PRÊT-À-COMPOSTER – Die Gebrüder FREITAG machen Mode kompostierbar

Es war einmal, vor nicht allzu langer Zeit, in einem nicht allzu weit entfernten Land. Da sandte ein König seine besten Hofschneider aus, auf dass sie ihm einen neuen Stoff erschaffen. Zauberkräfte sollte dieser haben und ganz lokal im Königreich selbst produziert werden. Hunderte, wenn nicht gleich tausende Schneider probierten sich am Entwurf eines solchen Stoffes und scheiterten kläglich. Nach fünf langen Jahren dann kamen zwei Brüder und präsentierten Stolz den Stoff, der sich wie von Zauberhand auflösen kann, wenn man ihn nicht mehr braucht. Der König war höchst zufrieden und fortan lebte man glücklich und schonte Ressourcen und Natur.

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Auch die fantastischsten Märchen werden manchmal wahr und so präsentierte das Schweizer Taschenlabel Freitag vor kurzem einen Stoff, der eben diese Zauberkräfte besitzt. Nun ja, vielleicht verschwindet er nicht wie von Zauberhand, man muss ihn dafür schon auf den Komposthaufen werfen. Aber jetzt mal auf Anfang. Die märchenhafte Geschichte der Brüder Markus und Daniel Freitag begann Anfang der neunziger Jahre im schönen Zürich. Dort fährt man bekanntlich die meiste Zeit mit dem Rad bzw. dem Velo, egal ob es stürmt und schneit. Da war es für zwei Grafikdesigner naheliegend, sich für solche Fälle ihre Messenger Taschen einfach selbst zu machen, aus alter LKW-Plane, Fahrradschlauch und Autogurt. Vom zweckmäßigen Eigenentwurf bis zum internationalen Unternehmen mit rund 160 Mitarbeitern war es dann mittels harter Arbeit und ausgefeiltem Konzept kein allzu langer Weg. Mittlerweile fertigt Freitag zwei verschiedene Taschenlinien. Einerseits die Fundamentals mit rund 40 Modellen, die stetig weiterentwickelt und ergänzt werden, und seit September 2010 die Reference–Linie, die etwas mehr sophisticated daherkommt. Die Taschen werden heute nicht nur Online, sondern auch in über 470 Stores weltweit verkauft. Außerdem gibt es Freitag-Stores in Berlin, Hamburg, Köln, Wien, Tokyo, Zürich, Davos und Lausanne. Soweit zu den Hard Facts.

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So wie das Unternehmen gereift ist und sich verändert hat, so hat sich auch die Zielkundschaft mit den Jahren verändert. Die Begleiter aus komplett recyceltem Material waren schon zu einer Zeit beliebt, in der noch niemand über Ressourcenknappheit nachdachte oder die Wörter „Nachhaltigkeit“ und „Upcycling“ gebrauchte. Doch nun ist das, was noch vor 20 Jahren undenkbar weit weg war, traurige Gewissheit. Das hat auch die Brüder veranlasst, noch einen Schritt weiter zu gehen, den bösen Drachen zu bekämpfen und dem Kunden zu geben, was er verlangt. Denn dieser ist ja bekanntlich König. Nach fünfjähriger Entwicklungs- und Testzeit ist es ihnen mit Hilfe eines kleinen Teams aus Textilexperten gelungen, Kleidung zu entwickeln, die strapazierfähig und vollständig biologisch abbaubar ist. Was jetzt tatsächlich ein bisschen wie Hokus Pokus klingt, ist das Resultat langer Forschung und immenser Detailverliebtheit. Denn nicht nur die drei entwickelten Stoffe mussten zu 100 Prozent aus pflanzlichen Fasern bestehen, sondern auch Zubehör wie Nähgarne, Webbänder und Hemdknöpfe. Da entpuppen sich auch schon mal die Prinzen unter den Rohstoffen als schnöde Frösche. Aber um welche Zauberformel handelt es sich denn nun wirklich? Freitag F-ABRIC besteht aus Bastfaser wie Leinen oder Hanf sowie aus Modal, das aus österreichischem Buchenholz hergestellt wird. Die Produktion dieser heimischen Fasern schont die Böden und braucht viel weniger Wasser als die einfacher zu verarbeitende Baumwolle und macht es möglich, Hosen und T-Shirts herzustellen, die mit dem Oeko-Tex® Standard 100, Produktklasse I zertifiziert sind. Verglichen mit den langen Wegen, die durchschnittliche Textilien während ihrer Produktion zurücklegen, macht F-ABRIC nur einen kurzen Wochenendtrip. Alle Produktionsschritte erfolgen nämlich maximal 2500 Kilometer von Zürich entfernt, in Slowenien, Italien oder Polen. Dem Schweizer ist’s daheim eben doch am liebsten.

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Einzig der Hosenknopf ist noch aus Metall. Aber Freitag wäre nicht der Vorreiter der nachhaltigen Mode, wenn dafür nicht auch noch eine Lösung gefunden worden wäre. Und so ist der F-Knopf mit einem selbstentwickelten Schraubverschluss versehen, den sich die beiden Zauberer auch gleich patentieren haben lassen. Schlussendlich beweisen auch die Designs der F-ABRIC Modelle, dass die verstaubten Klischees von grässlich-aussehender Ökomode längst veraltet sind. Im Sortiment sind T-Shirt und Longsleeve für Männer und Frauen, die Workpant, eine Mischung aus Jeans und Chino, und das Workdress, das so herrlich unkonventionell ist, wie die Marke seit jeher selbst. Die Farbpalette gibt sich zurückhaltend und sanft und verzichtet, auch aufgrund der umweltschonenden Färbung, auf grelle Töne und bleichen. Gut so, denn die Fans des Labels wissen, hier geht es nicht um Kurzzeit-Trends, sondern um lebenslange Begleiter. Minimalistisch und zeitlos, das ist es, was das Design des Labels ausmacht. Oftmals ist aber gerade dieser Minimalismus das Schwierigste, wie die Brüder selbst erklären: „Simple is hard: Es ist nicht einfach, einfach zu sein.“

Freitag wäre nicht Freitag, wenn das Label nicht auch ein F-ABRIC Taschen-Modell auf den Markt bringen würde. Der Concept Bag im Turnbeutel-Look wurde ebenfalls aus dem kompostierbarem Stoff und rezyklierten LKW-Planen, die ihr erstes Leben auf den Straßen Europas zugebracht haben gefertigt. Womit sich der Kreis auch wieder schließt. Und wenn sie nicht am Komposthaufen verrotten, dann werden sie noch immer von glücklichen Besitzern getragen.

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Alle F-ABRIC Produkte bewegen sich zwischen € 65 und € 190 und sind in ausgewählten FREITAG Stores sowie online unter www.freitag.ch erhältlich.

(click pictures for Credits: Yves Bachmann, Lukas Wassmann, Oliver Nanzig)

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