Der Tag an dem meine 133 € teure Hautcreme am Boden zerschellte

Kennt ihr die Serie 2 BROKE GIRLS? Wenn ja, dann wisst ihr, dass den beiden Hauptfiguren darin regelmäßig die schrägsten Missgeschicke passieren. Sobald ihnen etwas Gutes passiert, kann man sicher sein, dass alles im nächsten Augenblick schrecklich schiefgehen wird. An dieser Stelle denkt man sich als Zuschauer immer: „Ach komm, so viel Pech kann kein Mensch haben.“ Zumindest dachte ich mir das immer, bis jetzt. Denn erst kürzlich hatte ich genau so ein Erlebnis. Ein Erlebnis, dessen Ironie einen kurz daran zweifeln lässt, ob nicht im nächsten Augenblick ein „Versteckte-Kamera“-Team oder im besten Fall eine 2003er Version von Ashton Kutcher auftaucht und den ganzen Vorfall als blöden „Punk’d“-Scherz enttarnt.

Es begann alles in der Parfümerie, wo ich mir in einem fast schon feierlichen Akt ein neues Glas meiner absoluten Lieblingshautcreme kaufte. Glas deshalb, weil eine normale Plastikverpackung für dieses kostbare Wunderprodukt einfach viel zu minderwertig wäre. Die Ironie dessen werdet ihr erst später begreifen. Wenn ich euch jetzt einfach so erzähle, dass mich die besagte Creme 133 € gekostet hat, werdet ihr mich wahrscheinlich für verrückt halten. Man muss an dieser Stelle folgendes wissen: ich bin in jeder Lebenslage sehr sparsam und investiere mein Einkommen meist in Reisen – aber dieses Produkt hält wirklich was es verspricht. Es ist so ergiebig, dass es sogar ein ganzes Jahr anhält und ist somit auch das einzige Luxusprodukt, das ich mir überhaupt leiste. Klar, dass mich die nette Verkäuferin ziemlich leicht zu der größeren Vorteilspackung überreden konnte, denn – und ich hoffe dieser Satz amüsiert euch am Schluss dieser Geschichte genauso wie mittlerweile auch mich – ich wollte schließlich sparen. Für diesen Kauf habe ich sogar all meine Weihnachts-Gutscheine aufgespart, die aber traurigerweise gerade einmal die Hälfte des Preises abdeckten. Umso stolzer und glücklicher ging ich mit dem kleinen Papiertütchen aus der Parfümerie und stellte den Flakon feierlich ins obere Badezimmer-Regal. Ich beschloss ein entspannendes Bad zu nehmen um meine Haut optimal auf die Pflege vorzubereiten. Zumindest stand in der letzten Vogue, dass man das tun sollte und der Vogue widerspricht man nunmal nicht.

Um die Geschichte zu verkürzen, kommen wir gleich zum Showdown: Ich griff anschließend nach dem durch den Wasserdampf rutschigen Glasflakon und sah im nächsten Moment zu, wie 75ml cremig-weißen Goldes am Fußboden in hundert kleine Splitter zerschellte. Es folgte ein Moment des schieren Entsetzens, in dem man eigentlich nicht wahrhaben will, was gerade eben passiert ist. Ich meine, SO viel Pech kann ein Mensch doch nicht haben oder? Bis ich tatsächlich zu einem unverständlichen Laut der Verzweiflung fähig war, dauerte es einige Sekunden. Aber was hätte ich denn auch machen sollen, hätte ich die Nerven verlieren und in Tränen ausbrechen sollen? Denn ja, genau das habe ich dann auch gemacht.

Eines kann ich euch sagen: wenn man so heulend und in Selbstmitleid zerfließend am Badezimmer-Fußboden in den Scherben seiner nagelneuen Luxuscreme hockt, dann lernt man auch einiges über sich selbst. Zum Beispiel entdeckt man seine Zuneigung zu unkaputtbaren Plastikverpackungen wieder. Man lernt im Kopf auszurechnen, wie viele göttliche und sauteure Ben & Jerrys Eisbecher man sich um dieses Geld kaufen hätte können (ungefähr 27). Und dass man seinen allgemeinen Gefühlszustand vielleicht überdenken sollte, wenn der Freund, der die ganze Szenerie mitangesehen hat, dir den Kopf tätschelt, den Mülleimer holt und die Scherben stillschweigend beseitigt, als wäre es reinste Routine. Während ich also die letzten Reste der sündteuren Creme von meinem schockierend dreckigen Fußboden abkratzte (witziges Detail: das Staubsaugen hatte ich an dem Tag einfach auf morgen verschoben weil ich mir einen entspannten Abend gönnen wollte) und mir wahllos ins Gesicht schmierte, überlegte ich wie lange es wohl dauern würde, die Staubpartikel, Haare und potenziellen Bauchnabelfussel mit der Pinzette aus den Überresten zu puhlen. In diesem Moment beschloss ich mich zu beruhigen und einfach loszulassen. So ein Gefühlsausbruch wegen einem unnötigen Luxusprodukt, lächerlich. War das vielleicht der Moment, von dem mein Yoga-Lehrer all die Jahre faselte? War das die Gelegenheit, meinen Körper zu verlassen und all das Weltliche, Unwichtige hinter sich zu lassen? Als ich 10 Minuten später im herabschauenden Hund tief aus- und einatmete, immer noch unterbrochen von gelegentlichen Schluchzern, entschied ich: nein. Denn manchmal, da muss man auch die winzigen Risse im eigenen kleinen Universum betrauern dürfen, und sei es auch mit komplett irren Heulkrämpfen im eigenen Bad.

Mittlerweile habe ich diesen dermalen Supergau übrigens überstanden und es auch geschafft, mir eine neue Creme zu kaufen, diesmal allerdings in der kleinsten Version („Es gäbe auch noch eine Vorteils-“ – „Die kleine. Danke.“). Sie hat einen neuen Platz gefunden, gleich neben den Handtüchern, im untersten Regal, knapp einen Zentimeter über dem Boden.

 

(Credit: photo by the-bookshelf)

 

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s