erfrischende Resteverwertung: Selosoda im Selbsttest

Es gibt Projekte, da stimmt einfach alles. Die Idee, das Aussehen, der Geschmack. Und das Konzept, vor allem wenn es um das Thema Wiederverwertung geht. Bedenkt man, wie viel Müll ein Mensch täglich produziert, kann es gar nicht genug Projekte dieser Art geben. Hier eine Plastikverpackung, da ein paar Essensreste – auch vor den kleinen Luxusgütern, die wir uns täglich gönnen macht das keinen Halt. Denn auch bei so einer wunderbaren Sache wie Kaffee entsteht Abfall. Nämlich die Kaffeefrucht selbst.

Kaffee ist genaugenommen eine Frucht. In ihr verbergen sich jeweils zwei Kaffeebohnen. Nach der Ernte werden das Fruchtfleisch und die Schalen üblicherweise einfach weggeworfen, was eine Verschwendung von mehr als 30% des Ernteertrags ist. Dass das so ist, fiel auch Laura Zumbaum auf. Kurzerhand gründete die Unternehmerin deshalb SELOSODA, ein Erfrischungsgetränk, das Nachhaltigkeit, Lifestyle und guten Geschmack vereint. Gründe genug, um sich das Produkt mal genauer anzusehen, inklusive Selbsttest!

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Aber erst mal von vorne. Das Erfrischungsgetränk aus der Kaffeefrucht gibt es in zwei verschiedenen Formen: als kohlensäurehaltiges Getränk in der schicken Glasflasche, verfeinert mit einem Spritzer Zitrussaft, oder lose als Tee (es versteht sich von selbst, dass ich mich für den Tee entschieden habe). Durch den Koffeingehalt, der auch in der verwendeten Schale steckt, ist das Getränk mit der Wirkung von zwei Espressi vergleichbar. Es haut also ordentlich rein. Zucker wird man hier keinen finden, braucht auch niemand. Geschmacklich sollen Nuancen der frischen Orange hervorstechen, wilder Honig, süßliche Melone und milder Tabak – sehr vielversprechend.

Das Besondere ist aber auch die Transparenz in Sachen Anbau und Herstellung. Ich könnte hier den gesamten (wirklich interessanten) Weg vom Kaffeepflänzchen bis in die Flasche beschreiben, aber den sieht man sich am besten auf der selosoda Homepage an. Dort ist er auch noch viel schöner illustriert. Fakt ist, dass man dort sogar den Namen des Farmers im kleinen Ort Los Lajones erfährt, der den sonnengetrockneten Kaffeeschalentee erzeugt, den wir uns eisgekühlt in die Tasse gießen. Er heißt übrigens Graciano.
Wie so etwas geht und auch ein bisschen Privates, erzählt mir die liebe Laura im kurzen Interview, bevor es ans Verkosten geht:

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Liebe Laura, was mich am meisten interessieren würde: Ein Produkt wie selosoda zu kreieren erfordert zuerst mal viel Wissen zum Thema Kaffee. Woher kommt das bei dir und durch was bzw. wie kamst du auf die Idee, selosoda zu gründen?
Viel viel Leidenschaft für ein Alltagsprodukt mit komplizierter Wertschöpfungskette habe ich während meiner Zeit bei Coffee Circle und Green Cup Coffee entwickelt, hier habe ich die Möglichkeit genutzt mit Kaffeeproduzenten aus Zentralamerika und Afrika zusammenzuarbeiten. Schnell wurde mir bewusst: in dieser Branche macht Aufklärung Sinn, durch qualitativ hochwertige, innovative Produkte, die das potenzial haben uns als Kunden wach zu rütteln. Das ist auch der Gedanke hinter selosoda: bester Geschmack, hohe Funktionalität (viel Koffein, wenig Kalorien) und Kommunikation zu Herkunft und Hintergrund unserer Kaffeefrucht.
Woher kommt der Name selosoda?Laura Zumbaum_Portrait_by_viktor_strasse_72dpi
„selo“ ist eine Übersetzung aus dem Esperanto, der fast vergessenen Weltsprache, und steht für die Hülse/Schale, welche die uns bekannten Kaffeebohnen umschließt.
Soda heißt pure Erfrischung.
Euer Konzept basiert auch auf völliger Transparenz, sogar bis zum Farmer in Panama. Vor welchen Problemen seid ihr gestanden, bis ihr dieses Ziel erreicht hattet?
Bisher gibt es kaum substanzielle Nachfrage für das Produkt Kaffeefrucht, aus dem Grund haben sich nur wenige Produzenten dem Thema ausgiebig gewidmet. Das ist im Einkauf natürlich die Herausforderung, gleichzeitig aber unsere tägliche Motivation. Nur gemeinsam mit den Kaffeebauern können wir das wirtschaftliche potenzial der Kaffeepflanze tatsächlich steigern.
Glaubst du, dass es den typischen selosoda-Kunden gibt bzw. wird es einem bestimmten Lifestyle gerecht?
Schwierig das auf einen Kunden zu beschränken. Unser Produkt ist gesund und natürlich, hält wach und fit, ist nachhaltig und hat den Anspruch den Kaffeehandel zu revolutionieren – das spricht Sportler, Ökos und Techies gleichzeitig an.

Wie oft darfst/musst du denn selbst nach Panama reisen? Ist das Land so spannend, wie man es sich vorstellt?
Es ist fabelhaft. Ich war erst einmal persönlich da, in vier Tagen habe ich Energie für das Jahr gesammelt. Menschen, Natur, Rohware: alles beeindruckend.
Wie bringst du persönlich mehr Nachhaltigkeit in deinen Alltag, hast du Tipps für uns?
Für mich beginnt es mit Alltagsprodukten wie Nahrungsmitteln, Textilien und Transport. Es ist nicht unmöglich bewusst auf den Kaufrausch von Kleidung zu verzichten, regional und saisonale Produkte zu genießen und Fahrrad, Zug sowie öffentliche Verkehrsmittel dem eigenen Auto und Kurzstreckenflügen vorzuziehen. Und wenn ich damit beginne mir Gedanken über meinen morgendlichen Kaffee und dessen Herkunft zu machen, ist die Chance nicht klein, dass ich meine 5. Jeans in Sachen Nachhaltigkeit hinterfrage.
Wie genießt man den selosoda und den selosoda-Tee am besten?
Ein eisgekühltes selosoda in der Sonne, im Park mit Freunden. Oder auf dem Balkon zum feinen Drink kombiniert, mit Zitronensaft und Vermouth. Den frisch aufgebrühten Tee trinke ich gerne morgens als Wachmacher, im Winter kombiniert mit ein wenig Zimt, im Sommer mit Orangenzeste.

 

Wie schmeckt der selosoda-Tee?

Jetzt seid ihr bestimmt neugierig geworden, oder? Genauso ging’s mir. Ein Glück, dass ich den selosoda-Tee gleich selbst kosten durfte! Die getrockneten Kaffeefrüchte aus der hübschen, schlichten Verpackung gibt man am besten in ein Tee-Ei oder eine Kanne mit Sieb, gießt sie mit heißem Wasser auf und lässt sie ca. 8 Minuten lang ziehen. Der Geruch ist leicht süßlich, erinnert ein bisschen an Früchtetee. Ich trinke ihn ungezuckert und pur – man will ja das volle Geschmackserlebnis haben. Tatsächlich ist der Geschmack mit nichts, das ich bislang probiert habe zu vergleichen. Das süßlich-säuerliche Aroma erinnert wirklich an eine Tasse starken Kaffee. Sonst hat das ganze (geschmacklich) aber nichts damit zu tun. Es ist sehr mild, verbreitet sehr viele unterschiedliche Aromen am Gaumen und trinkt sich sehr angenehm – wie guter Tee eben. Allerdings kann ich es mir auch sehr gut als morgendlichen Wachmacher vorstellen, der den ein oder anderen Earl Grey in Zukunft ersetzen könnte. Nach einem Tässchen fühlt man sich nämlich tatsächlich etwas wacher, ganz ohne die leichte Nervosität, die Kaffee bei mir manchmal verursacht. Tolle Idee, sehr ansprechender Auftritt und überzeugender Geschmack, der ab jetzt öfters in die Tasse darf!

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Psst: Bald wird selosoda auch in Österreich erhältlich sein. Alle unter euch, die neugierig geworden sind und schon jetzt ein eisgekühltes Fläschchen zischen wollen, können das Getränk auch ganz einfach im Online-Shop bestellen.

 

(Credits: Viktor Strasse, THE BOOKSHELF)

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