Georgia O’Keeffe – Jimson Weed/White Flower No. 1

Pioniergeist: Die Kunst von Georgia O’Keeffe

Role Model als unabhängige, emanzipierte Künstlerin, Vorkämpferin für die Rechte von Frauen, Ikone: Prädikate, die die Künstlerin Georgia O’Keeffe Zeit ihres Lebens aufgestempelt bekam. Klingt doch eigentlich sehr positiv, oder? Die Künstlerin selbst sah das ganz anders und das aus ziemlich nachvollziehbaren Gründen. Eines war sie aber in jedem Fall, sie war DIE Pionierin der amerikanischen Moderne.

 

Myron Wood – Portrait of Georgia O’Keeffe with sculpture and painting, 1980. @Pikes Peak Library District, 002-9152
Myron Wood – Portrait of Georgia O’Keeffe with sculpture and painting, 1980. (c) Pikes Peak Library District, 002-9152

Georgia O’Keeffe (1887–1986) zählt neben Frida Kahlo bis heute zu den wohl berühmtesten Künstlerinnen des 20. Jahrhunderts. Ihre Werke sind auf die wichtigsten US-Museen und Sammlungen verteilt und gelten dort als Besuchermagnete. Und trotzdem: ihre Werke in Europa zu sehen ist eine wirklich rare Gelegenheit – in Österreich zum Beispiel war sie bislang sogar noch nie ausgestellt. Gründe genug, die O’Keeffee Ausstellung im Kunstforum Wien noch schnell einen Besuch abzustatten. Nur noch bis 26. März, also nur noch diese Woche sind die raren Gemälde im Ausstellungshaus auf der Wiener Freyung zu sehen.

Das Bank Austria Kunstforum Wien zeigt dabei die bisher größte O’Keeffe-Ausstellungstour außerhalb der Vereinigten Staaten. Mit der Präsentation von 85 Werken, 60 Fotografien und insgesamt 50 Leihgebern bietet die Ausstellung auch gleich die beste Möglichkeit, ihr malerisches Werk vollständig kennenzulernen. Unter den ausgestellten Werken befindet sich auch „Jimson Weed/White Flower No. 1“ (1932), das mit  41,84 Millionen Euro teuerste Bild, das jemals von einer Künstlerin versteigert wurde. Man glaube mir, mit diesem Vorwissen, sieht man dieses Bild gleich mit anderen (ein bisschen ehrfürchtigeren) Augen. Noch dazu ist es wunderschön und strahlt eine gewisse Heiterkeit aus, wenn man davor steht. Vermutlich konnte ich deshalb auch nicht wiederstehen und mir im Museumshop gleich den Kunstdruck davon gekauft.

 

 

Aber jetzt erst mal zur Frau hinter den Gemälden.

Georgia O’Keeffe, die 1887 auf einer Farm in Wisconsin geboren wurde und 1986 im Alter von 98 Jahren zurückgezogen in New Mexico starb, erlebte ihr künstlerisches Debüt in New York, wo sie erstmals 1916, also vor hundert Jahren, in der Galerie 291 ausstellte. Dieses damals wichtigste Forum der europäischen Avantgarde wurde von dem Fotografen Alfred Stieglitz geleitet, der später auch ihr Ehemann werden sollte.

 

Georgia O’Keeffe – Black Mesa Landscape, New Mexico / Out Back of Mari’s II, 1930. © 2016 Georgia O’Keeffe Museum/Bildrecht Wien
Georgia O’Keeffe – Black Mesa Landscape, New Mexico / Out Back of Mari’s II, 1930. © 2016 Georgia O’Keeffe Museum/Bildrecht Wien
Georgia O’Keeffe – Oriental Poppies, 1927. © 2016 Georgia O’Keeffe Museum/Bildrecht, Wien
Georgia O’Keeffe – Oriental Poppies, 1927. © 2016 Georgia O’Keeffe Museum/Bildrecht, Wien

Im Umfeld des von Männern dominierten Sozialen Umfeld ihres Mannes beteiligte sich O’Keeffe als eine der ersten Künstlerinnen aktiv an der Begründung der amerikanischen Moderne und wirkte als solche wegweisend für nachfolgende Generationen an Künstlerinnen und Künstlern. Außerdem machte sie sich als Mitglied der National Women’s Party für die Rechte von Frauen stark. Erneut ein mutiger Schritt und ein Beweis für großen Mut. Denn in der damaligen Zeit, in der die Schriften von Sigmund Freud sehr populär waren, war auch ihr Ehemann überzeugt davon, dass „die Frau die Kraft ihrer Kunst aus dem Schoß bezieht“. Tja.. Natürlich unterstützte und bewarb er die Kunst seiner talentierten Frau, die Beiden führten schließlich eine sehr glückliche Beziehung. O’Keeffes Werk wurde somit aber zum Inbegriff des „Weiblichen“ abgestempelt. Ein Prädikat, das natürlich nichts negativen an sich hat, der Künstlerin jedoch ziemlich gegen den Strich ging. Sie wollte nicht einer eigenen Kategorie angehören sondern sich stattdessen unter den anderen Künstlern durchsetzen und strebte daher lieber Gleichberechtigung an. Auch Stieglitz’ erotische Aktfotografien von O’Keeffe bewirkten ähnliches: sie machten die Künstlerin zur Ikone der Roaring 20s und gaben ihr noch mehr Auftrieb. Man könnte jetzt denken: Sex sells. Wenn man die Fotografien aber betrachtet, fällt schnell auf, dass diese von Stärke, Würde und Selbstsicherheit nur so strotzen. Sie verwehrte sich fortan ein Leben lang gegen die sexualisierte Gesellschaft, die ihre Kunst oft und gerne als „weibliche“ Kunst einstuften.  Auch ihrer Rolle als Galionsfigur der feministischen Kunst in den 70er Jahren war sie nicht ganz zugetan.

Men put me down as the best woman painter… I think I’m one of the best painters.“

 

 

O’Keeffes monumentale, die Pop Art ankündigenden Blumenbilder der 1920er- und 1930er-Jahre zählen zu den populärsten Werken ihres Œuvres. Mit ihren Knochendarstellungen in der Wüste des amerikanischen Südwestens, die Nahblick und Fernsicht, Monumentalität und Intimität verbinden, lieferte O’Keeffe ab den 1930er-Jahren schließlich nicht nur einen wichtigen Beitrag zur Stilllebenmalerei, sondern auch zur Begründung einer amerikanischen, landschaftsbasierten Ikonografie überhaupt.

 

„I found I could say things with color and shapes that I couldn’t say any other way.. things I had no words for.“

 

Georgia O’Keeffe – From the Faraway, Nearby, 1937. The Metropolitan Museum of Art, New York © 2016 Georgia O’Keeffe Museum/Bildrecht, Wien
Georgia O’Keeffe – From the Faraway, Nearby, 1937. The Metropolitan Museum of Art, New York © 2016 Georgia O’Keeffe Museum/Bildrecht, Wien

 

Angeboten werden bis zum 26. März auch noch Specialführungen, u.a. zum Thema „Frauenkunst? Georgia O‘Keeffe als Ikone feministischer Künstlerinnen“. Infos findet ihr unter kunstforumwien.at.

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