Warum Zuckerverzicht auch glücklich macht

Mit meiner Haut stehe ich schon seit der Pubertät auf Kriegsfuß. Vor allem im Gesicht spielte sie seitdem verrückt. Von fettig über leicht pickelig über schwere Akne war bereits alles dabei. Letzteres hat glücklicherweise keine seelischen Narben zurückgelassen, sondern „nur“ ein paar kleine, äußerliche. Ihr könnt euch also vorstellen, dass ich in Sachen Hautpflege schon alles durch habe. Von Clerasil (lasst die Finger davon!) über superteure Luxuscremes aus der Apotheke bis hin zu extrem aggressiven Tinkturen, die mir die Haut wortwörtlich vom Gesicht geätzt haben. Ich sah meine Haut seitdem immer als Problemhaut, trotz meiner peniblen Pflege. Zu trocken, zu fettig, zu schuppig, zu viel Mitesser und Pickel. Doch in den letzten 2 Jahren realisierte ich plötzlich: Meine Haut ist schöner als je zuvor und macht so gut wie keine Probleme. Und wisst ihr was der Schlüssel dazu war? Schlicht und einfach die richtige, gesunde Ernährung.

Es ist leider wahr: Wer sich schlecht ernährt und sich unkontrolliert mit Fertig-Produkten vollstopft, fühlt sich irgendwann mies und das spiegelt sich auch äußerlich wider.

Natürlich heißt das jetzt nicht, dass man perfekt aussehen muss, um gesund zu sein. Es soll auch nicht heißen, dass man mit Hautproblemen gleich als hässlich angesehen wird. Niemand ist so perfekt wie eine retuschierte Werbeanzeige für Antifaltencreme (normale Menschen besitzen Poren, was ist los mit euch?). Richtig ist allerdings, dass die Haut auch ein Spiegel für ungesunde Ernährung sein kann, die auf längere Sicht unserer Gesundheit schadet.

Fest steht in diesem Zusammenhang übrigens auch eines: Und zwar, dass ich in dem Monat als ich völlig auf raffinierten Zucker verzichtet habe und nur sehr wenig Milchprodukte zu mir nahm, die schönste Haut meines Lebens hatte. Strahlend, glatt, fast ohne Unreinheiten dafür mit diesem gewissen Etwas, das die Beautyindustrie derzeit „Glow“ nennt. Jetzt fragt ihr euch bestimmt, warum ich meine Ernährung daraufhin nicht völlig umgestellt habe. Nun, weil ein mit Vanillecreme gefüllter, mit Schokolade überzogener Donut eben genauso verlockend ist wie tolle Haut. Den direkten Vergleich gewinnt er wahrscheinlich sogar, wenn man mich fragt. Wo waren wir? Ah ja, gesunde Ernährung.

 

 

 

Fakt ist, dass wir alle nur Menschen sind und – sofern wir kein Topmodel sind, das seinen Lebensunterhalt mit perfektem Aussehen verdient – uns manchmal auch Dinge gönnen dürfen, von denen wir wissen, dass sie eigentlich nicht gut für uns sind. Aber auch wenn ich mir nicht alle köstlichen Sünden verkneifen will, ernähre ich mich mittlerweile sehr gerne sehr gesund und ausgewogen. Früher war es mir ziemlich egal, was ich esse. Kartoffeln als Gemüsebeilage und ein Glas Orangensaft für die Vitamine fand ich ausreichend und meine ständige Müdigkeit konnte ich mir gar nicht recht erklären. Als ich aber endlich gecheckt hatte, dass das Thema Ernährung sogar extrem interessant ist, konnte ich gar nicht mehr aufhören, mehr darüber zu lernen und ein bisschen zu experimentieren. Und all dieses Gequatsche von Menschen, die ihre neuen Kochbücher, zuckerfreien und veganen Diäten vorstellen und meinen, dass diese Ernährungsumstellung ihr Leben verändert hätte – ist wahr. Denn schon wenn man stark gesalzene und zu fettige Fertigprodukte und ein bisschen Zucker streicht und stattdessen mehr Obst und Gemüse isst, hat das bereits einen sehr positiven Effekt, den man sofort merkt. Dazu noch ein bisschen mehr Wasser trinken und viele wären erstaunt, wie einfach man sich besser fühlen kann.

 

 

Der Schlüssel zu schönerer Haut liegt bei jedem Menschen woanders versteckt. Bei manchen sind es Weizen- oder Sojaprodukte, anderen täte mehr Magnesium oder Calcium gut. Bei mir ist es – leider – der komplette Verzicht auf Zucker. Aber für wen ist viel Zucker schon gesund? Genau, für niemanden. Deshalb fällt der Verzicht darauf immer leichter. Was noch positiv ist: Seit ich öfter bewusst auf raffinierten Zucker verzichte, habe ich auch weniger Lust darauf. Viele Kuchenrezepte, Schokoriegel und Co. sind mir mittlerweile sogar viel zu süß. Das von einem Menschen, der sich früher Nutella auf ein Brioche strich und das Ganze mit einer reifen Banane garnierte.

Welche unnatürlichen Mengen an Zucker man durch solche Kombis eigentlich zu sich nimmt, wird einem auch erst richtig bewusst, wenn man darüber nachdenkt. Denn es ist nicht so, dass solche Ausrutscher die einzigen Zuckerquellen des Tages sind. Viele von uns starten nämlich bereits mit einer ordentlichen Portion davon, die ganz versteckt in angeblich gesunden Müslis oder Fertig-Porridges stecken. Ein Löffel im Tee oder Kaffee kommt noch zusätzlich dazu. Getoppt wird dies leider auch durch die Handvoll Obst oder Fruchtsaft, die bei den meisten von uns wahrscheinlich sogar für ein gutes Gewissen sorgt. Denn der Zucker an sich macht leider keine Unterschiede, von wo er herkommt. Ob raffinierter Zucker, Fruchtzucker, Agavensaft oder Honig – auf die Negativ-Bilanz wirkt sich jeder von ihnen aus. Aber natürlich ist Obst deshalb nicht ungesund und Honig darf sein gutes Image behalten. Doch der Zuckerkonsum ist durch sie bereits am Vormittag hoch. Gesüßte Getränke oder fertige Salatsoßen sorgen dann für noch mehr Zucker, den man ganz versteckt zu sich nimmt. Unfairerweise glaubt man dabei auch noch, man ernähre sich total gesund. Denn wer würde hinter einem Glas Apfelsaft und einem fertigen Salat mit Joghurtdressing schon etwas Schlechtes vermuten? Vom Zuckergehalt her könnte man allerdings genauso gut zwei Gläser Cola trinken.

Okay, kommen wir zu den ganz fiesen Fakten. Bereit? Die Weltgesundheitsorganisation würde – wenn man sich sehr streng daran halten möchte – 25 Gramm Zucker pro Tag empfehlen. Zur besseren Verständnis: das sind ca. 8 Zuckerwürfel pro Tag für einen ausgewachsenen Menschen. Das klingt nach ziemlich viel, ist bei unbewusster Ernährung trotzdem utopisch. Mit oben genanntem Essverhalten nehmen wir das bereits vormittags zu uns… Okay, ich gebe zu, dass dieser Artikel hier schon langsam frustriert. Deshalb komme ich gleich zum schönen Teil. Denn auch Gerichte ohne zu viel Zucker können unglaublich gut sein. Der Geschmackssinn verfeinert sich sogar ein bisschen, wenn nicht alles in Süße erstickt. Man spart Geld und Verpackungsmüll. Und öfter auf Zucker zu verzichten macht glücklich. Und dabei rede ich von echtem Wohlbefinden und nicht von dem kurzfristigen Glücksgefühl, mit dem uns Schokoriegel und Co. austricksen wollen. Denn langsam aber sicher schafft es der Körper so aus den ewigen Zucker-Ups und -Downs auszubrechen und das Energielevel konstant zu halten.

Und jetzt kommt wieder ein bisschen harte Wahrheit hinzu. Und zwar ist es leider eine Tatsache, dass man am Anfang des Zuckerfastens einige Entzugserscheinungen durchmacht. Doch auch dadurch kann man seinen Körper besser kennenlernen und weiß bald, den fiesen Symptomen entgegenzuwirken:

 

  • Die Zuckerlust:
    Ist der Körper es gewohnt, regelmäßig Süßes zu bekommen, fordert er das natürlich auch ein. Bei mir ist es meistens nach dem Mittag- und Abendessen soweit, weil das früher meine Angewohnheit war. Das Gute: reißt man sich nur 10 Minuten zusammen, vergeht diese Lust von ganz allein.

 

  • Der Energieeinbruch:
    Zucker ist schnelle Energie, die wir auch sofort spüren. Es ist natürlich sehr praktisch, einen Schokoriegel zu verputzen, wenn man gerade konzentriert arbeiten oder durch das typische Nachmittags-Tief kommen muss. Der Nachteil: Auf den Energieschub folgt dann immer ein noch schlimmerer Hangover. Besser als mit Süßigkeiten lässt sich dieses Schlappheitgefühl aber mit einer Tasse grünem Tee, ein paar Nüssen oder 5-10 Minuten Bewegung an der frischen Luft überstehen. Eine Banane ist auch ein beliebter Helfer, rein vom Zuckergehalt ist sie allerdings nicht viel besser als so manche Nascherei.

 

  • Kopfschmerzen:
    Ja, das ist die schlimmste Art von Entzugserscheinung und tritt bei mir leider immer nach Phasen auf, zu denen ich besonders unkontrolliert Süßes esse (Hallo PMS, danke dafür!). Kopfweh tritt auch oft beim Fasten auf und zeigt, das sich im Körper etwas tut. Das Gute: Bei dieser Art der Kopfschmerzen kann ich meistens auf eine Tablette verzichten, wäre ja auch kontraproduktiv wenn man sich gesünder ernähren will. Denn es geht in meinem Fall fast immer nach kurzer Zeit weg. Viel Mineralwasser oder ein Glas Leitungswasser mit Zitronensaft hilft eigentlich immer.

 

Also: der Schlüssel zu ein bisschen schönerer Haut liegt manchmal einfach nur darin, was wir zu uns nehmen. Und die noch bessere Nachricht ist, dass wir mit so mancher kleinen Ernährungsumstellung dabei noch viel mehr Positives in Gang setzen!

 

Tarte mit Regenbogen Mangold_(c) Carla Oates

 

Über diese Nahrungsmittel freut sich die Haut:

  • Walnüsse, sind ebenfalls gut für’s Denkvermögen.
  • Kürbiskerne, sind auch kleine Eisenbomben!
  • Alle Arten von Beeren. Wenn möglich sollte man in seinen Beerensmoothie weder Joghurt noch Milch reingeben, da einige Studien gezeigt haben, dass Milchprodukte die Wirkung der Antioxidantien verringern könnten. Besonders gut für die Haut: schwarze Johannisbeeren!
  • Spinat, kann man auch gut in Smoothies integrieren
  • Linsen, enthalten sehr viel Eiweiß und Magnesium und sind perfekt als Zusatz für Currys oder Pastasoßen geeignet.
  • Haferflocken, sollten sowieso in jedes Frühstück integriert werden. Am besten pur kaufen und auf Fertigmischungen verzichten, die oft versteckten Zucker enthalten.
  • Karotten, sollten immer in Verbindung mit Fett/Öl verzehrt werden, da der Körper die wichtigen Inhaltsstoffe sonst nicht richtig aufnehmen kann.
  • Thema Koffein:
    Wenn man mich fragt, ob nun Kaffee oder Grün- bzw. Schwarztee besser ist, würde ich zwar sagen Tee – positive Eigenschaften haben aber beide. Man liest zwar oft, dass Koffein schlecht für die Haut sei, 100% bewiesen wurde es aber nie. Grüner Tee und Matcha enthalten noch dazu viele Antioxidantien, die positiv auf das Hautbild wirken.

 

Der wichtigste Trick um weniger Zucker zu essen, ist Geduld. Lasst beim Frühstück die gesüßten Cornflakes weg, verzichtet auf Honig oder gezuckertes Joghurt, tauscht den überladenen Schokoriegel gegen Zartbitterschokolade, und probiert vor allem, Tee oder Kaffee auch mal pur zu genießen. Auch wenn es anfangs sehr geschmacksarm wirkt, mit ein bisschen Durchhaltevermögen gewöhnt sich der Geschmackssinn daran und ihr werdet die zusätzliche Süße bald überhaupt nicht mehr brauchen. Ich liebe es, dass ich regelmäßig erhobenen Hauptes einfach am Süßigkeitenregal vorbeigehen kann, ohne besondere Lust zu haben, etwas zu kaufen. Zumindest bis zum Ende des Monats, wenn ich wieder im Jogginganzug durch die Gänge schlurfe und alles in den Einkaufswagen werfe, was bunt, süß und fettig ist. Danke nochmal PMS, love ya.

 

 

Die Bilder in diesem Beitrag sind übrigens aus dem Buch „Beauty Kitchen“ der australischen Bloggerin Carla Oats, mit unzähligen köstlichen Rezepten, die für strahlende und gesunde Haut sorgen und trotzdem nicht ganz auf Süßes verzichten. Um
€ 32,90 bei Prestel erschienen.

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