Tipps & Tricks: So wird der Balkon zum 2. Wohnzimmer

Schon in meiner Kindheit war es bei uns Tradition, im Frühjahr den Garten zu begrünen. Meine Mutter, Oma und ich sind dann gemeinsam zum Floristen gepilgert und jedes Mal mit vollgepacktem Auto wieder heimgekommen. Jedes Jahr auf neue berieten die beiden, welche Pflanzen in welche Ecken des Gartens kommen sollen, welches Gemüse im Gemüsebeet angebaut werden soll und wie das Farbenspiel der Blumen diesen Sommer auszusehen hat. Ich lief in der Zwischenzeit durch die Gänge der Gärtnerei, bestaunte die bunten Blüten, zerrieb Kräuter zwischen meinen Fingern und ließ mir dann das Aroma in die Nase steigen. Noch heute sind diese Tage eine schöne Erinnerung. Und der grüne Daumen den meine Oma und Mutter offensichtlich beide haben.. wurde genauso offensichtlich nicht an mich weitervererbt. Egal was ich angreife, wie viele schön-blühende Zimmerpflanzen ich anschaffe – alle sind sie des Todes geweiht. Ich meine es entweder zu gut mit dem Gießen oder aber ich lasse sie gnadenlos vertrocknen. Manchmal, und das bilde ich mir nicht nur ein, da reicht es schon, wenn ich den Neuankömmling einfach nur schief ansehe – schon gibt er kampflos auf, lässt sein Köpfchen hängen und seine Blüten fallen. Aus diesem Grund habe ich mich die letzen Jahre auf Kakteen beschränkt. Die kann so schnell nichts umbringen. Obwohl ich auch das schon geschafft habe, öfter als ich hier öffentlich zugeben möchte.

Dieses Jahr aber habe ich das erste Mal in meinem Leben einen eigenen Balkon, der danach schreit, ordentlich begrünt zu werden. Und siehe da, auch ein Mensch ohne grünen Daumen kann es schaffen! Und es hat Spaß gemacht, war zeitweise sogar sehr entspannend und ein richtig kreativer Prozess. Ein Zuckerschlecken war es allerdings nicht.

Step 1: Dekoration

 

Beim Anblick eines noch leeren, weißen Papiers stellt sich anfangs immer ein bisschen Überforderung ein, zumindest bei mir. Genau so war es auch als ich meinen kleinen, verwinkelten Balkon nach dem Winter zum ersten mal betrachtete. So viele Möglichkeiten, zu viele Ideen. Welcher Stil? Welche Farben? Und überhaupt, welche Möbel? Aber da auch der größte Ideenreichtum meistens am Budget scheitert, haben sich ein paar kleine Handgriffe bewährt, die trotzdem große Wirkung erzeugen.

Der erste Schritt für mehr Gemütlichkeit (und auch Privatsphäre) ist ein Sichtschutz, der am einladendsten aussieht, wenn er aus Naturfasern wie Stroh oder Schilf gemacht ist. Wer sich die Sicht nicht versperren lassen möchte, der kann das Schilf auch einfach entlang einer Wand befestigen, wo es sich auch hervorragend macht. Das beste daran ist, dass so eine Rolle im Baumarkt für wenig Geld erhältlich ist. Schöne, wetterfeste Möbel dazu gibt es natürlich zuhauf. Die neuesten Modelle mit speziellen Beschichtungen oder aus widerstandsfähigen Synthetik-Materialien halten sogar den schlimmsten Witterungsbedingungen stand. Das merkt man aber auch im Preis, denn auch da sind die Grenzen nach oben hin offen. Für alle, die keine durchgestylte Lounge sondern leistbare Gemütlichkeit wollen, lohnt sich ein Flohmarkt-Besuch, bei dem man mit ein bisschen Fantasie schon viel mehr für sein Geld bekommt. Zum Beispiel alte Holzkisten und Körbe, die zu Blumentöpfen umfunktioniert werden, robuste Sessel, die nur einen neuen Anstrich brauchen oder Tische, die mit ein bisschen Liebe als sympathisches Shabby-Chic Teil durchgehen. Wer auf Recycling steht, der wird mit alten Einmachgläsern seine Freude haben, die zu Teelichtern umfunktioniert werden und mit einer Bastschnur sogar von der Decke baumeln können. Apropos: Wer das Glück hat, einen Dachvorsprung oder ähnliches zu haben, der sollte die Möglichkeit nutzen und an die Decke gehen – rein dekotechnisch versteht sich. Denn nicht nur aus Platzmangel sondern auch optisch sind hängende Blumenampeln perfekt geeignet. Auch zum Anbau von Erdbeeren und Kräutern – aber dazu später mehr.

 

Eine sehr große Auswahl an wunderschönen Outdoor-Möbeln und Accessoires gibt es z.B. beim kuratierten Onlineshop WestwingNow, und das sogar zu sehr erschwinglichen Preisen. Eine kleine Auswahl an Outdoor-Favoriten (einige davon zieren wie ihr seht auch bereits meinen eigenen Balkon) gibt es gleich hier:

westwingNow

1 dreiteiliges Gartenset „Venedig“ 2 Sitzkissen „Sevilla“ von EIGHTMOOD 3 Laternenset von BOLTZE 4 Kissen von APELT 5 Blumentopf von EIGHTMOOD 6 Blumentopf von LENE BJERRE 7 Schüssel von BROSTE COPENHAGEN 8 Schüssel von CHURCHILL 9 Tablett „Bed“ von CINAS

 

 

Vom Topf auf den Teller: Kräuter & Gemüse

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Wie schon erwähnt, bin ich nicht gerade mit einem grünen Daumen gesegnet, was mir seit dem Projekt Balkonbepflanzung auch schon einige Angstschweißperlen ins Gesicht trieb. Am einen Tag noch das blühende Leben, konnte das Blumenbeet am nächsten bereits wie die Kulisse von Mad Max aussehen. Staubig, vertrocknet und verdorrt – seitdem kleben 4 „Gießen nicht vergessen!“-Post Its an den meist frequentierten Stellen meiner Wohnung. Doch einige Sorten haben sich dennoch den Widrigkeiten meiner selbst geschaffenen Serengeti angepasst und bis heute überlebt. Mit diesen hart gesottenen Arten werdet ihr also bestimmt für reiche Ernte sorgen:

Mangold ist nicht nur sehr gesund und vielfältig einzusetzen (gekocht oder roh), er ist auch viele Monate sehr ertragreich und hat sogar einen ärgerlichen Blattlausbefall überstanden. Genauso wie Pflücksalat, der im Gegensatz zum normalen Blattsalat in die Höhe wächst und dadurch portionsweise geerntet werden kann. Sehr gut funktioniert haben auch Karotten (die erst im August reif werden), Tomaten, kleine Zwiebeln, Lauch und Radieschen. In Hängetöpfen an sonnigen Plätzen gedeihen auch Erdbeeren wunderbar – die ganz große Ernte darf man sich allerdings nicht erwarten. Die Handvoll kleiner, duftender Erdbeeren, die man in der Woche pflücken kann, ist den Aufwand aber trotzdem wert. Auch Kräuter wie Basilikum, Petersilie, Oregano und Thymian fühlen sich im Freien viel wohler und beginnen fast zu wuchern, wenn man ihnen genug Platz im Topf macht. Schnittlauch und Rosmarin sollte man allerdings lieber als fertige Pflanzen kaufen und danach umsetzen. Bis aus den Samenkörnern etwas in dieser Größe erwächst, dauert es meiner Erfahrung nach nämlich viel zu lange. Perfekt geeignet für so einen Kräutergarten sind übrigens alle Arten von Körben, die man einfach nur mit einem Müllsack auslegen und dann nach Belieben befüllen kann.

So ein kleiner Balkongarten lockt natürlich auch das Leben an – Bienen, Käfer und andere harmlose Krabbeltiere sollte man aber eher als nützliche, neue Mitbewohner begrüßen, anstatt sie zu vertreiben. Verständlich ist aber, wenn man bei Stechmücken weniger Gnade walten lässt. Das schafft man auf ganz humane Art, z.B. mit Lavendel, der noch dazu sehr gut aussieht und duftet. Auch den Geruch von Tomaten und Zitronengras mögen die lästigen Mücken gar nicht.

 

Tee aus eigenem Anbau

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Vom Balkon tatsächlich etwas ernten zu können, war ein tolles Gefühl. So als hätte man mit eigenen Händen etwas erschaffen, dafür im Dreck gewühlt, Zeit und Kraft investiert.. Ein bisschen so wie Farmville, nur mit echtem Dreck. Jedes Essen wird viel besonderer, man genießt einen Salat auf ganz andere Weise, wenn man die Blätter selbst geerntet, die Kräuter dafür selbst von der Staude gepflückt und begriffen hat, wie kostbar so etwas eigentlich ist. Am meisten Freude hat es mir bis jetzt aber bereitet, meinen eigenen Tee herstellen zu können. Wie praktisch ist es, keine Schachtel und kein Papier aufreißen zu müssen, sondern einfach rausgehen zu können und nur ein paar frische Zweige zu pflücken.

Kamillentee aus den frischen, mit heißem Wasser übergossenen Blüten hat mir z.B. die Augen geöffnet. Die leichte Süße, die durch die Blütenpollen entsteht, kann wohl kein getrockneter Tee erreichen. Die Pflanze sieht außerdem schön aus und beginnt an einen warmen Ort (oder im Kräuterkorb) regelrecht zu wuchern.

Auch frischer Minztee, den man noch mit ein paar Blättern Zitronenmelisse oder etwas Ingwer mischen kann, schmeckt unvergleichbar gut.

Ein paar Blätter Basilikum funktionieren wunderbar in Cocktails (z.B. mit Lillet und Sodawasser aufgespritzt), aber auch mit heißem Wasser und einem Schuss Zitronensaft übergossen.

Rosmarin kann man in kleinen Dosen als besondere Note in viele Teesorten mischen, ein Zweig davon peppt aber auch viele Cocktails, Gin und andere Getränke auf – experimentieren lohnt sich.

Wer richtig angeben will, der kann auch Raritäten wie Jiaogulan anbauen. Es wird auch „Kraut der Unsterblichkeit“ genannt und soll heilende und lebensverlängernde Wirkung haben. Es hat unzählige gute Eigenschaften: gut für den Blutzuckerspiegel, die Durchblutung, stressmindernd, nervenstärkend, cholesterinsenkend und und und. In vielen Reformhäusern kann man es um sehr viel Geld in getrockneter Form kaufen. In Gärtnereien kostet es als Pflanze aber nur ein paar Euro. Am besten pflanzt man es in einem Hängetopf, es beginnt nämlich bald, lange Ranken zu bilden, von denen man die zarten Blätter dann ernten kann. Frisch aufgebrüht schmeckt es leicht bitter, der Nachgeschmack kommt dem von Grüntee gleich. Genauso sollte man das Kraut auch aufbrühen: mit 80 Grad heißem Wasser und 3 Minuten Ziehzeit. Der Vorgang kann, ebenfalls wie beim Grüntee, mehrere Male wiederholt werden. Vermischt mit anderen Teesorten oder auch gleich roh in Smoothies oder Müslis gemischt, hat es aber keinen Eigengeschmack und sorgt trotzdem für eine Extraportion an Vitaminen und Mineralstoffen.

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Natürlich kann man Blätter und Blüten auch trocknen, in Teebeutel füllen und aufbewahren – oder schön verpackt verschenken. Dazu bindet man am besten mehrere Zweige von Minze, Kamille und Co. zusammen und hängt sie an einen trockenen, gut belüfteten Ort, der nicht allzu sonnig ist. So bleibt das Aroma am besten erhalten. Beim Befüllen der Teebeutel sind der Fantasie natürlich keine Grenzen gesetzt: Man kann mit den selbstgepflanzten Kräutern losen Grün- oder Schwarztee aromatisieren, kann getrocknete Apfel-, Orangen- oder Zitronenschalen hinzufügen oder einfach wild drauf los experimentieren. In jedem Fall hat man so an kalten Winterabenden ein schönes Andenken an den Sommer oder ein ganz persönliches Mitbringsel für Familie und Freunde.

 

Tipp:

Viele Einrichtungstipps, sehr praktische Ideen und eine Fülle an Wohninspirationen findet man übrigens in dem Buch „Home Stories“ von Delia Fisher. Ein richtig gutaussehendes Coffe Table Book, das sich wunderbar liest und jedes Mal neue Inspirationen bringt, wenn man es aufschlägt. Erschienen ist es um € 36 im Callwey Verlag.

 

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Dieser Beitrag entstand in freundlicher Zusammenarbeit mit dem Onlineshop WestwingNow.

(Credits: THE BOOKSHELF, WestwingNow)

7 Gedanken zu “Tipps & Tricks: So wird der Balkon zum 2. Wohnzimmer

  1. Hey liebe Birte,
    das ist ja lieb von dir, vielen Dank!
    Die Bank ist von Ikea. Zwar bereits vom Vorjahr, aber ich schätze Kollektion müsste es noch immer in den Möbelhäusern geben.

    Ganz liebe Grüße

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  2. Hallo Jennifer,

    Ich bin durch Zufall auf deine Seite gestoßen und habe mich gleich zu Hause gefühlt. Im letzten Jahr bin ich in meine kleine Puppenstube gezogen und nun ist der Balkon dran. Und deine Bank ist einfach nur schön. Wo hast du die denn her?

    Gruß Birte

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  3. Vielen Dank liebe Jennifer.
    Als Salat habe ich es tatsächlich nochnie probiert. Das wird morgen gleich mal nachgeholt!
    Gute Nacht und hab ein baldiges schönes Wochenende.
    Rea

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  4. Hallo liebe Rea! Vielen lieben Dank für deinen netten Kommentar. Das Spaghetti-Rezept hört sich super an, so etwas ähnliches mache ich auch immer. Eigentlich kann man die Blätter und klein-geschnittenen Stiele ja überall dazuessen, das ist ja das tolle. Die junge Triebe roh als Salat finde ich auch köstlich.
    Dann genießt euren Garten noch schön 🙂

    ganz liebe Grüße
    Jennifer

    Gefällt 1 Person

  5. Liebe Jennifer,

    ein wunderbares Paradies hast du dir da gezaubert. Ich bin richtig hingerissen und kann deinen Stolz super gut nachvollziehen. Wir haben nämlich seit diesem Frühling auch einen eigenen Garten und sind nun schon den ganzen Sommer am Ackern, Bepflanzen und ENDLICH am Ernten! Ich bin ja so froh, und es macht riesen Spaß! Mangold habe ich übrigens auch, da musste ich die Kerle erst einmal überreden. Daraus mache ich super gerne eine Spaghetti-Spanne mit gerösteten Pinienkernen, Olivenöl und gaaanz viel Knoblauch.
    Ich wünsche dir eine schöne Woche!
    Rea
    https://konfettiimkopf.com/

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