On the Shelf: die besten Sommerlektüren

Ähem, Sommerlektüren? Naja zugegeben, die erste Pauschalreise-Welle ist bereits vorüber und die Freibäder beginnen, die Klappliegen wieder einzuwintern. Aber noch ist nichts vorbei, noch ist Sommer – wenn auch nur in unseren Herzen. Viele von uns nutzen die letzen lauen Tage für Last-Minute-Reisen. Die Anderen entspannen und genießen die warmen Sonnenstrahlen im heimischen Garten. Wie auch immer man den Ausklang der Hitzewelle verbringt, die passende Lektüre darf nicht fehlen. Ich habe in den tiefen meines Bücherregals gekramt und die Top 5 meiner persönlichen, locker-flockigen Urlaubs-Wälzer gewählt – schöne Erinnerungen inklusive.

buch

ZWEI AN EINEM TAG

Ich bin nicht der Typ für Liebesromane und bin immer sehr skeptisch, da die meisten eher platt und vorhersehbar sind. Aber diese Geschichte ist etwas ganz besonderes. Noch nie habe ich bei einer Lovestory so mitgefiebert, noch nie haben mich zwei Charaktere so berührt. Ich kann mich noch genau erinnern, als ich damals mit dem Buch in der U-Bahn am Weg zur Arbeit saß und kurz nachdem ich eine ganz bestimmte Stelle gelesen hatte (ohne hier spoilern zu wollen) aussteigen musste und nicht mehr weiterlesen konnte. Den ganzen Vormittag musste ich an diese Wendung denken, immer am überlegen, wie es jetzt bloß weitergeht. Als ich an diesem Abend das Buch endlich wieder in die Finger bekam, las ich es in einem Stück aus. Emma und Dexter lernen sich am 15. Juli 1988 auf ihrer Abschlussfeier kennen und landen danach im Bett. Doch bevor es zu mehr kommt, merken die Beiden: Sie sind füreinander bestimmt, allerdings auf platonischer Basis. So wird aus einem Beinahe-One-Night-Stand eine Freundschaft für’s Leben. Wäre da nicht diese immerwährende Anziehung, die die beiden mal mehr, mal weniger zu verdrängen versuchen. An jedem darauffolgenden 15. Juli bekommen wir einen Einblick in das Leben der beiden, deren Wege sich immer wieder auf unterschiedlichste Art kreuzen. Sie durchleben ein Wechselspiel aus großem Erfolg und harten Niederlagen. Während einer der beiden endlich zu sich selbst findet, steht der andere vor einem Scherbenhaufen, der mal sein Leben war. Man kommt nicht umhin sich ständig zu fragen, wann die wortgewandte Emma und der chaotische Dexter endlich zueinander finden.

Es ist eine ganz besondere Geschichte über zwei Menschen, die so ehrlich und romantisch, aber niemals kitschig oder abgedroschen ist. Es endet nicht mit dem typischen „und sie lebten glücklich bis an ihr Lebensende“, was mich als Leser meistens frustriert, da ich Happy-Ends liebe (wer nicht?). Aber David Nicholls schafft es trotzdem einen mit positivem Gefühl zurück zu lassen.

Das Buch von David Nicholls ist um  € 10,30 bei Heyne erschienen.
Seitenanzahl: 544, www.randomhouse.de/heyne

ON THE ROAD

“The only people for me are the mad ones, the ones who are mad to live, mad to talk, mad to be saved, desirous of everything at the same time, the ones who never yawn or say a commonplace thing, but burn, burn, burn like fabulous yellow roman candles exploding like spiders across the stars.”

„On the Road“, oder „Unterwegs“, wie es in der deutschen Fassung heißt, porträtiert die Underground-Poeten der Beat Generation, immer unterwegs, auf Trips quer durch den amerikanischen Kontinent. Sie berauschen sich an der Natur, an Drogen, am Jazz, am Sex. Jack Kerouac erzählt in seinem autobiografischen Roman von der Suche nach dem Glück, nach Freiheit, nach der großen Liebe, nach der ultimativen Party. Das Buch mit dem gewöhnungsbedürftigen Erzählstil wurde zu einem Kultbuch der Subkultur, einem Roman, der die amerikanische Literatur nachhaltig beeinflusst und Generationen von Lesern inspiriert hat. Es ist ein Aufschrei gegen ein Leben voller Sorgen, ein Bekenntnis für echte Freundschaft und Freiheit. Ein Leben, das seinen Sinn nicht im Erfolg findet, sondern in jenen surrealen Momenten zwischen Fantasie und Realität. Es ist die Suche nach dem ultimativen „Kick“, nach einem intensiven, rauscherfüllten Dasein, das keine Zukunftsängste kennt. Kerouac tippte die erste Fassung dieses Buches übrigens im Frühjahr 1951 mit einer Schreibmaschine auf eine Papierrolle von knapp 40 Metern Länge, da das ständige Wechseln der Blätter nicht seinen Gedankenfluss unterbrechen sollte. Erst nach einer Abschrift auf normales Papier und mehreren Überarbeitungen wurde der Roman 1957 verlegt. Lesen, sich mitreißen lassen und sich danach vielleicht auch noch die Verfilmung mit Kristen Steward ansehen, die diesen Spirit sehr gut wiedergibt.

Das Buch von Jack Kerouac ist um € 15,90 bei Penguin erschienen.
Seitenanzahl: 320, www.penguin.co.uk

DER HUNDERTJÄHRIGE DER DURCH’S FENSTER STIEG UND VERSCHWAND

Dieses Buch begleitete mich vor ein paar Jahren in den Urlaub nach Dänemark. Ich saß auf dem gemütlichen Rattan-Sofa in unserem Ferien-Blockhaus, das Buch in der Hand, trank Johannisbeer-Saft und lachte. Mindestens zweimal pro Seite. Vor allem wenn man den trockenen Humor des Autors teilt, wird man es lieben. Worum es geht, sagt eigentlich schon der Titel. An seinem hundertsten Geburtstag büxt Allan Karlsson in seinen ausgelatschten Pantoffeln aus dem Altersheim aus. Was dann passiert ist eine Mischung aus Krimi, Road Movie und Komödie. In feinster Forrest-Gump-Manier trinkt, schwatzt und sprengt sich Allan durch die Geschichte und spielt dabei versehentlich die wichtigsten Rollen. Erzählt wird das ganze in einem so beiläufigen Erzählstil, als würde Opa gerade von seiner letzten Hühneraugenentfernung reden. Nur, dass dieser Senior eben so ganz nebenbei einen Atomkrieg verhindert hat. Ein lustiges, herzerwärmendes Buch mit wunderschönem Ende. Wer es noch immer nicht kennt, sollte es auf jeden Fall lesen!

Das Buch von Jonas Jonasson ist um € 10,30 bei Carl’s Books erschienen.
Seitenanzahl: 416, www.randomhouse.de/carlsbooks

DER SOMMER, IN DEM MEINE MUTTER ZUM MOND FLIEGEN WOLLTE

„Man wächst nur an den Wunden. Hatten das nicht alle behauptet, bevor ich meines Weges gezogen war? Dass ich mich selbst finden müsse? Aber das wollte ich nicht. Das Letzte, was ich finden wollte, war mich selbst. Ich wollte einen anderen finden, mit dem der Umgang einfacher war, einer, mit dem ich einer Meinung sein konnte, mit dem ich leben konnte, ohne einzugehen.“
Dieser Roman enthält definitiv einige der schönsten Sätze, die ich je gelesen habe. Große und kleine Dramen sowie das Ringen mit dem eigenen Charakter werden einfühlsam und absolut ehrlich beschrieben. Ich habe es in meinen letzten Sommerferien als Schülerin gelesen, war mir selbst nicht im Klaren, wie meine Zukunft eigentlich aussehen sollte und wo ich hin will. Daher trafen einige Überlegungen und Gedanken im Buch bei mir direkt ins Schwarze.

Der norwegische Schriftsteller Funder erzählt von seiner Kindheit, seinem magischen Sommer in Oslo und der schwierigen Zeit in der amerikanischen Kleinstadt Karmack. Dazwischen liegt ein ganzes Leben, das Funder auf der Suche nach sich selbst und dem ganz gewöhnlichen Glück verbracht hat. Er lernt, sich selbst mit anderen Augen zu sehen, Fantasie zuzulassen und seinen Weg ins Schriftstellertum zu finden. Ein berührender Roman von Lars Saaybe Christensen, der mir vor allem durch seine außergewöhnliche Sprache in Erinnerung bleiben wird.

Das Buch von Lars Saabye Christensen ist um € 22,70 bei btb erschienen.
Seiten:
464 Seiten, www.randomhouse.de/btb

MITTELGROSSES SUPERGLÜCK

Kennt ihr das Gefühl, wenn man wie durch Zufall ein Buch findet, dass genau zur momentanen Lebenssituation passt? „Mittelgroßes Superglück“ (wieder einmal ein Beispiel für unpassend gewählte deutsche Titel) fiel mir zu einer Phase in die Hände, in der ich mir viel zu viele Sorgen machte. Sorgen darüber, was andere Leute von mir denken, über falsche Sichtweisen und ungerechte Behandlungen. Wieso immer den Anderen alles recht machen und die eigenen Bedürfnisse hinten anstellen? Man hat nur dieses eine Leben und Unvorhergesehenes kann jederzeit passieren. Und genau so etwas passiert Hausfrau und Mutter Stella Sweeney, die ein mehr als durchschnittliches Leben in Irland führt. Sie erträgt die wechselhaften Launen ihrer beiden Kinder, die abwertenden Kommentare ihrer Familie, die Untätigkeit ihres Mannes und die halbwegs-ausfüllende Arbeit im Kosmetiksalon. Warum übertriebene Ziele und Träume haben, wenn man selbst bloß dem Durchschnitt entspricht. Eines Tages bemerkt sie ein unscheinbares Kribbeln in ihren Gliedmaßen. Ein Kitzeln, das meistens Nachts auftaucht und das sie sogar ganz angenehm findet. Wie aus dem nichts entwickelt es sich bald darauf zu einem Gefühl der extremen Kraftlosigkeit, gefolgt von einem Zusammenbruch. Im Krankenhaus am Beatmungsgerät hängend erhält sie dann die Diagnose: eine seltene Krankheit hat ihr Nervensystem fast komplett ausgeschaltet. Bis auf ihre Augenlider gelähmt wird Stella zur Gefangenen im eigenen Körper. Und ihre Familie? Die sehen sich selbst als Opfer und geben Stella die Schuld an ihrer Lage. Nur durch Blinzel-Codes versucht sie sich zu verständigen und kämpft tapfer für ihre Genesung, um bald wieder in ihr geregeltes Leben zurückkehren zu können. So viel sei vorweggenommen: Stella wird wieder gesund, und das bereits im ersten Drittel des Buchs. Denn nur wenig später ist die zurückhaltende Mutter plötzlich eine glücklich verliebte Berühmtheit und hat eine Neiderin, die ihr das Leben und die neue große Liebe stehlen will. Klingt nach sehr viel Stoff für ein einziges Buch oder? Ist es auch. Die Autorin erzählt aber in so locker-leichtem Stil, dass nie Langeweile aufkommt.

Es gibt so viele Momente, in denen man Stella als Leser einfach nur anschreien will. „Kapier doch endlich, dass du sowas nicht nötig hast! Lass dir so eine Behandlung doch nicht gefallen, wehr‘ dich!“. Bis man feststellt, dass man selbst auch nicht den Mut zu solchen Taten hätte. Es ist einfach diese Art Roman, den man Abends auf dem Balkon liest, während man ein eisgekühltes Glas Eistee in der Hand hält und die abendlichen Sonnenstrahlen auf der Nase kitzeln. Muss ich noch mehr sagen?

Das Buch von Marian Keyes ist um € 15,50 bei Heyne erschienen.
Seitenanzahl: 608, www.randomhouse.de/heyne

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