Travelguide: London

Kennt ihr das Phänomen, durch einen bestimmten Geruch oder Geschmack plötzlich an einen anderen Ort versetzt zu werden? Bei mir passiert das immer bei einer Tasse schwarzen Tee mit Milch. Immer, wenn mir das nussige Aroma in die Nase steigt und ich die warme Tasse mit dem trüben Inhalt in den Händen halte, bin ich gedanklich wieder in London. Es ist nicht mal ein bestimmter Ort, sondern ein Potpourri aus Szenarien, das mir dann durch den Kopf schießt. Das Gewusel in der Underground, die roten Busse am Picadilly Circus, die leichte Brise an der Themse, Dumblings essen in China Town. „Mind the Gap.“ Dreimal war ich nun schon in dieser tollen Stadt und habe noch lange nicht genug, denn eine Reise nach London fühlt sich immer an, als würde man einen sehr guten Freund endlich wiedersehen. Grund genug, um dieser Stadt den ersten Beitrag meiner Reise-Kategorie zu widmen!

IMG_4159

IMG_4145

Die Stadt


Spätestens wenn man von einem der Flughäfen in die Stadt fährt, merkt man: London ist riesig. Es gibt so viele Stadtteile, die alle auf so unterschiedliche Weise großartig sind. Selbst wenn man, so wie ich, den typischen Touristen-Kram nicht macht, entdeckt man bei jedem Besuch wieder unzählige neue Plätze. Man könnte hier wohl einen ganzen Tag damit verbringen, irgendwo in der Schlange zu stehen: für eine Fahrt im London Eye, für den Eintritt in den Tower, für Tickets für den London Dungeon.. Wer sich nicht unbedingt vor den Kronjuwelen fotografieren möchte, erlebt bei einem Spaziergang entlang der Themse viel mehr! Oder man fährt nach Covent Garden, lauscht den Straßenmusikern, stöbert in den kleinen Läden rund um die große Markthalle und trinkt Cider im Freien.

IMG_4182 IMG_4188

IMG_4220 IMG_4232

First Steps


Ich bin kein Freund von Billig-Flugunternehmen, aber wenn es nach London geht, dann meistens spontan. Deshalb kann ich bisher nur gutes über Ryanair berichten. Wer die Möglichkeit hat, von Linz oder Salzburg wegzufliegen, gelangt in angenehmer Flugzeit nach London Stansted. Aber Achtung beim Kleingedruckten, oft werden versteckte Zusatzkosten eingebaut, die man nur weg klicken muss.
Eine der günstigsten Varianten vom Flughafen in die Stadt zu kommen ist der Shuttledienst Easy Bus, der nur zu gewissen Zeiten abfährt und verrückterweise eine sehr begrenzte Anzahl von Passagieren mitnehmen kann. Empfehlenswerter und weitaus komfortabler ist da der National Express, der nur ein bisschen teurer, dafür umso unkomplizierter ist.
Man sollte es vermeiden, am Flughafen sein Geld in Pfund zu tauschen – der Wechselkurs wird dort immer als der günstigste angepriesen, ist aber meistens sehr schlecht. Besser ist es, mit seiner Kredit- oder Bankomatkarte in den Banken gleich Pfund abzuheben, so verliert man am wenigsten.

Budget


Eines ist klar und kein Geheimnis: London gehört zu den teuersten Städten Europas. Nicht unbedingt was das Shoppen angeht, aber bestimmt das Wohnen, Essen und U-Bahn-fahren. Bei meinem ersten Aufenthalt – damals noch Schülerin – habe ich so viel Zeit und Mühe darauf verwendet, möglichst günstige Alternativen für Mittag-und Abendessen zu finden, dass mir heute noch um die Zeit Leid ist. Auch das günstige 3-Sterne-Hotel in gar nicht so schlechter Lage entpuppte sich als Kämmerchen mit dürftigem Bett und Fenster, das sich nicht ganz schließen ließ (im Winter). Deshalb mein Tipp, auch wenn es blöd klingt: ein bisschen sparen und mehr für Verpflegung und Unterkunft einkalkulieren, damit der Urlaub wirklich perfekt wird.
Wirklich toll ist aber, dass die meisten Museen freien Eintritt bieten. Einen Besuch im British Museum, der National Gallery, dem Natural History Museum, der Tate Modern/Britain oder dem Victoria & Albert Museum sollte man daher auf jeden Fall einplanen!

Unterwegs


Auch von A nach B zu kommen ist nicht gerade preiswert. Wer das volle Programm inklusive aller Attraktionen durchziehen möchte, für den eignen sich die sogenannten Travel Cards mit vielen Vergünstigungen durchaus. Wem es hauptsächlich um die Fortbewegung geht, der besorgt sich am besten eine Oyster Card, die auch die meisten Londoner nutzen. Eine gute Übersicht über alle Angebote findet man HIER.

IMG_4346

IMG_4340

Wohnen


Wie oben schon erwähnt, hatte ich auch bereits weniger gute Erfahrungen in Sachen Unterkunft. Es gibt sie wahrscheinlich wirklich irgendwo, die günstigen Hotels mit guter Lage, ohne muffigen Geruch, in denen man im Winter nicht fast erfriert – ich habe aber bislang noch keines gefunden. Mein zweiter Aufenthalt in der Stadt war ein viertägiger Pärchenurlaub zu viert, weshalb wir beschlossen, statt eines Hotels ein Airbnb Apartment zu beziehen. Wir hatten uns schnell für DIESES APARTMENT entschieden und es nicht bereut! Es war hell, geräumig, sehr sauber, nett eingerichtet und mit € 45,- pro Nacht und Person extrem günstig für London. In der kleinen Küche hat man alles, was man braucht, um sich Frühstück oder Lunchpakete selbst zu machen (ein riesiger Salisbury ist gleich um die Ecke). Die Besitzer nahmen sich sogar ein bisschen Zeit, um uns die Gegend zu erklären und die besten Pubs und Restaurants zu empfehlen. Einzig die Gegend war nicht so „absolutely upcoming and super cool“, wie uns der Host einreden wollte. Die Wohnung liegt direkt zwischen der Underground Station „Whitechapel“ und einigen zentralen Busstationen und

Der Blick aus dem Fenster unseres Zimmers im Motel One.

zur Tower Bridge könnte man sogar zu Fuß gehen – aber abends alleine in dieser Gegend spazieren zu gehen, würde ich mich nicht trauen. Am Samstag war es nachts durch Autolärm und Randale doch sehr laut und gleich am ersten Tag wurden wir von einer zwielichtigen Gestalt gefragt, ob wir ihm ein paar Drogen abkaufen wollen. Aber Hey, auch das könnte man unter Gastfreundlichkeit verbuchen und die Miete war wie gesagt ein Schnäppchen. Begeistert war ich allerdings von meinem letzten Aufenthalt im gerade-eröffneten Motel One, das in der Straße Minories 24-26 und damit gleich neben der Tower Bridge liegt. Den typisch-englischen Charme versprüht es zwar nicht, es wird dafür aber Wert auf hochwertiges Design und Funktionalität gelegt. Das Zimmer ist sehr klein aber wunderschön eingerichtet und mehr als ein gemütliches Bett und ein sauberes Bad mit Dusche braucht man nicht. Auch das Frühstück war sehr umfangreich und bot alles, was man sich wünschte. Ich erinnere mich so gern an die Morgen, als mein Freund und ich wunderbar ausgeruht am Fenster saßen und frühstückten, mit Blick auf die Pubs nebenan und unseren Tag planten. Der Preis ist kein Schnäppchen, wenn man die perfekte Lage und den guten Schlaf bedenkt, ist es das aber durchaus wert. Man zahlt umgerechnet rund € 130,- pro Nacht, weiß dafür aber genau, was man bekommt: gemütliches Ambiente, saubere Zimmer und ein Stück Unbeschwertheit.

MO London-Tower Hill_lounge MO London-Tower Hill_lounge2

Essen


Pubs. Es geht nichts über einen kühlen Cider und hausgemachten Pie in einem gemütlichen Pub. Die erste Lektion, die ich gelernt habe: Will man einen Platz finden, sollte man die üblichen Essenszeiten meiden. Um 12 Uhr mittags und 18 Uhr abends sind die meisten Lokale nämlich brechend voll. Für einen gesunden Snack zwischendurch eignet sich Pret-a-Manger perfekt, die frische Salate, Wraps und Co. anbieten. Man findet an jeder Ecke eine Filiale, oft auch mit Sitzmöglichkeiten. Natürlich gibt es überall neIMG_9489tte Restaurants, die man jetzt alle einzeln nennen könnte (wie das Mary Janes in der Nähe der Tower Bridge oder das Poppies in Camden Town). Aber für mich geht nichts über einen Streifzug durch einen der vielen Streetfood Markets. Der Markt rund um Camden Lock (U Camden Town) verbindet Essen, Shopping, Flohmarkt und manchmal auch Musikfestival. Hier sind definitiv die coolen Kids beheimatet, was man auch an den angebotenen Gerichten merkt. Vegane Currys, Burger mit Shrimps und Roquefort und undefinierbare, vietnamesische Gerichte in Bechern serviert. Ich liebe diesen Ort. Am Borough Market (U Southwark) kann man jeden Mittwoch und Samstag ausgedehnt mittagessen. Man setzt sich mit einem Superfood-Wrap in einen der kleinen Gastgärten, kostet einen Limetten-Kiwi-Cider oder spaziert mit seinem Pie-To-Go weiter die Themse entlang. Ein toller Ort um seinen Sonntag zu verbringen ist natürlich auch die Gegend um die Brick Lane (U Aldgate East). An jeder Ecke duftet es hier köstlich nach Thai Curry, Pizza, Sausages oder Donuts. Wem die Auswahl zu schwer fällt, der kann sich auch erst mal durchkosten (wozu man von den Köchen fast schon gedrängt wird). Ich habe mich hier durch alle möglichen Länder gegessen, Vintage Boutiquen durchstöbert und mir einen Cashmere-Kimono bei einem jungen Designer aus Irland gekauft – das ist wohl, was man unter Diversity versteht. Die genauen Event-Termine und weitere Informationen findet man unter www.bricklanemarket.com.

IMG_4281

IMG_4282

Must See


„Es war schön, Sie kennen zu lernen. Surreal, aber schön.“ Als ich Hugh Grant das erste Mal melancholisch durch die Straßen von Notting Hill wandern sah, vorbei an bunten Häuschen und versteckten Parks, wurde der gleichnamige Film zu einen meiner Lieblinge und der Stadtteil (U Notting Hill Gate) ein Fixpunkt bei jeder Reise. Auch wenn diese Gegend vor allem am Freitag und Samstag sehr überlaufen ist, sollte man den Floh- und Antiquitätenmarkt entlang der Portobello Road nicht verpassen. Zwei Dinge zahlen sich dabei auf jeden Fall aus: früh aufstehen und feilschen was das Zeug hält. Und nein, den kleinen Buchladen mit der blauen Tür, in dem Hugh Grant im Film arbeitet, gibt es in Wirklichkeit leider nicht. Hab ihn gesucht, war enttäuscht.

IMG_4255IMG_4257

IMG_4249  IMG_4261

Der beste Ort..

..für Fotos: Der Sky Garden (U Monument) bietet viel besseren Ausblick als das London Eye.
..für Fachliteratur und Bücher im Allgemeinen: Die Museumsshops in der Tate Modern.
..für Romantik: Abends über die Millennium Bridge zur St.Paul’s Cathedral schlendern.
..für Kindheitserinnerungen: Das Musical The Lion King im Lyceum Theater – Gänsehaut und Tränen in den Augen!
..für etwas Ruhe und Entspannung: Eichhörnchen füttern im St James’s Park (U Charing Cross oder Green Park)
..um in eine andere Welt zu tauchen: Ein Schaufensterbummel durch China Town (U Leicester Square oder Piccadilly Circus).

IMG_4361

IMG_4364

Happy Place


Es mag viele einzigartige Plätze in London geben, aber der mit Abstand verrückteste Ort, den man ganz umsonst erleben kann liegt nur einige Schritte von der Einkaufsmeile Oxford Street entfernt. Der Spielzeugladen Hamleys in der Regent Street ist nicht schwer zu finden. Schon von weitem hört man lachende Kinder und sieht auch Erwachsene mit einem breiten Lächeln den Laden verlassen, vor dem auch schon mal ein spontanes Geburtstags-Ständchen inklusive Tanzeinlage gesungen wird. Hier Verkäufer zu sein, muss zu den besten Jobs der Welt zählen. Denn auf jeden der unzähligen Stockwerke des riesigen Gebäudes werden Zaubertricks vorgeführt, Gesichter bemalt, Autos an der Decke gefahren oder Modellflugzeug-Rennen ausgetragen. Mal regnet es Seifenblasen, mal duftet es nach Zuckerwatte und sehr oft fährt ein Spielzeug plötzlich Slalom durch deine Beine. Wem so ein Trubel zu viel ist, sollte besser in eine der ruhigeren, nicht minder charmanten Seitengassen abbiegen. Wer sich aber wieder mal wie ein Kind im Schlaraffenland fühlen und sich für eine kurze Zeit dem kompletten Wahnsinn hingeben möchte, der amüsiert sich hier bestimmt köstlich, auch ohne etwas zu kaufen.

Shopping


Beim Wort Shopping gehen den meisten wohl Namen wie Topshop, Primark und Victoria’s Secrets durch den Kopf. Und ja, ich gebe es zu, an der Oxford Street komme ich auch nur selten vorbei. Aber wer schon mal dort ist, sollte einen Abstecher in die benachbarte Regent Street machen, wo sich das Kaufhaus Liberty befindet. Schon allein das Gebäude im Tudor-Stil lässt mich jedes Mal einige Sekunden bewundernd davor stehen. Hier kann man ausgewählte Designer-Marken, Kosmetik und sehr schöne Mitbringsel erstehen. Danach biegt man am besten gleich ab und schlendert durch die bunte Carnaby Street, wo man Labels wie Eleven Paris und The Kooples findet, aber auch kleine Labels mit originellen Sortiment. Von Zeit zu Zeit finden auch Sample Sales bekannter britischer Marken statt, die man sich HIER schon mal vormerken kann.
Kein Insider-Tipp aber ein wahres Must-See ist das Kaufhaus Harrods (U Knightsbridge). Hier kaufe ich meistens meinen Vorrat an Tee ein, man kann aber auch Stunden in der umfangreichen Designer-Abteilung verbringen, oder sich im „Shoe Heaven“ im obersten Stockwerk verlieren. Sehenswert sind auch die Food Halls im Jugendstil auf den unteren Etagen – die sollte man aber besser nie hungrig besichtigen. Auch allerhand Kurioses ist hier zu finden, allen voran der „Innocent Victims“ Gedächtnisbrunnen, der dem verstorbenen Paar Lady Diana und Dodi Fayed – Sohn des Inhabers – gewidmet wurde.
Das Motto des Kaufhauses prangt auch heute noch auf dessen Fassade: Omnia, Omnibus, Ubique. Übersetzt heißt das „Alles, für jeden, überall.“ und trifft damit genauso gut auf die Stadt selbst zu.

IMG_4236

UPNEXT: die besten Reiseführer für London!

( Credits: all photos are property of the author, exception: Motel One [2] )

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s