„Ich bin keine Ökotante“ – Ina Koelln lässt die Korken knallen

Dass das Naturmaterial Kork gerade voll im Trend liegt, muss ich an dieser Stelle fast nicht mehr erwähnen. Möbel, Vasen, bunte Untersetzer und die neueste Ikea-Kollektion – vorbei sind die Zeiten, in denen man Kork nur mit Pinnwänden in Teenager-Zimmern oder Weinverschlüssen in Verbindung brachte. Wohnaccessoire schön und gut aber Kork und Mode? Alles andere als verführerisch. Ein Label, das es auf jeden Fall geschafft hat, Kork in attraktiver Weise zu verwerten ist INA KOELLN. Die nachhaltigen Taschen, Rucksäcke und Beutel werden in Handarbeit in Europa gefertigt und sind robuster, als man am Anfang denken mag. Gründerin Katharina plauderte für THE BOOKSHELF aus dem Nähkästchen und erzählt über schrulliges Design, warum es logisch ist, dass sie ihr Kork-Label in Portugal gründete und wie sie dort überhaupt hin kam. Und was haben Ananas und Fischhäute damit zu tun?

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Erzähl‘ mal was über dich! Wie kamst du zu deinem Taschenlabel? Wo lässt du produzieren?
Ich kam zu meinem Taschenlabel über viele Zufälle und Umstände; so richtig geplant war es jedenfalls nicht. Nach meinem Studium in Paris an der ESMOD mit Spezialisierung in Menswear bin ich nach London gezogen um bei einem kleinen Label (BLAAK) zu arbeiten wo ich unter anderem zuständig für die technischen Zeichnungen der Taschen und Accessoires war. Nach einigem WG-Chaos habe ich meine eigene gegründet und dabei meine mittlerweile Busenfreundin (und Geschäftspartnerin in einem anderen Projekt, MARIA WURST) kennen gelernt. Francisca ist Portugiesin und hat mich sehr schnell und ganz geschickt mit Ihrem Cousin verkuppelt. Die beiden haben mich dann einfach nach Portugal verschleppt und dort bin ich noch bis heute. Der Cousin ist allerdings schon über alle Berge 😉
Ohne die Sprache zu sprechen und mit der Kriese gab es hier einfach keinen Job in meinem Feld und ich musste mich mit teilweise drei Jobs über Wasser halten. Nebenher habe ich bei Design-Wettbewerben mitgemacht, einfach um nicht aus der Übung zu kommen. Einer dieser Wettbewerbe war ein Eco-Design Wettbewerb und ich habe meine erste (selbst-geschneiderte und ziemlich bescheidene) Kork-Tasche eingeschickt… Ich habe nicht gewonnen aber Freunde und Freundes-Freunde haben angefangen bei mir zu bestellen. Da ich nicht die richtigen Maschinen hatte, habe ich mich nach Fabriken umgesehen und als ich dann eine gefunden habe um kleine Stückzahlen herzustellen habe ich langsam meine Jobs nach und nach aufgegeben um mich voll und ganz dem Label zu widmen.
Wie sah deine erste Kollektion denn aus?
Die erste Kollektion war komplett aus verschieden Korkmustern. Kork ist in Portugal ein sehr verbreitetes Material aber bislang wird es eher für Touristen als Souvenir entworfen. Wobei das Augenmerk auf dem Kork liegt aber nicht auf dem Design. Ich habe versucht eine schlichte aber moderne Linie zu entwerfen um den Taschen einen moderneren Touch zu geben. Meine Materialien kommen aus Portugal (der Kork aus dem Alentejo) und werde in einer lokalen Familienfabrik handgefertigt. Mir ist das Design eben so wichtig wie die Materialien und der Verarbeitungsprozess.

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Ich stelle mir Kork bei der Verarbeitung sehr knifflig vor, ist es das denn wirklich?
Ja, Kork ist ein kniffliges Material. Einmal was die Verarbeitung angeht aber auch wie man es einsetzt. Es ist um einiges leichter, eine schöne Ledertasche zu entwerfen als eine schöne Korktasche. Und Kork kann schnell „schrullig“ aussehen. Auf meiner Website könnt ihr euch gerne das Video zur Verarbeitung der Korkrinden ansehen. Es ist eine Jahrhunderte alte Tradition und sehr beeindruckend. Der Kork wird in hauchdünne Scheiben geschnitten und dann auf ein Backing geklebt. Die Korkrinde ist auch ein sehr nachhaltiges Material.
Wie bist du überhaupt auf dieses Material gekommen und was fasziniert dich so daran?
Ich kannte, bis ich hier in Lissabon gelandet bin, Korken nur auf der Weinflasche oder als Pinnwand. Hier habe ich dann viele „kitschige“ Souvenir Artikel von Postkarten über Regenschirme bis hin zu Taschen aus Kork gesehen und fand das Material sofort sehr interessant.
Nach ein bisschen Recherche habe ich dann herausgefunden, dass es ein sehr altes Handwerk und eine lange Tradition ist, die Korkrinden zu ernten, was mich noch neugieriger gemacht hat. Ich komme aus Freiburg einer kleinen Ökostadt im Süden Deutschlands und bin von Haus aus sehr „umweltbewusst“ aufgewachsen. Mir ist es sehr wichtig nachhaltige Materialien zu verwenden, Traditionen zu entdecken und den ganzen Verarbeitungsprozess so transparent wie möglich zu gestalten – und all das im Sinne der Slowfashion.
Mein Design ist sehr schlicht und minimalistisch, was es einfacher macht sich den großen Trends zu entziehen. Kork war also das perfekte Material zum Starten. Meine nächsten Taschen sind aus pflanzlich-gegerbtem Leder und Fischhaut – bald kommt auch noch die Ananas mit ins Spiel 😉

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Kannst du uns ein paar Pflegetipps geben?
Kork ist wasserabweisend und lässt sich ganz einfach mit einem feuchten Tuch und etwas Seife säubern. Es kann, so wie Leder, durch Hautkontakt mit der Zeit etwas abdunkeln.
Deine Taschen sehen so modern und trendy aus, durch das Material überzeugen sie aber bestimmt auch Öko-Fans – wie sieht denn der/die typische Ina-Koelln-Kunde/Kundin aus?
Der/die typische IK-Kunde/Kundin lebt mit Sicherheit einen bestimmten Lifestyle. Wer sich eine meiner Taschen leistet ist sich bewusst, dass Design, Nachhaltigkeit und Qualität einen Preis hat. Ich möchte aber auf gar keinen Fall als Ökotante abgestempelt werden. Mir geht es darum, dass mein Design nicht nur von außen überzeugt, sondern auch vom ganzen Werdegang der dahinter steht. Meine Taschen sind mehr als nur Taschen, sie sind Statements und haben eine Geschichte.
Könntest du dir auch vorstellen, Kleidung aus Kork zu machen?
Nein, ich bin momentan ganz zufrieden mit meinen Taschen und Accessoires und konzentriere mich lieber auf eine Sache.
Verkaufst du nur Online? (oder gibt es vielleicht in Österreich eine Möglichkeit, deine Taschen zu sehen?)
Wir verkaufen online und mittlerweile auch in ein paar Concept Stores in Deutschland/Schweiz/Dänemark und Portugal. Leider haben wir noch keinen Stockist in Österreich, aber wir sind auf der Suche und sind jederzeit offen für Tipps 🙂
Du lebst ja im wunderschönen Lissabon – was liebst du an dieser Stadt besonders?
Das Licht, die Sicht und den Fisch!
Was sind denn gerade die Hotspots in der Stadt?
Es gibt viele Hotspots… Die Stadt ist ständig in Bewegung daher können die sich auch sehr schnell ändern. Ich liebe die Miradouros (Aussichtspunkte) und ihre Kiosks und Feierabend Bierchen mit Sicht auf den Tejo.
What’s on your shelf?
Eine Kerze, Papierblume (gebastelt von meiner kleinen Nichte), Biografie meiner Großeltern, ABC-Russiches Brotkekse (von ALDI), SLEEK Magazin und ein Foto von meiner Sis und mir.

(Credits: Ina Koelln)

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