Ein unerwarteter Spaziergang im Schloss Laxenburg

Beim Thema Freizeit habe ich immer schon dazu tendiert, alles bis ins kleinste Detail zu (ver)planen. Partys, Treffen mit Freunden, Ausflüge. Ich weiß am liebsten schon im Voraus wo es hingeht, wie lange es dauern und wie der Tagesablauf sein wird – Hauptsache es passiert nicht allzu viel Unvorhergesehenes. Wäre ich Bilbo Beutlin gewesen, hätte die Herr der Ringe-Saga ganz anders ausgesehen.
Dabei muss sogar ich zugeben: die schönsten Dinge entstehen meist aus Spontanität.

Als wir letzten Monat gerade auf dem Heimweg von einem Burgenland-Kurztrip waren, war ich glücklicherweise offen für etwas Ungeplantes. Na gut, mein Freund hatte mich klugerweise mit der Versprechung geködert, gleich das beste Eis meines Lebens zu essen. Der kleine Ort Laxenburg liegt ungefähr 25 km vom Stadtzentrum Wiens entfernt und der Weg dorthin wird gesäumt durch ein eher uncharmantes Industriegebiet. Auch besagter Eissalon ist von außen eher unscheinbar, man darf sich aber wie so oft von Äußerlichkeiten nicht täuschen lassen. Das Schokomousse-Eis zählte tatsächlich zu den besten Eissorten, die ich je gegessen habe. Wegen des perfekten Wetters beschlossen wir, ein bisschen durch die Gärten des Schloss Laxenburg zu spazieren, das gleich um die Ecke lag. Und so kam es, dass wir durch die Schlosstore direkt in ein grünes Narnia stolperten, inmitten dieses unscheinbaren Industriegebietes.

 

 

 

Der riesige Park erstreckt sich auf gut 250 Hektar und birgt dichte Wälder, Wiesen, Spazierwege, Teiche, zwei Schlösser sowie einige pittoreske Pavillons, auf denen scheinbar jederzeit Dick van Dyke mit vier Pinguin-Kellnern durch die Gegend steppen könnte. Tatsächlich hätte ich in diesem Augenblick gerne das weiße Kleid mit passendem Hut aus dem 1964er Mary Poppins Film getragen, Picknickkorb in der einen, Spitzenschirm in der anderen Hand. Wir spazierten vorbei am mittelalterlichen Alten Schloss, durch den wunderschön-barocken Blauen Hof hindurch und obwohl es Samstag-Vormittag war, begegneten wir lange keiner Menschenseele. Gerade waren wir noch umringt von urbanem Straßenlärm und plötzlich war das einzige, was uns umgab das Blätterrauschen hoch oben in den lichtdurchlöcherten Wipfeln der Bäume. Die Gerüche wechselten zwischen süßem Blütenduft, warmen Heu und dem typischen, schweren Geruch von Waldboden und Moos. Es war so idyllisch und ruhig, das unser Dasein nicht einmal die Hirschkuh mit ihrem Kitz störte, die keine 10 Meter entfernt von uns friedlich grasten. Einzig das Klicken meiner Kamera schreckte die beiden auf und sie hüpften wieder ins dichte Gebüsch.

 

 

 

Ein Blatt aus sommerlichen Tagen,
ich nahm es so im Wandern mit,
auf daß es einst mir möge sagen,
wie laut die Nachtigall geschlagen,
wie grün der Wald, den ich durchschritt.

Theodor Storm (1817 – 1888)

 

Laxenburg Schloss

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Ich weiß gar nicht genau, wie lange wir unterwegs waren. Keiner von uns schaute auf die Uhr, die Zeit hatten wir sowieso am Eingang abgegeben. Kleine Statuen erinnerten immer wieder an die Anwesenheit der Habsburger, lange Zeit bevor das Areal für die Öffentlichkeit zugänglich gemacht wurde. Kaiser Franz Joseph genoss hier mit seiner Sissi den ersten Aufenthalt nach ihrer Vermählung und man kann sich fast vorstellen, wie die beiden in einem der Ruderboote im See rund um die wunderschöne Franzensburg schipperten. Heute kann das dank Bootsverleih jeder machen. Oder man sucht sich einen ruhigen Platz im Schatten eines alten Baumes und gibt sich seinen Tagträumen hin. Wir hatten uns an jenem Tag für zweiteres entschieden.

 

 

 

Schloss Laxenburg

 

In den warmen Monaten finden hier übrigens eine Menge kultureller Events wie Freilufttheater oder das Outdoor-Sommerkino mit aktuellen Filmen statt. Eigentlich Grund  genug, um aus der Stadt zu flüchten, Straßen- mit Blätterrauschen zu tauschen und sich für ein paar Stunden im Grünen zu verlieren, oder?

 

 

 

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