Warum Zuckerverzicht auch glücklich macht

Mit meiner Haut stehe ich schon seit der Pubertät auf Kriegsfuß. Vor allem im Gesicht spielte sie seitdem verrückt. Von fettig über leicht pickelig über schwere Akne war bereits alles dabei. Letzteres hat glücklicherweise keine seelischen Narben zurückgelassen, sondern „nur“ ein paar kleine, äußerliche. Ihr könnt euch also vorstellen, dass ich in Sachen Hautpflege schon alles durch habe. Von Clerasil (lasst die Finger davon!) über superteure Luxuscremes aus der Apotheke bis hin zu extrem aggressiven Tinkturen, die mir die Haut wortwörtlich vom Gesicht geätzt haben. Ich sah meine Haut seitdem immer als Problemhaut, trotz meiner peniblen Pflege. Zu trocken, zu fettig, zu schuppig, zu viel Mitesser und Pickel. Doch in den letzten 2 Jahren realisierte ich plötzlich: Meine Haut ist schöner als je zuvor und macht so gut wie keine Probleme. Und wisst ihr was der Schlüssel dazu war? Schlicht und einfach die richtige, gesunde Ernährung.

Ein unerwarteter Spaziergang im Schloss Laxenburg

Beim Thema Freizeit habe ich immer schon dazu tendiert, alles bis ins kleinste Detail zu (ver)planen. Partys, Treffen mit Freunden, Ausflüge. Ich weiß am liebsten schon im Voraus wo es hingeht, wie lange es dauern und wie der Tagesablauf sein wird – Hauptsache es passiert nicht allzu viel Unvorhergesehenes. Wäre ich Bilbo Beutlin gewesen, hätte die Herr der Ringe-Saga ganz anders ausgesehen.
Dabei muss sogar ich zugeben: die schönsten Dinge entstehen meist aus Spontanität.

Als wir letzten Monat gerade auf dem Heimweg von einem Burgenland-Kurztrip waren, war ich glücklicherweise offen für etwas Ungeplantes. Na gut, mein Freund hatte mich klugerweise mit der Versprechung geködert, gleich das beste Eis meines Lebens zu essen. Der kleine Ort Laxenburg liegt ungefähr 25 km vom Stadtzentrum Wiens entfernt und der Weg dorthin wird gesäumt durch ein eher uncharmantes Industriegebiet. Auch besagter Eissalon ist von außen eher unscheinbar, man darf sich aber wie so oft von Äußerlichkeiten nicht täuschen lassen. Das Schokomousse-Eis zählte tatsächlich zu den besten Eissorten, die ich je gegessen habe. Wegen des perfekten Wetters beschlossen wir, ein bisschen durch die Gärten des Schloss Laxenburg zu spazieren, das gleich um die Ecke lag. Und so kam es, dass wir durch die Schlosstore direkt in ein grünes Narnia stolperten, inmitten dieses unscheinbaren Industriegebietes.

 

 

 

Der riesige Park erstreckt sich auf gut 250 Hektar und birgt dichte Wälder, Wiesen, Spazierwege, Teiche, zwei Schlösser sowie einige pittoreske Pavillons, auf denen scheinbar jederzeit Dick van Dyke mit vier Pinguin-Kellnern durch die Gegend steppen könnte. Tatsächlich hätte ich in diesem Augenblick gerne das weiße Kleid mit passendem Hut aus dem 1964er Mary Poppins Film getragen, Picknickkorb in der einen, Spitzenschirm in der anderen Hand. Wir spazierten vorbei am mittelalterlichen Alten Schloss, durch den wunderschön-barocken Blauen Hof hindurch und obwohl es Samstag-Vormittag war, begegneten wir lange keiner Menschenseele. Gerade waren wir noch umringt von urbanem Straßenlärm und plötzlich war das einzige, was uns umgab das Blätterrauschen hoch oben in den lichtdurchlöcherten Wipfeln der Bäume. Die Gerüche wechselten zwischen süßem Blütenduft, warmen Heu und dem typischen, schweren Geruch von Waldboden und Moos. Es war so idyllisch und ruhig, das unser Dasein nicht einmal die Hirschkuh mit ihrem Kitz störte, die keine 10 Meter entfernt von uns friedlich grasten. Einzig das Klicken meiner Kamera schreckte die beiden auf und sie hüpften wieder ins dichte Gebüsch.

 

 

 

Ein Blatt aus sommerlichen Tagen,
ich nahm es so im Wandern mit,
auf daß es einst mir möge sagen,
wie laut die Nachtigall geschlagen,
wie grün der Wald, den ich durchschritt.

Theodor Storm (1817 – 1888)

 

Laxenburg Schloss

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Ich weiß gar nicht genau, wie lange wir unterwegs waren. Keiner von uns schaute auf die Uhr, die Zeit hatten wir sowieso am Eingang abgegeben. Kleine Statuen erinnerten immer wieder an die Anwesenheit der Habsburger, lange Zeit bevor das Areal für die Öffentlichkeit zugänglich gemacht wurde. Kaiser Franz Joseph genoss hier mit seiner Sissi den ersten Aufenthalt nach ihrer Vermählung und man kann sich fast vorstellen, wie die beiden in einem der Ruderboote im See rund um die wunderschöne Franzensburg schipperten. Heute kann das dank Bootsverleih jeder machen. Oder man sucht sich einen ruhigen Platz im Schatten eines alten Baumes und gibt sich seinen Tagträumen hin. Wir hatten uns an jenem Tag für zweiteres entschieden.

 

 

 

Schloss Laxenburg

 

In den warmen Monaten finden hier übrigens eine Menge kultureller Events wie Freilufttheater oder das Outdoor-Sommerkino mit aktuellen Filmen statt. Eigentlich Grund  genug, um aus der Stadt zu flüchten, Straßen- mit Blätterrauschen zu tauschen und sich für ein paar Stunden im Grünen zu verlieren, oder?

 

 

 

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Erste Schritte für ein grüneres Badezimmer – Teil 1

Wenn ihr an einen Ort der Entspannung in eurer Wohnung/eurem Haus denkt, welcher Raum wäre es? Die Couch im Wohnzimmer vielleicht? Der Balkon? Viele denken dabei bestimmt auch gleich ans Schlafzimmer. Bei mir wäre dieser Raum definitiv das Badezimmer. Es ist der Ort, an dem ich in stressigen Zeiten Entspannung finde und mir etwas Gutes tue. Ein Bad nehmen, Duftkerzen anzünden und ein Buch lesen. Mir ein bisschen mehr Zeit für Körperpflege, Gesichtsmasken oder eine Pediküre nehmen. Ja, ich finde sogar das Wäschewaschen entspannend und tue es ziemlich gern. Eine Tatsache, die mein Freund nie erfahren darf übrigens. Im Gegensatz zu Männern, die meist nur ein All-in-one-Produkt für Körper, Gesicht, Haare, Autowäsche und was-weiß-ich-noch-alles neben der Dusche stehen haben, tendieren Frauen dazu, hunderte von Produkten im Schränkchen zu horten. Ich war da keine Ausnahme, was mich bis vor kurzem ja auch nicht störte.

Meine große Ausmist-Aktion Anfang des Jahres machte natürlich auch nicht vorm Badezimmer Halt. Da merkte ich erst, wie viel Tuben, Flaschen und Tiegel sich angesammelt hatten und ich begann mich das erste Mal ein bisschen damit zu beschäftigen, was ich mir da eigentlich Tag für Tag auf den Körper schmierte. Das Ergebnis war ziemlich ernüchternd und zugegebenermaßen ein wenig schockierend. Denn es ist erstaunlich, wie viel Chemie sich in so einem kleinen Raum ansammelt und ihn durchs Abwasser wieder verlässt.

Seitdem habe ich das meiste aufgebraucht und durch natürliche Alternativen ersetzt, dadurch viel (sehr viel!) Geld gespart und mein Badezimmer in eine kleine grüne Oase verwandelt. Was ich dabei gelernt habe und welche Tipps ich unbedingt weiterempfehlen kann, erfahrt ihr hier ausführlich. Viel Spaß!

 

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Wissen, womit man es zu tun hat

Als erstes heißt es: Überblick verschaffen. Ladet euch Apps wie zB „CodeCheck“ auf’s Handy und schaut euch genauer an, welche Inhaltsstoffe in euren Beautyprodukten stecken, ihr werdet euch wundern. Auch wenn da oft Dinge stehen wie „steht unter Verdacht“ oder „kann eventuell“ – das Gefühl sich mit Inhaltsstoffen zu umgeben, deren Langzeitwirkung noch nicht genügend erforscht wurde, ist nicht schön. Auch Dinge wie billiges Palmöl oder Mikroplastik können so aufgedeckt werden. Natürlich braucht es viele chemische Substanzen um ein Produkt praktisch und angenehm auftragbar zu machen oder so lange wie möglich haltbar. Moderne Naturkosmetik erreicht das aber auch bereits mit unbedenklichen Substanzen und kann dabei preislich mit konventionellen Produkten mithalten. Ihr seht, es gibt eigentlich keine Ausreden mehr.

Natürlich bringt es nichts, jetzt ins Badezimmer zu laufen und alles was nicht 100% natürlich ist sofort in den Müll zu schmeißen. Man kann sich aber gut überlegen, was man kauft, wenn das alte Produkt einmal aufgebraucht ist. Noch dazu wo es heute mehr tolle Marken denn je gibt, manche davon gleich um die Ecke.
Und wenn man schon dabei ist, sein Badezimmerschränkchen in eine natürliche Oase zu verwandeln, warum nicht auch gleich darauf achten, das weder Mensch noch Tier bei der Herstellung Schaden zugefügt wurde? Mit der App „Kosmetik ohne Tierversuche“ könnt ihr nachprüfen, welche Marken Tierversuche unterstützen und auch diese in Zukunft meiden.

 

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Ein wichtiger Schritt ist es, sich Gedanken darüber zu machen, wie viel Müll unsere täglichen Schönheitsrituale hinterlassen. Schon nach kurzem Überlegen werdet ihr feststellen: es ist ganz schön viel. Wattepads, Zahnseide oder Kosmetiktücher sind Dinge, die wir einmal benutzen und dann entsorgen, dabei können gerade sie ganz leicht ersetzt werden. Für jedes dieser Dinge gibt es bereits nachhaltige Alternativen, die man online bestellen kann. Früher habe ich jeden Tag in Chemie getränkte Wattepads zum Abschminken verwendet. Vor einiger Zeit bin ich dann auf Kosmetiktücher aus saugfähiger Mikrofaser umgestiegen, die nicht allzu teuer sind, sich hygienisch Waschen lassen und das Make-Up wirklich gründlich aus den Poren holt. Ich war erstaunt, wie gut das in Zusammenspiel mit einem Make-Up-Entferner aus natürlichen Inhaltsstoffen funktioniert. So komme ich mindestens ein halbes Jahr aus, ohne unnötigen Müll zu produzieren. Der Make-Up-Entferner von bi good ist beispielsweise sehr ergiebig und günstig. Man kann die Tücher leicht zerschneiden, wenn man mehrere kleine haben möchte oder man näht sich einfach selbst welche aus einem alten Handtuch oder T-Shirt.

 

Glatte Haut und Kaffeeduft

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Gibt es etwas besseres, als morgens verschlafen in die Dusche zu steigen und in einer Wolke aus Kaffee- und Kokosduft zu baden? Für mich zählt ein Peeling mit Kaffeesatz und Kokosöl definitiv zu den Muntermachern Nummer eins. Das Koffein und der Peelingeffekt sorgen für gute Durchblutung, der Duft macht wach und das Eincremen danach fällt durch das Öl auch weg. Konventionelle Peelings sind sowieso das erste, was man aus dem Badezimmer verbannen sollte. Es gibt absolut keinen Grund, sich eine Plastiktube voll kleiner Kunststoffteilchen zu kaufen, die schlussendlich ins Grundwasser, Meer oder in die Organismen von Meerestieren geraten. Vor allem nicht, wenn herkömmlicher Zucker, Salz oder Kaffeesatz das gleiche können. Einfach mit ein paar Tropfen ätherischen Ölen mischen und fertig. Achtung: solltet ihr Probleme mit alten Abflüssen haben, dann lieber auf den Kaffeesatz verzichten. Der lagert sich nämlich gerne ab, wenn bereits Verstopfungen bestehen und macht damit alles nur schlimmer.

Wichtiger Tipp am Rande: Peelings mit Salz eignen sich nicht sonderlich gut nach der Beinrasur, außer man wollte immer schon wissen, wie es sich anfühlt in einen Ameisenhaufen zu steigen.

 

Ein Hoch auf die Seife

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Früher fand ich Seifen einfach nur öde. Für mich waren das unpraktische Dinger, die komischerweise immer in Omas Kleiderschrank rumlagen. Im letzten Jahr aber entwickelte ich eine richtige Obsession für schöne Seifen. Warum? Aus folgenden guten Gründen:

  • Dass herkömmliche Duschgels aus synthetischen Inhaltsstoffen bestehen, die der Umwelt schaden und sonst auch nicht sehr cool sind, sollte mittlerweile genügend bewiesen sein. Die tollen tropischen Düfte sind immer künstlich, billige Inhaltsstoffe können die Haut austrocknen anstatt sie zu pflegen und viele der Plastikflaschen sind nicht recycelbar. Natürliche Seifen dagegen pflegen die Haut, duften von Natur aus herrlich und kommen meistens in einer Papierverpackung daher.
  • Moderne Seifen sind bereits viel sanfter in der Zusammensetzung, sodass man sie auch für’s Gesicht verwenden kann. Sie ersetzt daher gleich zwei Produkte. Genau genommen sogar drei, denn die Daseinsberechtigung von Rasierschaum für Frauen hat sich mir noch nie erschlossen. Ich benutze beispielsweise gerade die Gesichtsseife von Binu, die meiner Haut ziemlich gut tut.
  • Sie sind sehr ergiebig, günstig und es gibt regional-erzeugte auf jedem Bauernmarkt um die Ecke, was den ökologischen Fußabdruck weiter verkleinert.
  • Seifen sind nicht unhygienischer als herkömmliche Duschgels in Plastikflaschen. Aufbewahrt in einem Seifenschälchen haben Bakterien gar keine Chance zu entstehen, zumal man die Seife ja mindestens zweimal am Tag benutzt. Manche kommen auch schon mit einer Kordel zum Aufhängen oder mit Jutesäckchen, was das Aufschäumen auch gleich erleichtert.
  • Schöne Seifen sind das perfekte Geschenk oder ein nützliches Mitbringsel aus dem Urlaub.
  • Und all die Jahre hatte meine Oma Recht: Sie im Kleiderschrank aufzubewahren ist das beste was man machen kann für natürlich duftende Wäsche!

 

Auf`s Bauchgefühl hören

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Zahnpflege ist das aktuellste Thema mit dem ich mich beschäftigt habe. Vom Müll-Faktor ist es ganz klar: Zahnbürsten und –Pasten bestehen immer aus mehreren Kunststoffen und können somit nicht recycelt werden, also liegt es nahe, sie so schnell wie möglich zu ersetzen. Eine Bambuszahnbüste kostet nur minimal mehr (für ungefähr 4-5 Zahnbürsten im Jahr ergibt das in Summe € 8 mehr als sonst, ein lächerlich kleiner Mehraufwand) und kann einfach auf den Kompost, nachdem man die Borsten entfernt hat. Das Thema Zahnpasta wirft allerdings so viel mehr Fragen auf, als ich angenommen hatte.

Verpackungsarmen Ersatz für die konventionelle Plastiktube gibt es bereits zuhauf – von Tabletten zum Zerkauen (für mich eine etwas unbequeme Vorstellung) über fertige Zahnpulver bis hin zu DIY-Rezepten ist alles dabei. So richtig sicher, ob diese natürlichen Inhaltsstoffe meine Zähne auch zu 100% gesund halten, war ich mir allerdings nicht, also habe ich bei meiner Zahnärztin nachgehakt. Es stellte sich heraus, dass es auch für sie kein einfaches Thema ist. Fakt ist nämlich, dass das Mineral Fluorid, das in konventionellen Zahnpasten enthalten ist, gleichzeitig gut und schlecht ist. Einerseits ist nicht einwandfrei belegt, dass es ungefährlich für den Organismus ist, andererseits ist es aber unersetzlich wenn es um gesunden Zahnschmelz und Schutz gegen Karies geht. Selbstgemachte Zahnpulver mit Natron, Kokosöl etc. haben viele Vorteile: Man spart Plastikmüll, spart Geld und spült nicht noch mehr chemische Substanzen oder gar Mikroplastik den Abfluss runter. Leider werden sie den Zahnschmelz nie so vor Säure und Karies schützen können wie Fluorid. Das lagert sich nämlich in den Zahnschmelz ein, härtet ihn künstlich und macht ihn so weniger anfällig für Säureangriffe. Googelt man aber die gesundheitliche Auswirkung stößt man auf eine unglaubliche Menge an Artikeln mit den unterschiedlichsten Aussagen. Für die einen ist Fluorid unverzichtbar, für die anderen ist es der Tod. Bei all der Dramaturgie sollte man also einfach auf sein eigenes Bauchgefühl hören.

Ich werde den Rat meiner Zahnärztin beherzigen und zusätzlich zum natürlichen Zahnpulver hin und wieder mit konventioneller fluoridhaltiger Paste putzen, da ich leider nicht mit einwandfreiem Zahnschmelz gesegnet bin. Verpackung und Chemikalien spare ich so immerhin auch ein bisschen ein.

 

Weniger ist mehr

Ein platter Spruch, oder? Für mich ist er im letzten Jahr aber zu einer Lebensphilosophie geworden. Mir ist erst klargeworden, wie viele unnötige Produkte ich in meinem Badezimmerschrank stehen habe, wo es doch ein paar hochwertige Allroundprodukte auch tun würden. Ich habe mir immer eingebildet, dass ich teure Seren und Gesichtsöle für schöne Haut brauchen würde, weil uns die Werbung das heutzutage weismacht. Jetzt wo ich all meine super-kostspieligen Produkte weglasse und nur ein paar natürliche verwende, hat sich meine Haut auch nicht zum Schlechten geändert. Eher im Gegenteil, denn nun schwankt sie nicht ständig zwischen trocken und fettig.

Gereinigt wird mit Seife, gepflegt mit zwei Cremes der Naturkosmetikmarke Styx, die in meiner Heimat erzeugt wird. Zudem haben Kokos- und Mandelöl bereits einige konventionelle Produkte ersetzt:

  • Hochwertiges Mandelöl eignet sich gut als reichhaltige Hautpflege, vor allem abends und wird am besten sparsam und sanft in das gereinigte und feuchte Gesicht einmassiert.
  • Da Kokosöl dazu neigt, Poren eher zu verstopfen, würde ich es nur für den Körper einsetzen. Bei rissiger Nagelhaut, rauen Ellbogen oder nach der Mani- und Pediküre beispielsweise.
  • Beide Öle sowie gutes Avocadoöl kann man sparsam auch gut als Haaröl für trockene Spitzen einsetzen.
  • Ein wenig Öl auf einem feuchten Tuch kann wasserfestes Make-Up entfernen.
  • Zuguterletzt benutze ich Kokosöl regelmäßig zum Ölziehen. Für manche ist dieses Ritual fast eine Religion, für andere kompletter Blödsinn und die meisten können die Hemmschwelle, einen Löffel Öl im Mund herumzusaugen nicht überwinden. Für mich ist es einfach nur eine gute Methode, abends mein Kiefer ein wenig zu fordern, mein Zahnfleisch zu pflegen und morgens ohne Mundgeruch aufzuwachen.
  • Der beste Tipp zum Schluss: Die wirksamste Hautpflege, ist gar keine Pflege. Denn es ist wissenschaftlich bewiesen, dass unsere Haut verlernen kann, sich selbst zu regenerieren, wenn wir sie zu sehr verwöhnen. Genauso wie wir immer schlaffer werden, wenn wir nur auf dem Sofa rumliegen, wird auch unsere Haut faul, wenn sie ständig überpflegt wird. Auch wenn uns überfüllte Blogger-Shelfies weismachen wollen, dass wir uns 100 verschiedene Produkte ins Gesicht schmieren sollen – zu viel des Guten kann bewiesenermaßen unangenehme Ausschläge auslösen.
    Ich peele mein Gesicht 1-2 pro Woche, ohne es danach einzucremen und seitdem hat sich mein Hautbild sehr verbessert. Auch wenn die Haut danach etwas spannt, am Morgen danach wache ich mit rosiger und sehr praller Haut auf. Außerdem spart man so auch regelmäßig etwas Hautcreme!

 

Also, egal ob man sich erst langsam herantasten muss oder gleich voll durchstartet, jeder Schritt zu weniger Chemie und Müll im Bad ist ein wichtiger Schritt. Und manchmal folgen auf den ersten kleinen Schritt viele weitere ganz von allein.

 

 

Wichtig:
Trotz einigen Produktnennungen ist hier keine Werbung im Spiel. Alle der angegebenen Marken gebe ich freiwillig als Tipp an, weil ich damit nur gute Erfahrungen hatte und auch das Konzept dahinter toll finde.

 

Buchtipps zum Thema Minimalismus

Einmal so richtig ausmisten, nicht mehr so viel kaufen, weniger besitzen. Wie so oft im Leben haben mich Bücher zum Umdenken gebracht. Natürlich ist es ein bisschen absurd sich fünf Bücher zu kaufen um seinem Ziel weniger zu kaufen näher zu kommen. Als würde man in der Konditorei überlegen, wie man weniger Süßes essen kann. Aber für mich waren folgende Ratgeber, Coffeetable Books und Geschichten eine riesige Inspiration und haben mich schlussendlich immer einen Schritt weiter gebracht. Motivationsschub in 3…2…1…

 

Minimalism

 

MAGIC CLEANING – MARIE KONDō

Die Bibel in Sachen Ausmisten ist wohl Magic Cleaning von Marie Kondō. Dort heißt es schon (sehr bescheiden) im Untertitel „Wie richtiges Aufräumen dein Leben verändert“. Ihr 2011 erschienenes Buch löste erstmals eine Welle von Neo-Minimalisten aus, die sich von vielem Besitz einfach trennten und dabei mal, wie der Titel schon sagt, so richtig aufräumten. Natürlich war es auch das erste Buch, das ich mir nach meinem Sinneswandel zum Thema Decluttering kaufte und was soll ich sagen – wow. Allen, die noch unentschlossen sind und einen sanften Einstieg in das Thema brauchen, würde ich eventuell zu einem anderen System raten. Denn die Strategien von Magic Cleaning sind zwar tatsächlich sehr wirksam, aber auch rigoros und sehr streng. Wer sein Hab und Gut aber per Komplettanalyse wirklich auf das Nötigste reduzieren will, ist mit den Tipps der Japanerin sehr gut beraten. Augen zu und durch!

 

EINFACH LEBEN – LINA JACHMANN

Weniger heißt für die Autorin Lina Jachmann gleichzeitig auch mehr: mehr Zeit, mehr Geld, mehr Freiheit und mehr Glück. Ihre Philosophie hat die gebürtige Hamburgerin in ein Ratgeber-Buch gepackt, das sich so schön liest wie ein Lifestyle Magazin. Aber nicht nur sie erzählt darin von ihren positiven Erfahrungen: In bebilderten Homestories und Interviews geben viele weitere Minimalismus-Fans praktische Tipps rund um die Themen Wohnen, Mode, Körper und Lifestyle. Joachim (67) beispielsweise besitzt nur 50 Dinge. Ich weiß nicht wie es euch geht aber es gibt Tage, da habe ich allein in meiner Handtasche mehr Zeug. Aber genau deshalb ich dieses handliche Buch auch so inspirierend. Es zeigt wie glücklich man mit solch extremen Entscheidungen sein kann, erzählt aber auch davon, wie man klein anfängt. Das schönste an dem Buch ist aber, dass es keine strikte Anleitung sein will, der man Schritt für Schritt folgen soll. Das Buch ist viel mehr Inspirationsquelle, um Neues zu testen und ein bisschen mehr „weniger“ in sein Leben zu lassen.

Unter den Hashtags #einfachleben und #minimalismusguide kann man die persönlichen Ansätze der Instagram-Gemeinde mitverfolgen.

Das Buch ist um € 25,70 (Ö) im Knesebeck-Verlag erschienen. www.knesebeck-verlag.de

 

L’art de la Simplicité – Dominique Loreau

Dieses Buch liest sich wunderbar und hält einige sehr gute neue Sichtweisen bereit: wie befreiend und einfach es sein kann, ein bisschen organisierter durch den Alltag zu gehen, die Unterschiede zwischen Qualität und Luxus oder wie schön es ist, seine Kosmetikprodukte auf ein paar wenige, natürliche Produkte zu reduzieren. Man möchte am liebsten gleich nach jedem Kapitel alles umkrempeln. Einen Minuspunkt hat das Buch allerdings, nämlich das Kapitel „Schönheit“. Das geht wie ich finde, einen komplett falschen Weg. Hier erklärt die Autorin nämlich ziemlich genau, warum schön gleich gesund ist und das finde ich bedenklich. Gut, zu schreiben, dass Übergewicht ungesünder ist als ein schlanker Körper hat medizinisch gesehen seine Richtigkeit. Aber man sollte aufhören, körperlichen Unperfektheiten mit Krankheit und mangelnder Hygiene zu assoziieren. Ein bisschen mehr Fleisch am Körper bedeutet nicht, dass man sich unmöglich ungesund ernährt und keinen Sport treibt. Gelbe Zähne oder Pickel machen uns nicht gleich zu schlechteren, hässlicheren Menschen und oft kann man genau gar nichts dagegen tun. Dieses Kapitel ist also ein wenig zu drastisch und bekommt einen Daumen nach unten. Ansonsten hält das Buch aber viele sehr motivierende Vorschläge für den Alltag bereit.

Die englische Version ist erst kürzlich bei Trapeze erschienen.

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NATURALISTA – XOCHI BALFOUR

Das Besondere an diesem Buch ist eigentlich die Geschichte der Autorin. Xochi Balfour arbeitete nach ihrem Abschluss in Oxford zunächst als freie Journalistin und zog mit ihrem Ehemann Ben 2011 einen gemeinnützigen Imbisswagen auf. Völlig ausgelaugt und erschöpft stellt sie nach einem Jahr fest, dass ihr Leben so nicht weitergehen kann und schrieb sich für das Studium der naturheilkundlichen Ernährungswissenschaften ein. Sie startet einen Blog, The Naturalista, auf dem sie ihren Weg zu einem gesunden und ausgeglichenen Leben beschreibt. Das Ziel ihres Blogs und natürlich auch des Buchs ist es, mehr Achtsamkeit in den Alltag zu integrieren, mit wenigen (gluten- und laktosefreien) Lebensmitteln, tolles zu kochen und dankbarer für sein Leben zu sein. So lernt man, Produkte und ihren einzigartigen Geschmack mehr zu schätzen, regional und saisonal zu kaufen und sich mit ein bisschen weniger zufrieden zu geben. Ich zum Beispiel hatte völlig vergessen, wie gerne ich früher mit meiner Oma gekochte Kartoffeln mit Butter und ein wenig Salz gegessen habe. Durch dieses Buch habe ich mich daran erinnert und es wieder mal probiert – und es war wundervoll! Neben sehr schön illustrierten Lifestyle-Tipps gibt es vor allem viele einfache Kochrezepte und Tricks, wie man Reste effektiv verwerten kann, wie zum Beispiel eine Papaya-Kiwi-Gesichts-Maske.

Das Buch ist um €25,70 (Ö) im Knesebeck-Verlag erschienen. www.knesebeck-verlag.de

THE HAPPINESS PROJECT – GRETCHEN RUBIN

Dieses Buch war, glaube ich, das erste Buch, das ich zum Thema Achtsamkeit las. Darin nimmt sich die Autorin – Journalistin und Mutter – ein ganzes Jahr Zeit, um ein ziemlich hochgestecktes Ziel zu erreichen: glücklich sein, das schwierigste Ziel überhaupt. Obwohl Gretchen weder depressiv ist noch sehr unglücklich in ihrem Leben, fand sie doch, dass sie in ihrer momentanen Situation viel mehr empfinden sollte. Vor allem mehr Dankbarkeit. Aber kann man Glück eigentlich erzwingen? Und ist Dankbarkeit nicht einfach nur geheuchelt, sobald man sich vornimmt, mit Muss dankbarer zu sein? Tja, diese Fragen klären sich im Laufe des Jahres und einen nicht kleinen Anteil daran hat – ihr werdet es bestimmt erraten – das Aufräumen und Entrümpeln. Deshalb hat es dieses kleine Buch auch in diese Liste geschafft.

Zu diesem sehr witzig geschriebenen Buch gibt es übrigens auch einen Kalender, der mit verschiedenen Challenges helfen soll, ebenfalls bewusster und glücklicher auf sein Leben zu blicken. Die englischen Versionen sind bei International Edition erschienen.

 

 

Minimalismus

Als der Minimalismus bei mir einzog

Gemeinsam mit meiner Mutter stand ich im leeren Haus meiner Oma. Sie war kürzlich verstorben und ich half meinen Eltern dabei, das Haus auszuräumen, mit dem ich so viele glückliche Kindheitserinnerungen verbinde. Denn wie das Leben nun mal so ist, stand es jetzt leer und wurde verkauft. In den letzten Jahren ihres Lebens begann meine Oma, ihr ganzes Hab und Gut zu verschenken. Jeder, der sie besuchte, musste damit rechnen mit einem Schal, einem Topf oder einem Teeservice nachhause zu gehen. Auch an Weihnachten oder Geburtstagen konnte man damit rechnen, neben dem Kuvert mit Geldscheinen noch eine etwas angeschlagene Schale oder den Porzellanengel zu bekommen, den man noch von seinem angestammten Platz neben dem Fernseher-Regal im Wohnzimmer kannte. Das war eine liebenswerte Schrulligkeit, die ich damals aber überhaupt nicht nachvollziehen konnte. Woher dieser plötzliche Sinneswandel, alles loswerden zu wollen kam, war mir rätselhaft. In Anbetracht dessen waren meine Mutter und ich auch recht überrascht, wie viel dennoch im Haus meiner Oma übrig blieb. Wir kämpften uns stundenlang durch Kleiderberge (das meiste davon hatte ich noch nie an ihr gesehen), Tischtücher und Schals (durfte ein einzelner Mensch überhaupt so viele Schals besitzen? Es war unglaublich), Geschirr, Schmuck und unnötig aufbewahrter Dokumente. Doch auch nach einem halben Tag des Packens und Verladens war immer noch so unfassbar viel übrig geblieben. Erdrückend viel. Das war auch der Moment, in den ich meine Oma völlig verstand.

Wenn ich so an meine Kindheit und Teenager-Zeit zurückdenke, war ich nie besonders ordentlich. Ich bin Einzelkind, wurde immer schon mit Spielsachen, Süßigkeiten und anderem überhäuft und kann mich an regelmäßige Auseinandersetzungen mit meinen Eltern erinnern, weil mein Zimmer einer Messie-Höhle glich. Auch als Teeny war weniger nicht mehr für mich. Viel zu schön war es, Make-Up und Mode für mich zu entdecken, regelmäßig mit Freundinnen shoppen zu gehen und so immer und immer mehr Zeug anzuhäufen. Allein mit meinem Modeschmuck hätte ich eine eigene Claire’s Filiale eröffnen können. Vielleicht gehörte das zum Erwachsenwerden einfach dazu, es war aber dennoch zu viel des Guten. Ich glaube, das erste Mal als mir das richtig bewusst wurde, war ich gerade beim Umzug in meine erste WG. Und alle, die bereits einen Umzug hinter sich haben, werden mir zustimmen wenn ich sage: Es ist schockierend, wie wenig in so einen Umzugskarton passt. Erstaunlich ist auch, wie viele dieser Kartons man in einem so jungen Leben bereits befüllen kann, mit Dingen, die man eigentlich nicht braucht. Ich ließ also gut die Hälfte davon in meinem Elternhaus zurück, konnte mich nicht ganz davon trennen und dachte, spätestens wenn ich eine eigene Wohnung habe, findet alles seinen Platz. Ziemlich bald wurde mir allerdings klar, dass ich nichts von dem, was ich zurückgelassen hatte, wirklich vermisste, geschweige denn brauchte. So kam es zum ersten großen Aussortieren und was soll ich sagen: Das Gefühl war großartig!

Fakt ist aber auch, dass ich noch immer sehr viel Unnötiges in meinem Leben hatte: Deko-Zeug, das eigentlich nur Staub fing. Billiger Modeschmuck, der schon längst die Farbe wechselte. Und Unmengen von unbequemen Schuhen, Kleidern und Blusen, die ich sowieso nie anzog. Richtig gestört hat mich das allerdings nicht. Bis heute, zwei weitere Umzüge später. Ich bin mir nicht sicher, wann genau dieser Knackpunkt kam, nach dem ich zum Ordnungs-Junkie wurde. Vielleicht war es diese sehr unstetige Phase meines Lebens, in der meine Jobverhältnisse und die Richtung, in die mein Leben gehen sollte noch sehr ungeklärt und wackelig waren. Plötzlich wollte ich Ordnung und Struktur in meinem Leben, keine vollgestopften Kästen und vor allem wollte ich atmen können, ohne vom „Zu Viel“ erstickt zu werden.  Jetzt, wo die Themen Detoxing, Minimalismus und Nachhaltigkeit richtig boomen, las ich auch viele Artikel und Bücher darüber, schaute die Netflix Doku The Minimalists und fühlte mich sehr stark motiviert. Die endgültige Entscheidung, mehr Überblick über meinen Besitz zu bekommen, kam aber nach dem besagten Erlebnis im Haus meiner Oma. Kaum war ich nach diesem Tag daheim angekommen, ging ich mit einem Sack durch unsere Wohnung (ich wohne mit meinem Freund zusammen, den ich mittlerweile auch zum Ausmustern motivieren konnte) und steckte alles rein, zu dem ich keine Verbindung spüren konnte und was soll ich sagen: schlussendlich waren es zwei große, vollgefüllte Müllsäcke, die ich spendete. Das letzte Mal hatte ich mich so positiv befreit gefühlt, als ich meine Haare von Ellbogen- auf Kinnlänge abschnitt – es war toll! Als wäre ich viel leichter, glücklicher und unabhängiger, denn mehr Besitz bedeutet auch immer mehr Aufwand beim nächsten Umzug. Oder zeitgemäßer ausgedrückt: ein Glücksgefühl wie 100 neue Follower auf Instagram, wenn man so will. Es ist ein großartiges Gefühl, durch die Wohnung zu gehen und zu wissen, dass man hier (fast) nur mit Dingen lebt, die man wirklich braucht und benützt und mit denen man besondere Erinnerungen verbindet.
Für alle, die sich jetzt vielleicht motiviert fühlen, auch ein bisschen Ballast abzuwerfen gibt es hier einige Anhaltspunkte, die Trennungsschmerzen bestimmt erleichtern:

  • Die erste und wichtigste Regel ist: Nichts was ausgemustert wird, hat es verdient im Mülleimer zu landen! Auch wenn etwas noch so klein und unwichtig erscheint, kann man es spenden oder zu einem wohltätigen Flohmarkt bringen, wo es doch noch etwas Gutes bewirken kann. Der kleine Mehraufwand ist es 100% Wert!

 

  • Wer Angst vor einer Riesen-Aufräumaktion hat, die einen ganzen Tag verschlingen würde, der sollte am besten einfach an der Oberfläche beginnen. Das funktioniert am besten bei Staubfängern wie Vasen, Teelichtern und anderer Deko. Brauche ich 5 verschiedene Zuckerdosen oder behalte ich einfach nur die, die mir am besten gefällt? Hat dieses Ding Bedeutung für mich? Verwende ich es regelmäßig bzw. freue ich mich, wenn ich es ansehe? Das gute Gefühl in einem Raum zu sein, der nur aus Dingen besteht, die man wirklich gern hat, ist diese Überlegungen wert.

 

  • Wenn unter den Abschiedskanditaten (so wie bei mir) einige Geschenke waren, muss man für sich selbst entscheiden, was einem wichtig ist. Natürlich ist es ein sehr heikles Thema, Geschenke auszumustern, die man von lieben Menschen bekommen hat. Vor allem wenn der Beschenkende ein unglückliches Händchen für den persönlichen Geschmack hatte, sollte man einfach vorschlagen, sich in Zukunft statt Materiellem mehr Zeit miteinander zu wünschen. Ein Essen, ein Museumsbesuch oder ein gemeinsamer Kinobesuch sind meistens auch viel wertvoller als alles, was man kaufen kann.

 

  • Bücher. Ich weiß, noch ein heikles Thema. Von Büchern will man sich nur sehr ungern trennen, da man sich damit auch von einer ganzen Welt, einem eigenen Universum trennt. Ich bin trotzdem dazu übergegangen, wirklich nur die Bücher aufzuheben, die mich sehr bewegt haben. In meinem Bücherregal findet man jetzt quasi nur die Hall of Fame.

 

  • Sich minimalistisch einzurichten, ohne den Wohnraum dabei kalt und leer wirken zu lassen, ist eine Kunst für sich. Wer sich so viel Überlegung nicht antun möchte, sollte einfach nur durch die Wohnung gehen, Fensterbretter oder Regale betrachten und ein paar Dinge davon zu entfernen und zu sehen, wie es danach wirkt. Ein Fenster lässt viel mehr Licht herein und den Raum heller wirken wenn vielleicht nur eine Pflanze davor steht. Auf einem Regal oder einer Kommode können ein paar freien Flächen spannend und aufgeräumt wirken. Oder es setzt ein besonderes Erinnerungsstück oder ein Bild richtig in Szene, lässt man es für sich alleine stehen. Sich von unnötigen Dingen zu trennen, kann also auch den Wohnraum viel klarer und größer wirken lassen und ein unbeschwerteres Gefühl bringen.

 

  • Die wichtigste Regel ist allerdings, dass Minimalismus nicht heißt, dass man sich von allem Besitz trennen muss und mit nur 5 Dingen in einem leeren Raum wie ein buddhistischer Mönch leben muss. Ich könnte mich nicht mal für 5 Nagellacke entscheiden, die ich aussortieren müsste… Man muss nicht jedes Ding in seinem Leben rechtfertigen können, vor allem nicht wenn man ein Mensch wie ich ist, der schöne Dinge einfach liebt. Es reicht, wenn man bei jeder Anschaffung einen Gedanken mehr darauf verschwendet, ob es wirklich notwendig ist oder man etwas ähnliches nicht bereits besitzt. Oder ob es einem in den nächsten Jahren auch noch Freude bereitet oder nur in diesem Moment. Man lebt so viel unbeschwerter, wenn nicht ständig dieses „das muss ich jetzt unbedingt haben“-Gefühl da ist. Denn Besitz ist schlussendlich nicht für die Ewigkeit und sollte auch keinen so wichtigen Status in unserem Leben einnehmen. Fest steht daher: ein bisschen mehr Genügsamkeit und Einschränkung, egal in welchem Bereich ist einfach unglaublich befreiend.

 

Um auf den Anfang zurück zukommen: Einige der goldenen Ketten aus dem Schmuckkästchen meiner Oma habe ich behalten. Nämlich jene, die sie auf Reisen gesammelt und mit denen sie schöne Erinnerungen verbunden hatte. Jedes Mal, wenn ich sie trage, denke ich daran und natürlich auch an sie. Manche Dinge, nämlich die sorgsam ausgewählten, bleiben eben für die Ewigkeit. Auch wenn sie noch so klein sind.

 

Minimalismus

 

Am strengsten kuratiere ich mittlerweile meinen Kleiderschrank, auch was die Anschaffung von Neuem angeht. Was dabei wichtig ist, habe ich HIER und HIER in ein paar Schritten zusammengefasst.

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Tamara de Lempicka

Kunstportrait: Das Bild, das mich verfolgte.

Es muss wohl vor mehr als zehn Jahren gewesen sein. Mit meinen Eltern machte ich einen Ausflug in die Hauptstadt Wien, die mir damals noch so riesig vorkam. Wir gingen ins Museum, spazierten über die Ringstraße und fuhren mit einer der alten Straßenbahnen, die ich heute noch immer sehr liebe. Ein Moment von damals hat sich mir besonders eingeprägt: Ruckelnd fuhren wir an wunderschönen Sehenswürdigkeiten wie dem Rathaus, dem Parlament und den Parks vorbei, entlang der Ringstraße, gesäumt von Bäumen und Litfaßsäulen. Plötzlich sah ich ein Gesicht an einer der Säulen. Es zeigte eine Frau mit kantigen Zügen, die Farben und Schatten wirkten so dramatisch, so gemalt und realistisch zugleich. Es war das Plakat einer Ausstellung, die gerade im Wiener Kunstforum gezeigt wurde, doch bevor ich den Namen des Künstlers ausmachen konnte, waren wir auch schon an der Säule vorbei und die geheimnissvolle Frau verschwand aus meinem Blickfeld. Damals hatte ich kaum Interesse an Kunst, bekam den kurzen Eindruck dieses Gemäldes aber tagelang nicht mehr aus dem Kopf. Nichtsdestotrotz, vergaß ich das Gesicht irgendwann – bis jetzt. Ein Jahrzehnt danach, fiel mir beim Stöbern durch den Buchladen ein Bildband in die Hände, das genau dieses Bild zeigte und ich erinnerte mich sofort an unsere erste Begegnung. Und nun klärte sich auch das Rätsel des fehlenden Künstlers, oder besser gesagt, der KünstlerIN. Es stammte nämlich von der Malerin Tamara De Lempicka, deren Lebensgeschichte mich ziemlich schnell faszinierte. Und das aus vielen Gründen, die es definitiv wert sind, heute geteilt zu werden:

Tamara war DIE Künstlerin der Pariser Gesellschaft der zwanziger und dreißiger Jahre. Der Charakter der Künstlerin war allerdings nicht gerade von Eigenschaften wie Bescheidenheit oder Zurückhaltung geprägt, zumindest wenn man ihren Biografen glaubt. Als ich das erste Mal von ihr las, war sie mir deshalb nicht besonders sympathisch, das muss ich zugeben. Aber versetzt man sich in die damalige Zeit, war es vielleicht gerade ihr besonders starker Charakter, der ihr als Frau zum Erfolg verhalf. Denn wie wir bereits von Georgia O’Keeffe wissen, war die Kunstwelt – und eigentlich die Welt allgemein – von Männern dominiert.

 

 

Bereits als Kleinkind soll Tamara Lempicka sehr herrschsüchtig gewesen sein und beanspruchte alle Aufmerksamkeit für sich. Vielleicht lag das an ihrer Herkunft: 1898 wurde sie in Warschau in ein wohlhabendes Elternhaus hinein geboren. Ihre Mutter entstammte selbst einer privilegierten Familie, der Vater war Anwalt. Mit solch einem Familienstammbaum wurde man in der damaligen Zeit bereits in dem Glauben erzogen, etwas Besseres zu sein. Mit der Malerei kam sie bereits mit 12 Jahren in Kontakt, wieder unter ganz eigenwilligen Umständen: Eine Malerin sollte ein Portrait des Mädchens anfertigen – mit dem Endergebnis war sie aber alles andere als zufrieden und tönte,  sie könne es besser machen.  Ob das Portrait ihrer Schwester, das sie daraufhin malte nun wirklich besser war, wird ein Geheimnis bleiben. Leidenschaft und Talent durften aber bereits vorhanden gewesen sein. Als ihre Eltern sich trennten, beschloss Tamara aus Protest, bei ihrer Tante in Petersburg zu leben – ein luxuriöser und ausschweifender Lebensstil, den sie von da an nie mehr missen will. Mit 16 Jahren lernt sie den Anwalt (Hallo, Vaterkomplex!) Tadeusz de Lempicki kennen, den sie zwei Jahre später heiratet. Der Luxuslifestyle endet aber abrupt mit der russischen Oktoberrevolution 1918 und das glamouröse Paar flieht in die Modemetropole Paris. Sie bekamen eine Tochter namens Kizette und die Liebe zur Malerei lag bis dahin erst mal brach. Bis Tadeusz keine Arbeit mehr fand und Tamara gezwungen wurde, für den Unterhalt ihrer Familie allein zu sorgen. Aus der Not machte sie eine Tugend, nahm Malunterricht und kam mit den ersten Vertretern des Kubismus in Berührung, der damals noch alles andere als „salonfähig“ war.

 

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Sie wird schnell zur gefragten Künstlerin und eines der Aushängeschilder der Kunst im Europa der zwanziger und dreißiger Jahre. Vor allem ihre Bekanntheit in High Society Kreisen lässt sich wahrscheinlich nicht nur auf ihre malerischen Fähigkeiten zurückführen. Sondern auch auf ihre Entschlossenheit, jede Möglichkeit zu ergreifen, um bekannt und berühmt zu werden. Sie entscheidet sich daher bewusst für den Malstil Art-Deco, der damals der populärste war. Er ist prunkvoll, glamourös, mit viel Schwung und Gold. Auch ihre Modelle wählt sie gezielt aus und porträtiert vor allem die soziale Elite – die It-Girls und Influencer der damaligen Zeit quasi. Später widmet sich Tamara Frauen, die sowohl ihre Modelle als auch ihre Liebhaberinnen werden. Sehr gewagt für die damalige Zeit, aber in den Golden Twenties, als man mit dem Champagner-Konsum bereits beim Frühstück begann, ein Lifestyle der noch vertretbar war. Vor allem hatte sie eine Vorliebe für starke, emanzipierte Frauen, was sich auch auf ihre Kunst übertrug. Die Künstlerin vertauscht sehr oft weibliche und männliche Rollenmuster in ihren Bilder und zeigt Frauen z.B. nicht als Verführte sondern als Verführende. Für ihren Ehemann hat sich bald keinen Platz mehr in ihrem Leben, das sie inmitten der High Society führt. Man reißt sich darum, von ihr gemalt zu werden – eine Tatsache, die sie ausnutzt, um immer höhere Preise für ihre Porträts zu verlangen. Einen ersten Karriereknick gibt es aber, als sie einen ungarischen Baron heiratet und mit ihm im Alter von 41 Jahren in die USA emmigriert. Zwar hat sie weiterhin ihre Unabhängigkeit und kann sich bald die beliebteste Malerin Hollywoods nennen, doch ihre Kunst kann nicht mehr so ganz überzeugen. Als die Pop-Art (bunt, grafisch, meist gedruckt statt gemalt) über die USA schwappte, kann Tamara stilistisch nicht mehr mitkommen und gerät alsbald in Vergessenheit. Bis zu ihrem Lebensende stellt Tamara Lempicka ihre Kunst nirgends mehr aus, sie stirbt im Alter von 82 Jahren in Mexiko.

Erstaunlich, welche beeindruckenden Lebensgeschichten sich auf einer einfachen Litfaßsäule verbergen können, oder?

 

 

Die Bilder stammen aus dem großartigen Bildband DE LEMPICKA, erhältlich im TASCHEN-Verlag.

 

 

de Lempicka, Gilles Néret
Hardcover, 21 x 26 cm, 96 Seiten
ISBN 978-3-8365-3224-2

Organic Cotton

Was der Kauf eines Organic Cotton T-Shirts wirklich bewirkt

Es war kurz vor meiner letzten Urlaubsreise, als es geschah. Etwas, von dem ich mir eigentlich geschworen habe, es nicht wieder zu tun. Ein übereilter Spontankauf. Ich habe mir eingebildet, dass ich das neue weiße T-Shirt für den Urlaub unbedingt „brauche“. Wobei das Wort „brauche“ bei einem Kleiderschrank, voll mit Alternativen zu eben diesem fehlenden T-Shirt eigentlich lächerlich ist. Aber eben keinem einfachen, gut-geschnittenen, unkomplizierten weißen T-Shirt. Und was macht man heutzutage, wenn man schnell mal ein Basic braucht, kein großes Budget und noch weniger Zeit zum Shoppen hat? Natürlich, man geht zu einer der vielen vielen Filialen eines wohlbekannten Fast Fashion Konzerns – und bricht dabei einen weiteren, selbst-auferlegten Schwur. Nämlich nie wieder, bzw. nur eingeschränkt solche ausbeuterischen Betriebe zu unterstützen. Natürlich fand ich sofort das gewünschte Modell und einen Preis, so billig, dass es mir gleich noch mehr weh tat. Voller Reue war ich schon dabei, es einfach gut sein zu lassen aber nur ein paar Meter weiter entdeckte ich dann das etwas teurere Pendant, das noch dazu aus viiiieeel umweltfreundlicherem Organic Cotton besteht und auch zur sogenannten Conscious Collection gehört. Die soll, nur nebenbei bemerkt, die schlechten Gewissen genau solcher faulen, geizigen und nicht weiterdenkenden Heuchlerinnen wie mich ein wenig beruhigen. Man sieht, ich tue bereits jetzt Buße… Lange Rede, kurzer Sinn: Ich habe dann das tolle Teil aus der supertollen biologischen Baumwolle gekauft. Um einen Preis, für den ich mir nicht mal eine ganze Pizza hätte leisten können.

Daheim angekommen, packte mich aber bereits die besagte Reue und ich begann (viel zu spät, das ist mir schon klar) über Organic Cotton zu recherchieren.

Die Aufschrift “organic” ist heutzutage bereits, das muss man sich eingestehen, ein sehr effektives Marketing-Instrument geworden. Egal ob bei Kleidung, Getränken oder Essen, Wörter wie organic, green, conscious oder bio wirken auf moderne, umweltbewusste Konsumenten wie ein Magnet – auch auf mich, wenn ich ehrlich bin. Man denkt, damit tut man sich und der Umwelt etwas Gutes, oder? Das ist leider nur halb-wahr. Vor allem wenn man eben dieses schlichte T-Shirt als Beispiel nimmt, das wir bestimmt alle zuhauf daheim im Kasten hängen haben. Die traurige Wahrheit ist nämlich, dass unser Shirt aus Organic Cotton höchstwahrscheinlich noch mehr Ressourcen bei seiner Herstellung verschwendet hat als sein Pendant aus konventioneller Baumwolle. Das hat viele Gründe, die man überall nachlesen kann:

Zum einen hat konventionelle Baumwolle einen viel höheren Ertrag. Heißt: aus einer einzelnen Pflanze kann mehr Garn produziert werden als aus einer “organischen” Pflanze. Das liegt daran, dass er davor genetisch so modifiziert wurde. Die Pflanzen, die Organic Cotton produzieren, sind noch natürlich und wurden wiederum nicht genetisch verändert, das ist eigentlich schon der Unterschied. Der Nachteil ergibt sich allerdings genau daraus: Da man aus den naturbelassenen Pflanzen nun mal weniger Stoff erzeugen kann, müssen auch mehr gepflanzt werden, um trotzdem hohe Erträge zu erzielen. Das wiederum bedeutet mehr Land, das dafür bestellt werden muss und auch mehr Wasser für die Pflanzen. Spätestens jetzt kommt einen das ziemlich logisch vor, oder? Aber wer jetzt denkt, dass diese Nachricht schon deprimierend war, wartet mal auf die genauen Zahlen:

Das Unternehmen Cotton Inc. hat gemessen, das für die Produktion eines stinknormalen Baumwoll-Shirts um die 1100 Liter Wasser verwendet wird. Die gleiche Menge an Organic Cotton benötigt sogar 2500 Liter. 2500 Liter Wasser sind mal eben so um ein paar Euro in meine Tasche gewandert, nur weil ich ein passendes T-Shirt zu meinem (und da kommt die große Ironie) Vintage-Rock vom Flohmarkt haben musste! Dazu muss vielleicht noch gesagt sein, dass man davon ausgeht, dass Organic Cotton Pflanzen auf lange Sicht angeblich etwas weniger Wasser benötigen, da hochwertigere Pflanzen bzw. gesünderer Boden mehr Flüssigkeit speichern können. Die Baumwollpflanzen müssen aber so schnell wachsen und Erträge erzielen, dass leider auch diese Rechnung nicht ganz aufgeht. Die ideale Bewässerungsmethode wäre es, die Pflanzen mit aufgefangenem Regenwasser zu versorgen – glaubt man Cotton Inc. Tun das bereits knapp die Hälfte der weltweiten Produzenten von Baumwolle als auch Biobaumwolle. Herauszufinden, zu welcher Art mein gerade eben gekauftes Shirt zählt, ist leider genauso unmöglich wie festzustellen, unter welchen Bedingungen die Wolle geerntet wurde. Der Wasserverbrauch ist vor allem in Ländern wie Indien wichtig, wo reines Wasser sowieso Mangelware ist.

Ein anderer Punkt bei dem Bio-Baumwolle im Vorteil zu sein scheint, ist der Einsatz von Chemikalien. Auf die wird aber leider nicht verzichtet, man verwendet dabei einfach nur welche, die aus natürlichen Stoffen entwickelt werden. Dass diese die Umwelt nicht negative beeinflussen ist aber auch nicht bestätigt.

Was also tun mit meinem Impulskauf, der mehr Wasser verschwendet hat wie eine Kleinfamilie in 10 Tagen? Eigentlich kann man nur aus der Sache lernen, sich ins Gewissen reden und öfter daran denken, dass die kleinen Handlungen oft größere Wirkung haben, als man denkt. Das geht natürlich auch in umgekehrter Weise: Auch wenn wir glauben, es sei egal wenn wir ein Kleidungsstück weniger kaufen, wenn wir die eine Glasdose recyceln oder uns mit den ausgelatschten Schuhen noch eine Saison lang zufrieden geben – es hat eine Auswirkung. Deshalb sollten uns solche Nachrichten weniger deprimieren als viel mehr motivieren! Unser Konsumverhalten hat immer irgendeine negative Auswirkung, das ist einfach so. Man kann sich aber sehr wohl überlegen, wie man selbst damit umgeht und wie man den Schaden so gut es geht begrenzt: Wir können wertschätzender mit unseren T-Shirts umgehen. Wir können es bei kleinen, lokalproduzierten Labels kaufen, statt bei gesichtslosen Großunternehmen. Wir können darauf achten, dass es so lange wie möglich Nutzen für uns hat. Wir müssen es nicht wegwerfen, wenn wir es nicht mehr mögen, sondern können jemanden finden, dem es gefällt oder der es vielleicht sogar dringend braucht. Wenn es schlussendlich doch kaputtgeht, können wir ihm sogar eine neue Aufgabe geben und es als Putztuch verwenden.

Was mich und mein weißes T-Shirt angeht: Ich werde es pflegen wie einen Schatz damit es so lange wie möglich Nutzen für mich hat. Denn nun ist mir leider bewusst, dass es einen viel höheren Preis hatte, als ein paar Euro.

 

 

Quelle für die Statistiken: https://qz.com/990178/your-organic-cotton-t-shirt-might-be-worse-for-the-environment-than-regular-cotton/