben nun mal so ist, stand es jetzt leer und wurde verkauft. In den letzten Jahren ihres Lebens begann meine Oma, ihr ganzes Hab und Gut zu verschenken. Jeder, der sie besuchte, musste damit rechnen mit einem Schal, einem Topf oder einem Teeservice nachhause zu gehen. Auch an Weihnachten oder Geburtstagen konnte man damit rechnen, neben dem Kuvert mit Geldscheinen noch eine etwas angeschlagene Schale oder den Porzellanengel zu bekommen, den man noch von seinem angestammten Platz neben dem Fernseher-Regal im Wohnzimmer kannte. Das war eine liebenswerte Schrulligkeit, die ich damals aber überhaupt nicht nachvollziehen konnte. Woher dieser plötzliche Sinneswandel, alles loswerden zu wollen kam, war mir rätselhaft. In Anbetracht dessen waren meine Mutter und ich auch recht überrascht, wie viel dennoch im Haus meiner Oma übrig blieb. Wir kämpften uns stundenlang durch Kleiderberge (das meiste davon hatte ich noch nie an ihr gesehen), Tischtücher und Schals (durfte ein einzelner Mensch überhaupt so viele Schals besitzen? Es war unglaublich), Geschirr, Schmuck und unnötig aufbewahrter Dokumente. Doch auch nach einem halben Tag des Packens und Verladens war immer noch so unfassbar viel übrig geblieben. Erdrückend viel. Das war auch der Moment, in den ich meine Oma völlig verstand.

Wenn ich so an meine Kindheit und Teenager-Zeit zurückdenke, war ich nie besonders ordentlich. Ich bin Einzelkind, wurde immer schon mit Spielsachen, Süßigkeiten und anderem überhäuft und kann mich an regelmäßige Auseinandersetzungen mit meinen Eltern erinnern, weil mein Zimmer einer Messie-Höhle glich. Auch als Teeny war weniger nicht mehr für mich. Viel zu schön war es, Make-Up und Mode für mich zu entdecken, regelmäßig mit Freundinnen shoppen zu gehen und so immer und immer mehr Zeug anzuhäufen. Allein mit meinem Modeschmuck hätte ich eine eigene Claire’s Filiale eröffnen können. Vielleicht gehörte das zum Erwachsenwerden einfach dazu, es war aber dennoch zu viel des Guten. Ich glaube, das erste Mal als mir das richtig bewusst wurde, war ich gerade beim Umzug in meine erste WG. Und alle, die bereits einen Umzug hinter sich haben, werden mir zustimmen wenn ich sage: Es ist schockierend, wie wenig in so einen Umzugskarton passt. Erstaunlich ist auch, wie viele dieser Kartons man in einem so jungen Leben bereits befüllen kann, mit Dingen, die man eigentlich nicht braucht. Ich ließ also gut die Hälfte davon in meinem Elternhaus zurück, konnte mich nicht ganz davon trennen und dachte, spätestens wenn ich eine eigene Wohnung habe, findet alles seinen Platz. Ziemlich bald wurde mir allerdings klar, dass ich nichts von dem, was ich zurückgelassen hatte, wirklich vermisste, geschweige denn brauchte. So kam es zum ersten großen Aussortieren und was soll ich sagen: Das Gefühl war großartig!

Fakt ist aber auch, dass ich noch immer sehr viel Unnötiges in meinem Leben hatte: Deko-Zeug, das eigentlich nur Staub fing. Billiger Modeschmuck, der schon längst die Farbe wechselte. Und Unmengen von unbequemen Schuhen, Kleidern und Blusen, die ich sowieso nie anzog. Richtig gestört hat mich das allerdings nicht. Bis heute, zwei weitere Umzüge später. Ich bin mir nicht sicher, wann genau dieser Knackpunkt kam, nach dem ich zum Ordnungs-Junkie wurde. Vielleicht war es diese sehr unstetige Phase meines Lebens, in der meine Jobverhältnisse und die Richtung, in die mein Leben gehen sollte noch sehr ungeklärt und wackelig waren. Plötzlich wollte ich Ordnung und Struktur in meinem Leben, keine vollgestopften Kästen und vor allem wollte ich atmen können, ohne vom „Zu Viel“ erstickt zu werden.  Jetzt, wo die Themen Detoxing, Minimalismus und Nachhaltigkeit richtig boomen, las ich auch viele Artikel und Bücher darüber, schaute die Netflix Doku The Minimalists und fühlte mich sehr stark motiviert. Die endgültige Entscheidung, mehr Überblick über meinen Besitz zu bekommen, kam aber nach dem besagten Erlebnis im Haus meiner Oma. Kaum war ich nach diesem Tag daheim angekommen, ging ich mit einem Sack durch unsere Wohnung (ich wohne mit meinem Freund zusammen, den ich mittlerweile auch zum Ausmustern motivieren konnte) und steckte alles rein, zu dem ich keine Verbindung spüren konnte und was soll ich sagen: schlussendlich waren es zwei große, vollgefüllte Müllsäcke, die ich spendete. Das letzte Mal hatte ich mich so positiv befreit gefühlt, als ich meine Haare von Ellbogen- auf Kinnlänge abschnitt – es war toll! Als wäre ich viel leichter, glücklicher und unabhängiger, denn mehr Besitz bedeutet auch immer mehr Aufwand beim nächsten Umzug. Oder zeitgemäßer ausgedrückt: ein Glücksgefühl wie 100 neue Follower auf Instagram, wenn man so will. Es ist ein großartiges Gefühl, durch die Wohnung zu gehen und zu wissen, dass man hier (fast) nur mit Dingen lebt, die man wirklich braucht und benützt und mit denen man besondere Erinnerungen verbindet.
Für alle, die sich jetzt vielleicht motiviert fühlen, auch ein bisschen Ballast abzuwerfen gibt es hier einige Anhaltspunkte, die Trennungsschmerzen bestimmt erleichtern:

  • Die erste und wichtigste Regel ist: Nichts was ausgemustert wird, hat es verdient im Mülleimer zu landen! Auch wenn etwas noch so klein und unwichtig erscheint, kann man es spenden oder zu einem wohltätigen Flohmarkt bringen, wo es doch noch etwas Gutes bewirken kann. Der kleine Mehraufwand ist es 100% Wert!

 

  • Wer Angst vor einer Riesen-Aufräumaktion hat, die einen ganzen Tag verschlingen würde, der sollte am besten einfach an der Oberfläche beginnen. Das funktioniert am besten bei Staubfängern wie Vasen, Teelichtern und anderer Deko. Brauche ich 5 verschiedene Zuckerdosen oder behalte ich einfach nur die, die mir am besten gefällt? Hat dieses Ding Bedeutung für mich? Verwende ich es regelmäßig bzw. freue ich mich, wenn ich es ansehe? Das gute Gefühl in einem Raum zu sein, der nur aus Dingen besteht, die man wirklich gern hat, ist diese Überlegungen wert.

 

  • Wenn unter den Abschiedskanditaten (so wie bei mir) einige Geschenke waren, muss man für sich selbst entscheiden, was einem wichtig ist. Natürlich ist es ein sehr heikles Thema, Geschenke auszumustern, die man von lieben Menschen bekommen hat. Vor allem wenn der Beschenkende ein unglückliches Händchen für den persönlichen Geschmack hatte, sollte man einfach vorschlagen, sich in Zukunft statt Materiellem mehr Zeit miteinander zu wünschen. Ein Essen, ein Museumsbesuch oder ein gemeinsamer Kinobesuch sind meistens auch viel wertvoller als alles, was man kaufen kann.

 

  • Bücher. Ich weiß, noch ein heikles Thema. Von Büchern will man sich nur sehr ungern trennen, da man sich damit auch von einer ganzen Welt, einem eigenen Universum trennt. Ich bin trotzdem dazu übergegangen, wirklich nur die Bücher aufzuheben, die mich sehr bewegt haben. In meinem Bücherregal findet man jetzt quasi nur die Hall of Fame.

 

  • Sich minimalistisch einzurichten, ohne den Wohnraum dabei kalt und leer wirken zu lassen, ist eine Kunst für sich. Wer sich so viel Überlegung nicht antun möchte, sollte einfach nur durch die Wohnung gehen, Fensterbretter oder Regale betrachten und ein paar Dinge davon zu entfernen und zu sehen, wie es danach wirkt. Ein Fenster lässt viel mehr Licht herein und den Raum heller wirken wenn vielleicht nur eine Pflanze davor steht. Auf einem Regal oder einer Kommode können ein paar freien Flächen spannend und aufgeräumt wirken. Oder es setzt ein besonderes Erinnerungsstück oder ein Bild richtig in Szene, lässt man es für sich alleine stehen. Sich von unnötigen Dingen zu trennen, kann also auch den Wohnraum viel klarer und größer wirken lassen und ein unbeschwerteres Gefühl bringen.

 

  • Die wichtigste Regel ist allerdings, dass Minimalismus nicht heißt, dass man sich von allem Besitz trennen muss und mit nur 5 Dingen in einem leeren Raum wie ein buddhistischer Mönch leben muss. Ich könnte mich nicht mal für 5 Nagellacke entscheiden, die ich aussortieren müsste… Man muss nicht jedes Ding in seinem Leben rechtfertigen können, vor allem nicht wenn man ein Mensch wie ich ist, der schöne Dinge einfach liebt. Es reicht, wenn man bei jeder Anschaffung einen Gedanken mehr darauf verschwendet, ob es wirklich notwendig ist oder man etwas ähnliches nicht bereits besitzt. Oder ob es einem in den nächsten Jahren auch noch Freude bereitet oder nur in diesem Moment. Man lebt so viel unbeschwerter, wenn nicht ständig dieses „das muss ich jetzt unbedingt haben“-Gefühl da ist. Denn Besitz ist schlussendlich nicht für die Ewigkeit und sollte auch keinen so wichtigen Status in unserem Leben einnehmen. Fest steht daher: ein bisschen mehr Genügsamkeit und Einschränkung, egal in welchem Bereich ist einfach unglaublich befreiend.

 

Um auf den Anfang zurück zukommen: Einige der goldenen Ketten aus dem Schmuckkästchen meiner Oma habe ich behalten. Nämlich jene, die sie auf Reisen gesammelt und mit denen sie schöne Erinnerungen verbunden hatte. Jedes Mal, wenn ich sie trage, denke ich daran und natürlich auch an sie. Manche Dinge, nämlich die sorgsam ausgewählten, bleiben eben für die Ewigkeit. Auch wenn sie noch so klein sind.

 

Minimalismus

 

Am strengsten kuratiere ich mittlerweile meinen Kleiderschrank, auch was die Anschaffung von Neuem angeht. Was dabei wichtig ist, habe ich HIER und HIER in ein paar Schritten zusammengefasst.

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