Kaffeefakten zum Angeben

Wenn ich in meinem Crash-Kurs an der Kaffeeuniversität in Triest eines gelernt habe, dann, dass hinter diesen unscheinbaren braunen Bohnen unglaublich viel Geschichte steckt. Die spannendsten Fakten und hartnäckigsten Irrtümer habe ich hier für euch gesammelt – auch jene, die sonst gerne verschwiegen werden.

Ein paar Zahlen und Fakten zu Beginn

Wo und wann man den ersten Kaffee gemacht hat, darüber streitet man sich bis heute. Am wahrscheinlichsten ist aber, dass er etwa 900 n.Chr. in Äthiopien entdeckt wurde.

Heute leben weltweit rund 25 Millionen Familien vom Kaffee (als Kaffeebauern, Erzeuger usw.).

Im weltweiten Kaffeekonsum führen die Skandinavier: 12kg Kaffee pro Jahr und Person werden in Finnland getrunken. Es folgen Dänemark und Norwegen.

Schwere Geburt: 9 Monate dauert es, von der Blüte der Kaffeepflanze bis zur fertigen Tasse Espresso. Schlechter Kaffee ruiniert also eine Menge!

Man sollte eine Tasse Kaffee wirklich schätzen, denn sie ist weit gereist: Kaffeekirschen aus Äthiopien reisen 2-3 Wochen im Schiff, bevor sie weiterverarbeitet werden. Ein Kilo Kaffeekirschen ergeben 148 Gramm geröstete Bohnen, das sind ungefähr 1000 einzelne geröstete Bohnen, aus denen man 20 Tassen Espresso machen kann. Gleichzeitig muss man bedenken, dass eine Kaffeepflanze pro Ernte nur ca. 6 kg Kirschen ergibt.

Der perfekte Espresso:

Die Crema, also die winzig-kleinen Schaumbläschen auf dem Espresso, muss 10% der Tasse ausmachen und mindestens zwei Minuten intakt bleiben. Durch den hohen Druck, mit dem das Wasser durch das Kaffeepulver geschossen wird, gelangen besonders viel aromatische Öle in die Tasse – die Crema entsteht. Wird das Wasser zu schnell durchgeschossen, ist der Espresso zu schwach. Geht es zu langsam, ist er zu bitter. 30 Sekunden mit 2 bar Druck sind perfekt. Zum Vergleich: Ein Autoreifen hat 9 bar Druck. Daher beinhaltet nur Espresso die aromatischen Öle, die in der Kaffeebohne stecken.

Der Geschmack

300 Aromen stecken in einer rohen, grünen Kaffeebohne. Beim Rösten werden sie komplexer und vermehren sich auf 1000 Aromen. Wein hat zum Vergleich ungefähr 500. Keines dieser Aromen kann als DAS Kaffeearoma bezeichnet werden, es ist eine Mischung aus vielen, darunter Aromen wie dunkle Schokolade, Beeren, geröstetes Brot oder Nüsse.

Ist der Kaffee zu hell, wurde das Pulver nicht fein genug gemahlen und er schmeckt fad. Ist er zu dunkel, ist es zu fein und die schlechten Aromen werden intensiver, er schmeckt leicht verbrannt und bitter. Auch zu lange Röstung kann Kaffee unangenehm bitter machen.

Koffein-Irrtümer

Espresso ist gar nicht die stärkste Sorte, sondern die aromareichste. Das Kaffeepulver verhält sich nämlich ähnlich wie Tee: Je länger es mit Wasser in Berührung kommt, desto stärker wird die Flüssigkeit. Der koffeinreichste Kaffee ist also Filterkaffee. Drei Tassen Espresso kommen gerade einmal einer Tasse Mokka gleich! Warum zeigt Espresso dann trotzdem diese sofortige Wachmacher-Wirkung? Weil das meiste Koffein gleich am Anfang des Verdauungstrakts im Hals vom Körper aufgenommen wird. Und das funktioniert beim ölhaltigen Espresso eben am besten.

Auch wenn uns die Gilmore Girls etwas anderes weismachen wollen: 400mg Koffein kann ein durchschnittlicher Mensch am Tag absorbieren. Das sind ca. 5 Tassen Arabica mit starkem Koffeingehalt (z.B. Mokka oder Cold Brew). Danach muss man mit körperlichen Beschwerden rechnen. Die Sorte Robusta hat doppelt so viel Koffein als der weiter verbreitete Arabica, weshalb davon schon 3 Tassen genügen würden.

Die dunkle Seite unserer Kaffeesucht

Laut den Experten von waterfootprint.org benötigt man für ein Kilogramm gerösteten Kaffee rund 18.800 Liter Wasser, für eine Tasse mit sieben Gramm Röstkaffee wären das also 120 Liter. Der immense Verbrauch setzt sich aus dem zusammen, was die Kaffeepflanze benötigt, um zu wachsen, die Farmer für die Produktion benötigen, die Reinigung und Veredelung der Bohnen, dem Transport bis hin zum Trinkwasser, mit dem die Kaffeemaschine befüllt wird. Hinzu kommen auch noch das Wasser für die Produktion von Milch und Zucker, hier können manche von euch also bereits etwas einsparen. Zusammengenommen würde das also bedeuten, dass allein ein Latte Macchiato zum Mitnehmen rund 200 Liter Wasser benötigt – mehr als eine Badewannenfüllung. Kaffee sollte also immer ein Genussprodukt bleiben und nicht etwas, dass man wie Leitungswasser runterkippt.

Kaffeepulver lässt sich übrigens nur eine Woche lang optimal lagern: Dunkel, trocken und gut verschlossen. Ab der zweiten Woche in den Kühlschrank, luftdicht verschlossen, weil Kaffee alle Gerüche sofort absorbiert. Bohnen halten es ein wenig länger aus, werden aber leicht ranzig, wenn man sie komplett luftdicht verschließt!

Kaffee = gesund?

Bei meinem Aufenthalt in Triest hörte ich von allen Seiten nur Lobesgesänge von der gesunden Wirkung des Kaffees – natürlich, es war ja auch eine Pressereise. 5 bis 10 Tassen Espresso am Tag, das sei normal und völlig verträglich. Mag sein, dass neue Studien immer wieder gesundheitsfördernde Wirkungen des Kaffeegenusses feststellen – in Maßen soll er sogar positive Effekte auf Herz, Kreislauf und Leber haben* – das gilt allerdings nur für Filterkaffee und nicht für den heiß-geliebten Espresso der Italiener.
Der Grund: In der Kaffeebohne gibt es verschiedene bioaktive Stoffe, darunter zwei fettähnliche Substanzen namens Cafestol und Kahweol. Es hat sich herausgestellt, dass diese beiden das ungesunde LDL-Cholesterin als auch die Blutfettwerte erhöhen, was einen negativen Effekt auf das Herz-Kreislaufsystem hat.**

Im feinen Papierfilter der Maschinen, wie wir sie wohl alle von den Großeltern kennen, bleiben die Fettmoleküle großteils hängen. Bei einem Espresso allerdings bleiben sie in erhöhtem Maß drinnen – wir erinnern uns an die kleinen Ölbläschen in der Crema. Eine italienische Studie*** ergab sogar, dass die Höchstwerte an Cafestol und Kahweol bereits bei zwei Espresso am Tag erreicht werden. Bei regelmäßigem Konsum kann das im schlimmsten Fall zu Herz-Kreislaufproblemen führen. Auch beim Mokka und der French-Press-Methode kommt recht viel der beiden schädlichen Substanzen in die Tasse.

Kurz gesagt heißt das: Wenn man auf Nummer sicher gehen will und noch nicht der völligen Kaffeesucht verfallen ist, der ist mit entweder bis zu fünf Tassen Filterkaffee oder nicht mehr als zwei Espresso am Tag auf der sicheren Seite. ****

Ihr seht, es steckt ziemlich viel in so einer kleinen Tasse. Kaffee ist ein Luxusgut, das man auch so behandeln sollte. Statt in Windeseile einen Coffee-to-go im Einwegbecher runter zu kippen, sollte man jeden Schluck genießen. Man sollte sich bewusst Zeit dafür nehmen, alleine oder mit Menschen, die man gern hat, und jeden Schluck wertschätzen.

Quellen: *“Der Ernährungskompass“ von Bas Kast, Crippa et al. (2014), siehe auch Je & Giovannucci (2014) und Gunter et al. (2017); **“Der Ernährungskompass“ von Bas Kast, Cai et al. (2012), REbello & Van Dam (2013); ***“Der Ernährungskompass“ von Bas Kast; Crioni et al. (2015); ****“Der Ernährungskompass“ von Bas Kast, Siehe auch Grosso et al. (2017)

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